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Deutsche Erdbeeren können mit billiger Importware nicht mithalten – und werden teurer

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Von: Jason Blaschke

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Für Lebensmittel müssen Verbraucher tiefer in die Tasche greifen – sind auch die Erdbeeren aus Baden-Württemberg betroffen? Erste Prognosen stehen.

Stuttgart – Seit Wochen tobt der Krieg in der Ukraine. Und das merken auch die Verbraucher in Deutschland massiv – primär an der Geldbörse. Neben Energie und Sprit sind auch die Lebensmittel knapper und deutlich teurer geworden. Mittlerweile mussten auch die Discounter Aldi und Lidl die Preise für viele Produkte anpassen - dazu zählen neben dem begehrten Speiseöl Fleischwaren, aber auch einige Milchprodukte.

Viele Lebensmittel werden immer teurer: Verbraucher tragen mit Hamsterkäufen eine Mitschuld

Dass gerade die Milchprodukte teurer und knapper werden, liegt aber nicht nur an Lieferengpässen. Auch die Verbraucher tragen mit Hamsterkäufen eine Mitschuld an der aktuellen Situation, weiß Eckhard Heuser, Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbands (MIV). Heuser zu BW24: „Eine erhöhte Nachfrage wegen Hamstern erhöht den Preis bei knappem Angebot.“ Die Preise werden von Angebot und Nachfrage bestimmt.

Ist ein Produkt vielfach vorhanden, ist das für die Verbraucher der Idealzustand, da die Preise dann tendenziell niedriger sind. Für die Produzenten ist es genau umgekehrt besser: Ist die Nachfrage größer als das Angebot, können sie höhere Preise bestimmen. Ein Beispiel, bei dem sich das gut zeigen lässt, ist der Obst- und Gemüsehandel. Frische Lebensmittel sind nicht allzu lange lagerfähig, weshalb hier oft die Preise verlangt werden müssen, die der Markt zum aktuellen Zeitpunkt vorgibt.

LandBaden-Württemberg
Fläche35.751 km²
Bevölkerung1,07 Millionen (2019)
HauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann

Erdbeerpreis in Baden-Württemberg: Ein Faktor ist besonders ausschlaggebend

Auch mit Blick auf die frischen Erdbeeren aus Baden-Württemberg spielt das Prinzip Angebot und Nachfrage eine elementare Rolle, erklärt Ariane Amstutz vom Landesbauernverband Baden-Württemberg (LBV) im Gespräch mit BW24. „Die Frage ist immer: Wie viel liefert Südeuropa?“ Denn wenn mehr Erdbeeren geliefert werden, beispielsweise aus Spanien, bekommen die regionalen Landwirte automatisch weniger für ihre Ernte.

Ein Beispiel aus der Corona-Zeit verdeutlicht die Problematik. „Zu Beginn der Corona-Pandemie erzielten die Landwirte in Baden-Württemberg gute Preise, weil Spanien stark betroffen war“, sagt Amstutz. Folglich kamen auch weniger Lieferungen mit Obst und Gemüse an; die Landwirte im Südwesten konnten höhere Preise für ihre Waren bestimmen. Doch mittlerweile hat sich das Blatt im Obst- und Gemüsehandel wieder gewendet.

Landwirte können mit Billig-Erdbeeren schwer konkurrieren – Expertin nennt Grund

In den Regalen von Kaufland, Aldi, Lidl und Co. finden sich zunehmend wieder sehr viele Erdbeeren aus Spanien. Zum Teil locken die Supermärkte und Discounter mit Angeboten von unter einem Euro pro 500-Gramm-Schale. Ein Anblick, der auch Kathrin Walter, die Geschäftsführerin des Landesverbands Erwerbsobstbau Baden-Württemberg (LVEO), ärgert, denn mit solchen billigen Preisen können die Landwirte in Baden-Württemberg nicht mithalten.

Viele Produkte wie Dünger sind exorbitant teurer.

Kathrin Walter, Landesverband Erwerbsobstbau Baden-Württemberg

„Ein Beispiel sind die exorbitanten Preise für Dünger“, sagt sie im Gespräch mit BW24. Hinzu kommen teure Energie- und Spritpreise sowie Lieferengpässe und Mehrausgaben für viele Hilfsmittel oder die Logistik. Insgesamt seien die Produktionskosten in Deutschland viel teurer als in Spanien. Walter nennt ein Beispiel: „In Spanien beträgt der Mindestlohn aktuell 2,30 Euro, in Deutschland fast 10 Euro.“

Erdbeerpreis in Baden-Württemberg zugunsten der Verbraucher – „gleiches Preisniveau“

Und Berichten von Merkur.de zufolge soll der Mindestlohn 2022 schrittweise auf 12 Euro angehoben werden, was speziell für die kleineren Betriebe problematischer wird. Zusammen mit gestiegenen Ausgaben für Energie, Logistik und Co. ist für Walter klar, dass auch für die Erdbeeren mehr verlangt werden muss. Wie viel genau könne sie aktuell noch nicht sagen. Das hänge davon ab, wie viel der Einzelhandel bereit sei, zu zahlen.

Eine Frau bei der Erdbeerernte.
Der regionale Anbau von Erdbeeren ist in Baden-Württemberg stark rückläufig (Symbolbild). © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

„Und das ist nicht mehr als im vergangenen Jahr“, heißt es von der OGM Obstgroßmarkt Mittelbaden eG auf Nachfrage von BW24. Das Preisniveau habe sich gehalten. Eine gute Nachricht für die Verbraucher, eine schlechte für die Landwirte, die trotz steigender Ausgaben nicht mehr für ihre Erdbeeren verlangen können – zumindest nach derzeitigem Stand. Amstutz vom LBV sieht hier eine Gefahr für den regionalen Erdbeeranbau.

Erdbeeren für Landwirte nicht rentabel - Anbauflächen in Baden-Württemberg stark zurückgegangen

Denn für Landwirte in Baden-Württemberg ist der Anbau von Erdbeeren nicht mehr rentabel, wenn keine guten Preise mit der Ware erzielt werden können. Steigende Ausgaben treffen auf einen stagnierenden Preis. Die Folge: „Die Erdbeeranbauflächen in Baden-Württemberg sind seit der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 um 22 Prozent zurückgegangen“, erklärt Amstutz und verweist auf Daten zu Gemüseanbau und -ernte, die das Statistische Landesamt sammelt.

Der gemeinsame Appell von Amstutz und Walter lautet daher, auch im Supermarkt auf das Kleingedruckte zu achten. „Wir beliefern auch die großen Supermärkte mit Erdbeeren“, sagt Walter. Es liegt dann aber am Verbraucher zu entscheiden, ob er das regionale Produkt kauft oder das günstigere aus dem Ausland. „Wichtig ist es deshalb, auf das Kleingedruckte zu achten, damit man sicher weiß, dass das Produkt auch tatsächlich aus der Region kommt.“

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