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Erstes Tiefkühl-Produkt bald knapp? „Verlust wäre nicht auszugleichen“

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Von: Jason Blaschke

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Alltags-Produkte wie Getreide oder Speiseöl machen seit Russlands Einmarsch in die Ukraine Schlagzeilen – und bald könnten auch die Fischstäbchen dazu gehören.

Stuttgart – Die Corona-Pandemie sowie der Krieg in der Ukraine wirken sich spürbar auf die Verfügbarkeit und folglich auch auf die Preise vieler Alltags-Produkte aus. Ein prominentes Beispiel ist das knappe und teure Sonnenblumenöl, das insbesondere zu Beginn der Kämpfe in der Ukraine Schlagzeilen machte. Mittlerweile gibt es in nahezu allen Läden das begehrte flüssige Gold wieder – nur eben zu deutlich teureren Preisen.

Fischstäbchen bestehen aus Alaska-Seelachs – und der kommt aus Russland

In einer Filiale von Kaufland etwa hatte das Sonnenblumenöl für fast fünf Euro pro Flasche einen Shitstorm auf Facebook zur Folge. „Kaufland zockt die Leute aber auch ab, wo es nur geht“, textete dazu ein verärgerter Nutzer. Mittlerweile lösen solche Meldungen weniger emotionale Reaktionen aus. Ein Grund ist sicher, dass gefühlt fast täglich Produkte teurer werden. Im Moment ist speziell eine Produktgruppe von massiven Teuerungen betroffen, zwei Experten kennen die Gründe.

Doch es sind längst nicht mehr nur Alltags-Produkte betroffen, die aus der Ukraine exportiert werden. Im allerneusten Fall geht es um ein Produkt, das zwar in Deutschland produziert wird, dessen Hauptzutat aber aus Russland kommt. Es geht um Fischstäbchen, die größtenteils aus Alaska-Seelachs (auch Alaska-Pollack) hergestellt werden – doch anders als der Name vermuten lässt, kommt der Seelachs nicht aus Alaska, sondern noch aus russischen Gewässern.

Experte ist sich sicher: Seelachs-Verlust aus Russland „nicht auszugleichen“

Die Betonung liegt auf „noch“, denn: Im April hatte die EU-Kommission ein Sanktionspaket beschlossen, das die Einfuhr von Kaviar und Krebstieren aus Russland in die Europäische Union verbietet. Sollten die beschlossenen Sanktionen verschärft und auf andere Fischprodukte ausgeweitet werden, könnte dies die Fischstäbchen-Produzenten in Deutschland vor gewaltige Probleme stellen – denn rund 70 Prozent des verarbeiteten Pollacks in Deutschland stammt aus Russland.

Würde das Importverbot kommen, wäre „dieser Verlust nicht auszugleichen“, sagte Christopher Zimmermann vom Thünen-Institut für Ostseefischerei der Tagesschau dazu. „Es gibt einfach keine Fischart auf der Welt, durch die man den Alaska-Pollack einfach so und ohne Weiteres ersetzen könnte.“ Ähnlich sieht es Matthias Keller vom Bundesverband der deutschen Fischindustrie. Er meint: „Um Alaska-Seelachs zu ersetzen, sind enorme Mengen nötig.“

Ukraine-Krieg und Corona-Folgen – droht Deutschland die Fischstäbchen-Krise?

Solche Mengen seien aktuell mit Blick auf die Weltmarkt-Situation nicht kurzfristig verfügbar, sagte Keller im Tagesschau-Gespräch. Umso wichtiger sei es deshalb, dass sich die EU langfristig auf andere Zulieferer einstellt, heißt es in einem Bericht der Bild-Zeitung. Panische Hamsterkäufe wie mit Blick auf das Speiseöl sind aus Sicht von Zimmermann aber nicht angebracht. „Es gibt zurzeit keine Fischstäbchen-Krise“, sagte der Experte deutlich in der Tagesschau dazu.

Es gibt zurzeit keine Fischstäbchen-Krise.

Christopher Zimmermann, Thünen-Institut für Ostseefischerei

Auf lange Sicht gesehen sei das aber „vermutlich unvermeidbar.“ Dazu kommt noch, dass andere Faktoren wie etwa die Folgen der Covid-19-Pandemie die Fischverarbeitung beeinflussen – Stichwort Lockdown. Berichten der Bild zufolge werden viele Fische zum Filetieren nach China geschickt, wo der erneute Lockdown für massive Verzögerungen gesorgt hatte. Erschwerend seien noch die Warnstreiks an deutschen Seehäfen dazugekommen, was für zusätzlich Verunsicherung sorgt.

Userin auf Facebook besorgt: „Jetzt geht der Run auf die Fischstäbchen los“

Auf Facebook jedenfalls löst eine drohende Fischstäbchen-Knappheit wenig Besorgnis aus. Das sei wohl mit Abstand das geringste Problem, textet dazu ein Nutzer und ergänzt: „Dann einfach alternativ Bratkartoffeln mit Spiegeleiern! Schmeckt x-fach besser und kommt aus der Region.“ Wieder eine andere Userin äußert dann aber doch ein wenig Besorgnis, sie textet: „Jetzt geht der Run auf die Fischstäbchen los. Jeden Tag wird ein anderes Produkt knapp geredet.“

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