Neues EU-Gesetz

Viele Drogerie-Produkte von EU-Verbot betroffen – dm reagiert mit konsequenter Maßnahme

In einigen deutschen Geschäften stehen Kunden derzeit vor leeren Regalen. Aldi, dm und Co. haben mit Lieferengpässen zu kämpfen.
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Leere Regale in Drogerien sind nicht bloß die Folge von Lieferengpässen – auch ein neues EU-Gesetz stellt dm, Müller und Co. vor große Herausforderungen.
  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Drogerieketten wie dm oder Müller müssen seit 1. März ein neues EU-Gesetz beachten. Ganz bestimmte Produkte mussten aus dem Sortiment genommen werden.

Karlsruhe – Dass in Filialen der Drogeriekette dm immer wieder Produkte nicht zu finden sind, ist nicht selten. Der Drogerie-Riese aus Karlsruhe nimmt in regelmäßigen Abständen Produkt-Anpassungen vor, das heißt: Neue Artikel kommen dazu, weniger von Kunden nachgefragte werden aussortiert. Ein normaler Prozess, von dem die Kunden meist wenig mitbekommen. In manchen Fällen kommt es aber vor, dass Produkt-Anpassungen für Aufregung sorgen und in den sozialen Netzwerken ein großes Thema sind.

Ein Beispiel ist der große Aufruhr wegen eines wichtigen Baby-Produkts von dm, das nicht mehr im Vor-Ort-Sortiment verfügbar ist. Das sei nicht bloß schade, sondern für sie und ihre Tochter „eine Katastrophe“, schreibt eine Facebook-Userin und ergänzt, dass ihr Kind ein andere Marken nicht verträgt. Der Wirbel wegen der „Rascal + Friends“-Windeln war dermaßen groß, dass sich dm in der Debatte zu Wort gemeldet und verraten hatte, dass das Produkt online noch verfügbar ist.

Leere Drogerie-Regale bei dm und Co. – Verkaufsverbot für bestimmte Produkte

Diese Geschichte zeigt, dass schon ein einziges fehlendes Produkt für eine Menge Wirbel sorgen kann. Das lässt vermuten, dass es in absehbarer Zeit noch zu mehr solcher Debatten kommen könnte. Seit dem 1. März ist der für einige Kosmetika typische Inhaltsstoff „Lilial“ – in der Fachsprache oft auch Butylphenyl Methylpropional genannt – EU-weit verboten und darf nicht mehr verkauft werden.

Namedm-drogerie markt
GründerGötz Werner
Gründung28. August 1973
CEOChristoph Werner
Tochtergesellschaftdm drogerie markt GmbH

In der Kosmetikindustrie wird der Wirkstoff wegen seiner blumigen Note gerne als Duftstoff verwendet, zum Beispiel in Deos, Parfüms, Seife, Haarsprays oder Waschmitteln. Berichten der Berliner Morgenpost zufolge kommt der Inhaltsstoff sogar auch in Duschgels und Shampoos zum Einsatz. Die Formulierung „kam zum Einsatz“ trifft es aber besser, denn seit 1. März ist mit „Lilial“ in der EU Schluss. Produkte von dm, Müller und Co., die „Lilial“ enthalten, sind für Verbraucher tabu.

Drogerie-Märkte müssen „Lilial“-Produkte aus Sortiment nehmen – gefährlicher Stoff

Der synthetische Duftstoff – der vergleichbar mit dem Geruch von Maiglöckchen ist – steht im Verdacht, Allergien auszulösen und das Erbgut zu schädigen. In einer Bewertung von 2019 warnte das Beratergremium der EU-Kommission ausdrücklich vor „Lilial“ und merkte an, dass der Stoff in Form von Haarsprays oder Deos leicht in die Lunge kommen kann. Seit August 2020 wird der Duftstoff in der EU offiziell als „reproduktionstoxisch“ (fruchtbarkeitsgefährdend und fruchtschädigend) eingestuft und ist deshalb im Verkauf verboten.

Drogerieketten wie dm oder Müller kann das vor eine große Herausforderung stellen, denn alle davon betroffenen Produkte, die im Februar nicht mehr verkauft wurden, müssen spätestens seit 1. März die Regale verlassen haben. Das führt dazu, dass in manchen Drogerien die Regale nicht gefüllt sind. Vom „Lilial“-Verbot betroffene Produkte müssen ersetzt werden. Das ist in Corona-Zeiten alles andere als einfach, denn Lieferengpässe stellen die Märkte noch immer vor große Probleme.

Verkaufsverbot von „Lilial“-Produkten: dm-Geschäftsführer mit klarer Ansage

„Bestimmte Markenprodukte können uns wegen Corona seit Monaten nicht mehr regulär geliefert werden. Von einigen Herstellern bekommen wir teilweise bloß noch ein Fünftel der ursprünglichen Menge“, sagt eine Müller-Mitarbeiterin der Berliner Morgenpost. Und im schlimmsten Fall sind Regale einfach leer. Weniger dramatisch ist die aktuelle Lage in dm-Märkten, die laut Geschäftsführer Sebastian Bayer nicht von dem Verbot betroffen sind, da der Inhaltsstoff in dm-Produkten nicht mehr zum Einsatz kommt.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 3. März 2022. Da er für unsere Leser noch immer eine Relevanz hat, hat die Redaktion ihn aktualisiert.

Schon vor längerer Zeit habe man angefangen, die Bestände zu prüfen und betroffenen Produkte auszusortieren, erklärt Bayer auf BW24-Anfrage. „Wir arbeiten eng mit unseren Industriepartnern zusammen, sodass wir unseren Kunden ausreichend Produkte zur Verfügung stellen können.“ Zeitweilig könne es immer einmal vorkommen, dass einzelne Produkte in dm-Märkten nicht verfügbar sind. Bayer betont, dass das „Lilial“-Verbot keine Auswirkungen auf die Produktvielfalt der Drogeriekette habe.

Unsere dm-Marken sind von dem Verbot nicht betroffen.

Sebastian Bayer, dm-Geschäftsführer

Das EU-Verbot ist übriegns nicht das einzige, das die Produktauswahl beeinträchtigen kann. Berichten von Merkur.de* zufolge boykottieren Aldi, Rewe und Co. Produkte aus Russland, die in Deutschland nicht mehr verkauft werden – darunter bekannte Marken, die Verbraucher sicher vermissen werden. Das heißt: Kunden müssen sich aktuell auf einige Veränderungen einstellen und ihren Konsum gegebenenfalls anpassen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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