Hygiene in der Kritik

Hygiene-Desaster? Kaufland-Kundin von Brot-Regal angeekelt - „Markt stiehlt sich aus Verantwortung“

Jemand nimmt ein Brötchen aus einem SB-Regal im Backshop.
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Sogenannte Rücklegesperren könnten verhindern, dass Kunden Backwaren entnehmen und wieder zurücklegen - doch Gerichte sehen dafür keine hygienische Notwendigkeit.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Eine Kaufland-Kundin ist entsetzt: An der Brötchen-Theke bei Kaufland bedienen sich offenbar Kunden ohne Zange und Handschuhe. Für ihre Beschwerde zeigt der Supermarkt offenbar wenig Verständnis.

Neckarsulm - Nicht erst seit der Corona-Pandemie machen sich viele Menschen Gedanken um die Hygiene in Supermärkten. Auch aktuell kommt es immer wieder zu Beschwerden. Erst kürzlich zeigte sich eine Kaufland-Kundin entsetzt, wie eine Mitarbeiterin ein Regal einräumte - und bezeichnete es als „absolut unhygienisch“.

Nun geriet Kaufland erneut ins Visier einer Kundin. Diese forderte den Supermarkt auf, seine Backwaren in Zukunft besser vor grapschenden Händen zu schützen.

„Ich finde es sehr unschön von Kaufland, wie sich das Unternehmen aus der Verantwortung stiehlt“, leitet die Kundin ihre Beschwerde auf der Facebook-Seite von Kaufland ein. „Backwaren können von jedem Kunden ohne Handschuhe oder Zange entnommen werden.“ Offenbar hatte sich die Frau bereits an den Kundenservice gewandt. Doch mit dessen Antwort war sie nicht zufrieden.

Kaufland-Kundin verärgert: „Wer will schon Backwaren haben, die jemand anderes angefasst hat?“

„Als Antwort vom Kundenservice kam nur: Sogar der Europäische Gerichtshof hat sich damit befasst“, so die Kundin. Dieser habe jedoch mit einem Urteil von 2011 die Verpflichtung, Selbstbedienungs-Theken mit entsprechenden Hygiene-Vorrichtungen zu versehen, als eine „Übersteigerung der hygienerechtlichen Anforderung“ bezeichnet. Sogenannte „Rücklegesperren“ könnten eigentlich verhindern, dass Kunden Brötchen anfassen, und dann wieder zurücklegen - Pflicht sind sie jedoch laut des Urteils nicht. „Das Urteil ist zehn Jahre her und da gab es auch noch kein Corona!“, schreibt die entsetzte Kundin. „Wer will schon die Backwaren haben, die jemand anderes angefasst hat?“ Und fordert: „Hier sollte mal dringend etwas geändert werden! In anderen Supermärkten geht es doch auch.“

Auch andere Kunden konnten die Erfahrung der Nutzerin bestätigen. „Man noch dumm angemacht von Kunden, wenn man darauf hinweist, dass sie die Handschuhe anziehen sollen“, meint jemand. Ein anderer ist der Meinung, dass auch Zangen reichen würden. Kaufland selbst reagierte recht entspannt auf die Vorwürfe: „Wir können deine Bedenken verstehen“, schreibt der Supermarkt an die Kundin. „Solltest du dich damit unwohl fühlen, empfehlen wir dir unsere abgepackten Backwaren. Die sind ebenfalls täglich frisch und stellen übergangsweise eine super Alternative dar.“

Kaufland-Kunde nimmt Supermarkt in Schutz: „Kunden müssen sich ändern“

Ebenso räumte Kaufland ein, die verärgerte Kundin erneut mit dem Kundenmanagement in Verbindung zu bringen. Ein weiterer Kunde, der sich in die Diskussion einklinkte, nahm den Supermarkt in Schutz. Er sieht das Problem eher bei den Kunden selbst: „Ich gebe dir recht, dass etwas geändert werden muss“, schreibt er in Bezug auf die Beschwerde-Führerin. „Aber eher seitens der Kunden. Wie die mit Lebensmitteln umgehen, ist der Knaller. Backwaren werden angefummelt, Handschuhe oder Zangen kennen die nicht.“

Auch Obst und Gemüse werde „gedrückt, geklopft, geschüttelt und wieder zurückgeworfen.“ Sein Fazit: „Der Kunde muss endlich mal verstehen, dass es sich um Lebensmittel handelt - um Ware, die ihm zu dem Zeitpunkt noch nicht gehört und er damit anständig umzugehen hat.“

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