Nicht mehr „haushaltsübliche Menge“

Lidl rationiert bestimmte Alltags-Produkte: „Pro Haushalt 3 Liter Speiseöl“

  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Der Discounter-Riese Lidl aus Neckarsulm macht Ernst und beschränkt die Abgabemenge für einige Produkte stark. Davon betroffen ist nicht nur Speiseöl.

Neckarsulm – Immer stärker spüren auch die Verbraucher in Deutschland die Folgen von Krieg und Vertreibung in der Ukraine. Das Einkaufen ist seit Wochen deutlich teurer und speziell Produkte, die bisher aus der Ukraine importiert wurden, sind immer öfter von Lieferengpässen betroffen. Große Lebensmittelketten wie Kaufland oder Lidl mussten schon vor Wochen reagieren und mehrere Produkte in allen Filialen rationieren, weil die Nachfrage größer war als das Angebot.

Lidl verschärft Abgabemenge von Lebensmitteln für den Alltag – nicht nur Speiseöl betroffen

Dass das Problem mit Lieferengpässen und Hamsterkäufen nach wie vor akut ist, zeigte erst wieder ein Foto, das auf Facebook viele Kaufland-Kunden in Panik versetzt hatte, nachdem in den vergangenen Wochen immer wieder Produkte restlos ausverkauft waren. Gerade beim Blick in das Speiseöl-Regal kann einen als Kunden schon mal die Verzweiflung packen, denn im Regal ist es längst nicht mehr nur das Sonnenblumenöl, das fehlt.

Zunehmend sind auch Alternativen für Sonnenblumen-Öl wie Raps- oder Walnussöl nicht mehr verfügbar. Produkte wie Mehl oder Nudeln fehlen ebenfalls zunehmend. In Filialen der Discounterkette Lidl muss es wohl sehr extrem sein, denn der Discounter hat zumindest in einigen Filialen die Abgabemenge für bestimmte Lebensmittel noch einmal angepasst. Erst am 11. März hatte Lidl auf BW24-Anfrage mitgeteilt, dass bestimmte Produkte nur noch in „haushaltsüblichen Mengen“ abgegeben werden.

UnternehmenLidl
HauptsitzNeckarsulm
Umsatz57 Milliarden EUR
Gründung1932, Deutschland
CEO Gerd Chrzanowski

Lidl beschränkt Abgabemenge von Speiseöl in einigen Filialen auf „maximal drei Flaschen“

Zumindest in einzelnen Filialen musste der Discounter nun noch einmal nachschärfen und die Abgabemenge für einzelne Artikel verschärfen. „Maximal drei Flaschen pro Haushalt“ ist auf einem Hinweisschild an einem Speiseöl-Regal zu lesen, das ein Twitter-Nutzer fotografiert hatte. Ähnliche Hinweise melden andere Social-Media-Nutzer auch für Mehl. BW24 konfrontierte Lidl mit den Hinweisen und wollte wissen, was die Gründe für die verschärften Rationierungen sind.

„Die Warenversorgung in den Filialen bei Lidl ist grundsätzlich sichergestellt“, teilte eine Konzernsprecherin mit. Lediglich mit Blick auf einzelne Produkte könne es zu Lieferverzögerungen kommen. Doch auch, wenn einzelne Lebensmittel nicht immer in allen Filialen verfügbar seien, würden immer genügend Alternativen zur Verfügung stehen. Die Lidl-Sprecherin bestätigte noch einmal die Stellungnahme, dass Waren wie bisher nur in „haushaltsüblichen Mengen“ verkauft werden.

Lidl schärft an der maximalen Abgabemenge nach – Sprecherin mit Statement

Dass es aber verschärfte Rationierungen in einzelnen Filialen gibt, bezeigen mehrere Hinweise. In einer Lidl-Filiale im Kreis Heilbronn wird ebenfalls auf die Abgabemenge hingewiesen. „Pro Haushalt nur 3 Liter Speiseöl“, steht auf einem Hinweisschild am Regal. Egal, ob in Liter oder Flaschenzahl angegeben – Lidl musste seit Anfang März noch einmal nachschärfen – in Sachen Preis und maximale Abgabemenge. Zumindest in einzelnen Filialen.

Erst „haushaltsübliche Menge“, jetzt „pro Haushalt 3 Liter Speiseöl“ – Lidl musste die Höchstabgabemenge verschärfen.

Überraschend kommt die Maßnahme nicht. Schon Anfang März hatte auch Aldi die Abgabemenge von Speiseöl stark rationiert und auf BW24-Anfrage mitgeteilt, dass man sich grundsätzlich vorbehalte, die „Abgabemenge pro Kunde vorübergehend einzuschränken“. Vielen Kunden hilft aber auch das nicht weiter. „Gestern war das Öl im Laden schon wieder ausverkauft“, beschwert sich eine Nutzerin auf Facebook.

Produkt-Knappheit bloß ein Problem – auch Lidl korrigiert Preise nach oben

Anderen Usern macht die Speiseöl-Knappheit weniger aus. „Ich habe glaube ich in meinem ganzen Leben noch keine fünf Flaschen Sonnenblumenöl verbraucht“, schreibt ein Facebook-User. Wieder andere verwenden gar kein Speiseöl. Die Lieferengpässe sind also nicht unbedingt ein Problem, das alle betrifft. Anders sieht das aus, wenn plötzlich wichtige Alltags-Lebensmittel wie Milchprodukte deutlich teurer werden.

Erst vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass auch die zwei großen Discounter Aldi und Lidl die Preise von vielen Alltags-Lebensmitteln anpassen mussten. Hintergrund ist, dass Produktions- und Lieferkosten deutlich teurer geworden sind und Händler wie Kaufland, Lidl oder Aldi die Mehrkosten zumindest teilweise an die Kunden weitergeben müssen. Forscher gehen davon aus, dass die Preise noch weiter steigen werden.

Krieg in der Ukraine mit Folgen für Verbraucher – Experten mit düsterer Prognose

„Der Anstieg der Energiepreise und der Logistikkosten wird sich im Alltag stärker bemerkbar machen – egal, ob im Supermarkt oder im Discounter“, erklärte Boris Hedde vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Aus seiner Sicht könnten die Preise noch stärker steigen, als zuletzt. „Das wird eine Herausforderung sein – gerade für sozial schwächere Familien.“

Welche Produkte in Zukunft noch teurer werden könnten, ist aktuell noch nicht absehbar. Es könnte mutmaßlich aber vor allem die Produkte treffen, die mit hohen Produktionskosten verbunden sind. Dazu gehören Lebensmittel, die angebaut, bewässert, gedünkt oder auch logistisch weiterverarbeitet werden müssen. Zuletzt hatten deshalb auch die Chips-Produzenten Alarm geschlagen und in naher Zukunft vor Lieferengpässen gewarnt.

Rubriklistenbild: © Martin Wagner/Imago

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