Umschwung in der Schwarz-Gruppe

Neuer Chef: Kaufland-Filialen sollen komplett umkrempelt werden

Die Filial-Logos von Lidl und Kaufland in einer Collage.
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Alles auf neu: Mit Gerd Chrzanowski stehen Lidl und Kaufland viele Neuerungen bevor (Symbolbild).
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Mit dem neuen Lidl- und Kaufland-Chef Gerd Chrzanowski steht nicht nur ein Führungswechsel im Unternehmen an. Er will die Filialen umgestalten. Ab Dezember 2021 tritt er seinen neuen Job an.

Bad Wimpfen - Es hatte ein großes Beben bei Lidl und Kaufland gegeben, als vergangenen Monat Klaus Gehrig das Feld räumen musste. Der ehemalige Leiter der Schwarz-Gruppe und Aufsichtsratsvorsitzender von Lidl und Kaufland trat wohl wegen eines Streits mit Konzernchef Dieter Schwarz von seinem Posten zurück. Spekuliert wurde auch, dass Klaus Gehrig gehen musste, weil er zu viele Frauen in Führungspositionen befördert hatte.

Kurz darauf wurde Gehrigs Nachfolger bekannt: Der bisherige Lidl-Vorstandschef Gerd Chrzanowski wurde zum Konzernchef ernannt. Der 49-Jährige galt bereits seit 2019 als heißer Kandidat für den Posten. Als einer seiner ersten Schritte beförderte Gerd Chrzanowski die Leiter der Bereiche Digitalisierung, IT, Entsorgungswirtschaft und Produktion zu Vorständen und Vorstandsvorsitzenden in ihren jeweiligen Bereichen, berichtet das Handelsblatt.

Und das aus gutem Grund: Gerd Chrzanowski will - anders als sein Vorgänger - das Unternehmen aus Baden-Württemberg nicht alleine führen, sondern ein Team unter sich versammeln, das ihn in seiner Aufgabe kompetent unterstützt. Zudem wolle er neue Geschäftsmodelle jenseits von den bereits etablierten Marken Lidl und Kaufland entwickeln, so das Handelsblatt weiter.

Chef von Lidl und Kaufland will die Discounter umstrukturieren - um sich gegen Konkurrenz zu behaupten

Gerd Chrzanowski will den Weg für ein jüngeres und moderneres Unternehmen ebnen. Damit tritt er ein großes Erbe an: Unter Klaus Gehrigs Führung erbrachte die Schwarz-Gruppe Rekordumsätze. Genauer gesagt sind es 125 Milliarden Euro Umsatz, 12.900 Filialen und insgesamt 500.000 Mitarbeiter.

Viel hatte sich beim Geschäftsmodell von Klaus Gehrig in den letzten Jahrzehnten nicht geändert. Mehrere Milliarden Euro wurden in die Verbreitung der Lidl-Filialen investiert, die Discounter schossen überall wie Pilze aus dem Boden. Auch bei Kaufland wurde und wird weiterhin vergrößert: Kaufland übernimmt zahlreiche Filialen und Standorte von der Supermarktkette Real.

Doch auch wenn die Zahlen bei Lidl und Kaufland aktuell gut aussehen - der Druck auf die Unternehmen wächst. Denn die Konkurrenz auf dem deutschen Markt ist groß. Durch große Supermarktketten wie Edeka oder Rewe werden die Wachstumsmöglichkeiten von Lidl und Kaufland irgendwann an ihre Grenzen kommen. Gerd Chrzanowksi setzt daher nun auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit, um sich gegen die Konkurrenz auf dem Markt zu behaupten und um sich von ihr abzuheben.

Lidl- und Kaufland-Chef Gerd Chrzanowksi: Er will das Unternehmen modernisieren

Gerd Chrzanowskis Plan: Die Unternehmensstruktur muss umgekrempelt werden. Klaus Gehrigs Führungsstil entspricht nicht Chrzanowskis Art. „Die Grundprinzipien der Führung unter Gehrig waren von Angst und Misstrauen geprägt“, sagt eine Führungskraft laut Handelsblatt. Davon wurden die Unternehmensentwicklung und der Freiraum zur Entfaltung neuer Ideen ausgebremst.

Hier schiebt der neue Lidl-Chef nun einen Riegel vor und strukturierte komplett um. So schloss er etwa die Abteilung „Interne Prüfung und Beratung“, die viele Topmanager als eine Art „internen Geheimdienst“ ansahen. Die Leitung hatte zuletzt Annabel Ehm inne, die bereits kurz nach Chrzanowskis Übernahme entlassen wurde.

Mit Gerd Chrzanowksi zieht nun eine andere Führungsriege ein. Der Unternehmenschef wird als fair und teamorientiert beschrieben. „Er führt auf Augenhöhe“, zitiert das Handelsblatt eine nicht genannte Quelle. Er könne gut zuhören, sei sachorientiert und offen für neue Ideen.

Chef von Lidl und Kaufland will die Discounter völlig umbauen: Weg frei für die Digitalisierung

Vor allem im Bereich Digitalisierung will Chrzanowski ansetzen. Projekte wie ein Lieferdienst bei Lidl und Kaufland wurden unter Klaus Gehrig schnell wieder eingestellt. Nun beschäftigen sich die beiden Ketten wieder mit dem Thema. In Sachen Digitalisierung soll Rolf Schumann, ehemaliger Manager bei SAP, die Schwarz-Gruppe auf den neusten Stand bringen. Die Verantwortung für die Digitalprojekte werden dann nicht mehr von Lidl und Kaufland selbst, sondern auf Konzernebene koordiniert.

Einen wichtigen Schritt hat die Schwarz-Gruppe bei der Digitalisierung bereits gemacht: Mit der Übernahme des Onlinemarktplatzes von der Supermarktkette Real bekommt das Unternehmen eine technisch hoch entwickelte Plattform. Lidl selbst will sich künftig darauf konzentrieren, seine Webshops in den einzelnen Ländern weiterzuentwickeln. Anfang April stellte Rolf Schumann Marketingspezialistin Carina Pellar von Amazon bei Lidl ein. „Digitalisierung genießt in der Schwarz-Gruppe höchste Aufmerksamkeit und Priorität, da brauchen wir Kompetenz und verschiedene Sichtweisen“, sagte Rolf Schumann damals.

Lidl- und Kaufland-Chef Gerd Chrzanowksi: Investition in Apps und Müllentsorgung

Aktuell beschäftigt sich zudem der Bildungscampus der Hochschule Heilbronn mit zwei Konzepten von automatisierten Shop-Formaten ohne Personal. Bereits erfolgreich eingeführt wurde die App Lidl Plus und die darin enthaltene Bezahlmethode „Lidl Pay“. Mit Erfolg: Allein in Deutschland wurde die Handyapp bisher mehrere Millionen mal heruntergeladen. Eine ähnliche App soll laut Handelsblatt auch für die Kaufland-Märkte kommen.

Noch mit einem anderen, völlig unerwarteten Modell will Lidl Millionen verdienen: der Müllentsorgung. Die Schwarz-Gruppe hat hierfür bereits das Unternehmen PreZero gegründet, um künftig Verpackungsmüll von Lidl und Kaufland in einem Wertstoffkreislauf zu recyceln. „Im Wertstoffgeschäft sehen wir für uns großes wirtschaftliches Potenzial“, sagte Chrzanowski kürzlich dem Handelsblatt. Auf PreZero werden sicherlich noch weitere Konzepte folgen, mit denen der Lidl-Chef sein Unternehmen in die Zukunft führen will.

 

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