Fragwürdiges Angebot

Rechtsextreme Zeitschrift in Kaufland-Filialen? Supermarkt beruft sich auf Pressefreiheit

Eine Kaufland-Filiale, gegenüber das Magazin „Schwerterträger“.
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Kaufland-Filialen in Sachsen-Anhalt vertreiben das rechtsextreme Magazin „Schwerterträger“.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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In Filialen der Supermarkt-Kette Kaufland liegt eine Zeitschrift mit mutmaßlich rechtsextremistischem Gedankengut aus. Gegen Kritik wehrt sich der Konzern und beruft sich auf die Pressefreiheit.

Köthen - Wer in Kaufland-Filialen in Sachsen-Anhalt in der Magazin-Auslage blättert, könnte dabei auf eine verstörende Zeitschrift stoßen. Der „Schwerterträger“ vertritt eine deutlich erkennbare rechtsextremistische Linie, verherrlicht Kriegsverbrechen und druckt Hakenkreuze ab. Wie kann so etwas im Jahr 2021 passieren? Das haben Medien die Supermarkt-Kette Kaufland gefragt. Die weist die Vorwürfe von sich und beruft sich auf die Pressefreiheit.

Ausgaben des mutmaßlich rechtsextremen Magazins wurden laut MDR unter anderem in einer Kaufland-Filiale in Köthen gesichtet. Von der aktuellen Version lächelt der wegen Kriegsverbrechen verurteilte deutsche Wehrmachtsoffizier Hermann-Bernhard Ramcke. Ihre Huldigung der Strippenzieher des zweiten Weltkriegs stellt die Zeitschrift offen zur Schau - und Kaufland lässt es zu.

Kaufland verteidigt Vorgehen - will aber keine Angabe zu der Menge der Magazine machen

Wie Kaufland gegenüber dem MDR erklärte, falle der Vertrieb des Magazins unter die Pressefreiheit. Das Zeitschriften-Sortiment umfasse mehr als 3.000 Titel und werde durch Großhändler bearbeitet. Jedoch werde die Zeitschrift regelmäßig durch eine Anwaltskanzlei überprüft. Eine konkrete Angabe, wie viele der Magazine in den Filialen ausliegen, wollte das Unternehmen nicht machen. Die Zeitschrift gehört nach Informationen der Bundesregierung zum Unternehmenskomplex eines rechtsextremistischen Verlegers.

Auch das Portal Übermedien berichtet über die Sichtung des „Schwerterträger“ in einer Buchhandlung am Leipziger Bahnhof. Dafür hagelte es Kritik in den sozialen Netzwerken. „Ich habe die Buchhandlung mal gemocht, jetzt haben sie einen Kunden weniger“, schrieb eine Nutzerin auf Twitter, nachdem sie das Magazin entdeckt hatte. Ähnlich wie im Fall von Kaufland berief sich auch die Buchhandlung auf die Pressefreiheit. „Uns obliegt es nicht, eine Zeitung oder Zeitschrift einzustufen, egal welcher politischen Ausrichtung, soweit sie nicht auf dem Index stehen“, so die Buchhandlung gegenüber Übermedien.

Prüfung problematischer Inhalte in Medien - Herausgeber in der Verantwortung

Laut Übermedien hätte die Buchhandlung durchaus die Freiheit gehabt, den Titel aus ihrem Angebot zu entfernen. Letztendlich reagierte die Buchhandlung auf die Kritik mit einer Prüfung der Zeitschrift und entfernte sie zu diesem Zweck auch aus dem Regal. Bei Feststellung problematischer Inhalte müssen Medien reagieren. Auch das Land Baden-Württemberg ließ kürzlich Schulbücher prüfen, da der Vorwurf auf möglicherweise antisemitische Darstellungen im Raum stand.

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