Erneuter Shitstorm

Kaufland-Kunde entsetzt wegen Magazin: „Ein Nazi-Heft hat wohl nicht gereicht“

Links: Kaufland Filiale von außen. Rechts: Titelblatt des Magazins „Zuerst!“
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Ein Kaufland-Kunde entdeckte in einer Filiale ein weiteres rechtsextremistisches Magazin. Auf Twitter teilte er seinen Fund (Fotomontage).
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Supermarktkette Kaufland bietet in vielen Filialen Magazine mit rechtsextremistischem Inhalt zum Verkauf an. Auf erneute Kundenkritik reagiert das Unternehmen verhalten.

Neckarsulm - Von Obst, Gemüse, Fleisch und Haushaltswaren bis hin zu Büchern - das Sortiment der Kaufland-Filialen in Deutschland ist groß. Wer einen Blick auf die Auslagen von Zeitungen und Magazinen wirft, wird bei Kaufland auf verstörende Zeitschriften stoßen.

In Sachsen-Anhalt findet sich das rechtsextremistische Magazin „Schwertträger“ in den Regalen von Kaufland. Hakenkreuze, rechtsradikale Inhalte und verherrlichte Kriegsverbrechen werden darin dargestellt. Das fragwürdige Angebot bei Kaufland rief viel Kritik hervor. Doch die Supermarktkette wies diese von sich und berief sich auf die Pressefreiheit. Das Magazin ist weiterhin in den Regalen zu finden. Konkurrent Real reagierte anders. Die Supermarktkette hatte das Magazin aus ihrem Sortiment entfernt.

Doch bei einem Nazi-Magazin sollte es nicht bleiben. Eine Kaufland-Kundin entdeckte das Monatsmagazin „Compact“, das sogar vom Verfassungsschutz beobachtet und als rechtsextrem eingestuft wird. Auf Twitter teilte die Frau ihren Fund, löste damit einen wahren Shitstorm aus. Kaufland wies erneut alle Schuld von sich und wollte das Magazin „nicht zensieren“. Die Kritik an der Supermarktkette aus Baden-Württemberg wird allerdings immer lauter. Auf Twitter reagierte Kaufland nun.

Kaufland verkauft rechtsextremistische Magazine - Kunde sauer über Fund im Regal

Erneuter Auslöser der Debatte ist ein Tweet eines entsetzten Kunden, wie Ruhr24* berichtet. Die Produkte sind seiner Meinung nach viel zu sichtbar im Regal platziert. Auf Twitter veröffentlichte er Anfang November ein Foto der Auslage mit den Magazinen, schrieb dazu: „Unser Kaufland. Ein Nazi Heft hat wohl nicht gereicht.“

Denn neben dem rechtsradikalen Magazin „Compact“ findet sich in der Kaufland-Filiale in Sachsen das Magazin „Zuerst!“. „Die Afghanen kommen!“, titelt die Zeitschrift. Sie bezeichnet sich selbst als „das Magazin für deutsche Interessen“.

Nazi-Hefte bei Kaufland: Kunden reagieren schockiert, wollen künftig „nie mehr“ bei Kaufland einkaufen

Unter dem Tweet häuften sich die kritischen Kommentare. „Alle verbrennen!“, fordert etwa eine Twitter-Nutzerin. „Dann gibt es ja genug Gründe, dort nicht mehr einzukaufen“, wettert ein anderer gegen die Auslage der Nazi-Hefte bei Kaufland. Eine andere schreibt, künftig nicht mehr bei Kaufland einkaufen und fortan zu Aldi, Lidl und Rewe gehen zu wollen. Viele weitere wollen sich an die Geschäftsführung von Kaufland wenden und sich beschweren.

Auch Kaufland reagierte auf den Tweet - allerdings ohne wirklich Stellung zu den Anschuldigungen zu nehmen. „Alle Informationen zu diesem Thema werden hier kurz erklärt“, schreibt Kaufland und verweist auf einen Link zu einem Artikel des Portals Übermedien. Darin wird erklärt, dass Supermärkte wie Kaufland von Pressegrossisten, also Großhändlern für Zeitschriften und Magazine, beliefert werden. Diese wiederum unterliegen einem „Neutralitätsgebot“. Heißt: Jedes Magazin wird ausgeliefert, unabhängig von dessen Inhalt oder etwa politischer Neigung. Der Pressegroßhandel nehme zudem keine Wertung der ausgelieferten Artikel vor.

Viele können die Haltung von Kaufland auch nach dieser Begründung nicht verstehen. „Was spricht eigentlich dagegen, die Hefte aus dem Regal zu nehmen und als unverkauft Retoure zu schicken?“, fragt ein Twitter-Nutzer. „Jetzt weiß ich auch, wo ich nie mehr einkaufen werden“, schlussfolgert ein anderer nach dem Kaufland-Statement. *Ruhr24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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