„Ich konnte es nicht fassen“

Rechtsextremes Magazin? Kaufland will „nicht zensieren“ und kassiert Shitstorm - „ekelhaft“

Links: Eine Kaufland-Filiale in Tschechien. Rechts: Das Cover des Magazins „Compact Geschichte“.
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Das bei Kaufland ausliegende Magazin „Compact“ sorgte aufgrund seiner Ausrichtung für einen Shitstorm.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Eine Frau entdeckte in einer Kaufland-Filiale ein Magazin mit fragwürdigem Inhalt. Ihr Fund löste auf Twitter einen regelrechten Shitstorm aus.

Neckarsulm - Die Supermarkt-Kette Kaufland mit Sitz in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) betreibt 1.300 Filialen in acht Ländern. Auch in Deutschland ist der Vollsortimenter mit zahlreichen Märkten vertreten. In einem davon entdeckte eine Kundin nun ein Magazin mit äußerst fragwürdigem Inhalt. Die Handelskette aus Baden-Württemberg stand bereits vor wenigen Monaten aufgrund einer rechtsextremen Zeitschrift, die in manchen Kaufland-Filialen verkauft wurde, in der Kritik. Damals berief sich Kaufland auf die Pressefreiheit und wies Kritik zurück.

Auch in dem neuen Fall handelt es sich um ein Magazin, das wohl offen rechtsextremes Gedankengut verbreitet. Die Kaufland-Kundin veröffentlichte ihren Fund inklusive Bilder auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Innerhalb kürzester Zeit löste der Tweet einen regelrechten Shitstorm gegen das Unternehmen aus. Kaufland weist erneut jegliche Kritik zurück und verweist auf die Gesetzeslage.

Kaufland: Kundin entdeckt fragwürdiges Magazin in Filiale - „Schaut euch an, was da drin steht“

Bei Kaufland entdeckten Kunden bereits das rechtsextreme und relativ unbekannte Magazin „Schwerterträger“. Bei dem aktuellen Fund der Kundin handelt es sich jedoch um ein deutlich bekannteres Magazin, das bereits vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Die Monatszeitschrift „Compact“ wird von Jürgen Elsässer als Chefredakteur verantwortet und von Journalisten und Wissenschaftlern als rechtspopulistisch oder rechtsextrem eingestuft. Der Verfassungsschutz ordnet die Zeitschrift seit Oktober 2020 als „Verdachtsfall“ ein. Die Bilder der Kaufland-Kundin machen die Ausrichtung des Magazins ebenfalls deutlich.

Das von einer Kundin in einer Filiale von Kaufland entdeckte Magazin schreibt bereits auf der Titelseite: „Geschichtslügen gegen Deutschland“. In dem Magazin befassen sich die Artikel mit deutlich rechtsextremen Ansichten in Bezug auf die Geschichte des Dritten Reiches unter Hitler. „Ich war neulich im Kaufland und da wurde tatsächlich das Compact-Magazin verkauft“, schreibt die Kaufland-Kundin zu ihrem Post auf Twitter. „Schaut euch an, was da drin steht, ich konnte es nicht fassen, dass sowas bei Kaufland verkauft wird.“

Genauso fassungslos zeigten sich viele andere Nutzer auf Twitter. „Ich verstehe nicht, warum dieses rechtsextreme Hetzblatt nicht längst verboten ist“, schreibt ein User. „Und warum sich Kaufland auch noch dazu hinreißen lässt und diesen Dreck verkauft, verstehe ich noch viel weniger.“

Kaufland weist Kritik zurück: „Zensur darf nicht stattfinden“

Auf Twitter entbrannte unter dem Post der Kaufland-Kundin ein Shitstorm. „Kaufland ist für mich ab sofort gestrichen“, schrieb ein Nutzer. „Würg, bei dieser ekelhaften Art von Geschichtsverfälschung muss ich gleich an 1984 von George Orwell denken“, kommentiert ein weiterer. Kaufland selbst wies die Kritik erneut zurück und postete ein Erklärung auf Twitter. „Der Vertrieb der Printmedien erfolgt bundesweit über Pressegroßhändler“, heißt es dort. „[Laut] Artikel 5 des Grundgesetzes ist es die Verpflichtung der Pressegroßhändler, die Pressefreiheit und Pressevielfalt jederzeit und überall zu gewährleisten.“ Dazu gehöre auch ein offenes und zentrales Vertriebsnetz. „Eine Zensur darf seitens der Groß- und Einzelhändler gerade nicht stattfinden.“

Zudem heißt es in der Kaufland-Antwort zu dem rechtsextremen Magazin, dass jede Publikation vor der Auslage in einer Filiale von Anwälten und der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz geprüft werde. „Diese Prüfung erfolgt auch hinsichtlich einer möglichen ‚Verherrlichung des Nationalsozialismus‘“, so Kaufland. Durch diese Antwort glättete der Lebensmittelhändler aus Baden-Württemberg die Wogen jedoch nicht, sondern heizte die Debatte erst richtig an. „Zensur? Ist das eine Version der Schwurblerverteidigung mit Meinungsfreiheit?“, fragt ein User. „Etwas nicht anbieten ist keine Zensur, das ist gelebte Freiheit - die Freiheit, keinen Schund zu vertreiben.“

Dass Kaufland rechtsextreme Magazine wie Compact nach eigener Aussage nicht zensieren darf, stößt bei den Twitter-Nutzern auf Unverständnis. „Nazis keine Bühne zu bieten und sie nicht zu finanzieren, ist keine Zensur“, schreibt ein Nutzer. „Sondern Bürgerpflicht. Holocaustrelativierung und -leugnung ist keine Meinung.“ Andere Kommentatoren vermuten dagegen, dass Kaufland solche Medien in ihren Filialen nicht nur nicht zensieren darf, sondern auch nicht zensieren will. „Ihr entscheidet, was ihr anbietet“, schreibt einer. „Niemand verpflichtet Euch dazu, jedes Printmagazin, das in Deutschland erscheint, auch direkt vorrätig zu haben.“

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