Einkaufstourismus im Nachbarland

„Die kaufen uns leer“: Deutsche fahren jetzt sogar ins Elsass, um zu hamstern

Das Speiseöl-Regal in einem Supermarkt ist leer
+
Im Elsass stehen die Bewohner vor leeren Regalen, weil Deutsche zum Einkaufen ins Nachbarland kommen (Symbolbild).
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
    schließen

Im Elsass klagen Einwohner über leere Regale. Schuld seien die Deutschen, die ihre Hamsterkäufe nun im Nachbarland tätigen. Im Netz hält man dagegen.

Seltz/Roeschwoog - In Deutschland wird wieder gehamstert. Nachdem sich die Menschen zu Beginn der Corona-Pandemie aus Sorge mit verschiedenen Lebensmittel eingedeckt hatten, gab es durch den Ukraine-Krieg einen erneuten Ansturm. Aldi, Lidl und Co. mussten ihre Alltagsprodukte rationieren (BW24* berichtete) - auch weil vieles aus der Ukraine geliefert wird.

Speiseöl und Mehl sind in den deutschen Supermärkten knapp und teuer geworden*. Auch die Energie- und Spritpreise schossen aufgrund des Kriegs in die Höhe. In Österreich, Italien oder Frankreich ist der Sprit jedoch um einiges günstiger als in Deutschland* - für viele Bürger ein Grund, den Nachbarländern einen Besuch abzustatten.

Deutsche fahren für Hamsterkäufe ins benachbarte Elsass

Seit einigen Tagen häufen sich die Besuche der Deutschen im französischen Elsass. Nicht nur, um eine günstige Tankfüllung abzustauben, sondern auch, um begehrte Lebensmittel zu ergattern. „Die kaufen uns leer“, beklagt sich eine Kundin gegenüber dem Badischen Tagblatt. Raps- und Sonnenblumenöl sind genau wie Mehl in einigen Supermärkten im Elsass nun ebenfalls ausverkauft. „Wir gehen ja auch nach Deutschland rüber und kaufen dort ein, was günstiger ist“, gibt eine andere Kundin zu. Man hätte nichts gegen „die Deutschen“, aber für die Hamsterkäufe haben die elsässischen Einwohner kein Verständnis.

„Sie kommen und nehmen ganze Kartons Öl mit“, berichtet Frédéric Wolff, Geschäftsführer des kleinen Leclerc-Supermarktes in Roeschwoog. Auf dem Parkplatz des Supermarktes hätten ihm zufolge zwischenzeitlich mehr Autos mit deutschem als mit französischem Kennzeichen gestanden. Im Anschluss werde dann noch an den Tankstellen gehalten, so Wolff. Denn Frankreich hat einen Spritrabatt eingeführt und ist zwischen 23 und 30 Cent pro Liter billiger als auf der anderen Rheinseite in Baden-Württemberg.

Deutsche lassen Beschwerden übers Hamstern nicht auf sich sitzen - „War sonst andersrum“

Auf Facebook wehren sich einige deutsche Bürger gegen die Beschwerden aus dem Elsass. „Ist sonst immer andersrum“, schreibt eine Nutzerin. Das erlebe man vor allem bei der Drogeriemarktkette dm. „Wer am Monatsersten schon mal im dm war, weiß, wovon ich spreche“, so eine Userin. „Die Lebensmittelmärkte im Elsass machen ja hier in der Grenzregion auch Werbung“, argumentiert eine weitere.

Während andere das Verhalten im Nachbarland ebenfalls nicht nachvollziehen können, kommentieren einige jedoch auch, dass das völlig in Ordnung wäre. „Warum auch nicht, das ist Europa“, meint ein Mann. „Man muss schauen, wo man bleibt, fertig“, findet ein anderer. „Es braucht sich niemand über die Deutschen oder über die Franzosen aufregen. Ist halbe halbe“, schreibt eine Nutzerin. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Mehr zum Thema

Kommentare