E-Mobilität

Daimler, Porsche und Co.: Wie praxistauglich sind E-Autos eigentlich im Katastrophenfall?

Autos fahren durch überflutete Straße
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Bei überfluteten Straßen können Autos schwere Schäden nehmen. Sind Elektroautos dabei anfälliger als Verbrenner?
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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E-Fahrzeuge im Katastrophenschutz: nutzlos oder Zukunftsmusik? Diese Debatte spaltet aktuell das Netz. Das steckt hinter der Diskussion.

Stuttgart - Die Daimler AG und die Porsche AG sind mit ihren Sitzen in der Landeshauptstadt Stuttgart nicht wegzudenken. Um mit der Verkehrswende Schritt zu halten, investieren die Automobilunternehmen verstärkt in die E-Mobilität. Mit Erfolg: Der Porsche Taycan gehört auch außerhalb Deutschlands zu den beliebtesten Elektro-Fahrzeugen.

Doch E-Autos landen wegen ihrer Brandgefahr immer wieder in den Nachrichten. So gab es im Juli etwa einen hochgefährlichen Vorfall mit einem E-Mercedes an einer Ladestation. Die Löscharbeiten stellten die örtliche Feuerwehr vor eine große Herausforderung.

Ob die E-Mobilität wirklich nützlich und sicher ist, beschäftigt die Menschen. Wie Merkur* berichtet, stellt sich vielen Autofahrern im Internet gerade eine ganz bestimmte Frage: Sind E-Autos, beispielsweise bei überfluteten Straßen, noch fahrtauglich? Oder völlig nutzlos? Und wie sieht es bei Katastrophenschutzfahrzeugen aus? Werden auch diese künftig mit Elektromotor betrieben? Ausgelöst wurde die Debatte offenbar durch die Bilder aus den Hochwasser-Gebieten, unter anderem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Auf den Fotos waren oftmals E-Autos der Marke Tesla zu sehen.

Daimler, Porsche und Co.: E-Autos im Katastrophenfall - sinnlose Diskussion ohne Hand und Fuß?

Weiteren Zündstoff erhält die Diskussion durch die aktuelle Klimaschutz-Debatte. Vor allem auf Social-Media-Plattformen prallen verschiedene Welten aufeinander: Auf Twitter und Facebook herrschen hitzige Diskussionen zwischen Gegnern und Befürwortern der Elektromobilität. So behaupten manche, Elektro-Autos seien im Katastrophenfall nutzlos, während Unterstützer des E-Autos die Verbrenner als Verursacher der Hochwasser-Katastrophen bezeichnen.

Hauptpunkt des Streits: Elektro-Fahrzeuge seien im Katastrophenfall nicht zu gebrauchen, da angeblich die Verbindung aus Wasser und Strom die E-Autos in den Fluten nutzlos mache. Daher seien Verbrenner trotz Verkehrswende auch weiterhin für den Katastrophenschutz unabdingbar. „Stellt Euch mal vor, künftig werden bei solchen Katastrophen nur noch E-Autos eingesetzt“, lautet etwa ein Kommentar dazu auf Twitter. „Da würden mal kurz ein paar Funken sprühen, es gäbe einen Kurzschluss und das war’s dann.“

Das stimmt so allerdings nicht: Wie auch Verbrenner, sind elektrisch betriebene Fahrzeuge Spritzwassergeschützt. Der Elektromotor im Fahrzeug kommt normalerweise nicht mit Wasser in Berührung. Selbst wenn das dann doch mal der Fall sein sollte, ist die Elektronik nochmals zusätzlich wasserdicht verpackt.

E-Autos haben beispielsweise bei Fahrten durch überflutete Straßen sogar einen entscheidenden Vorteil: Anders als ein Verbrennungsmotor brauchen Elektromotoren keine Luft für einen Verbrennungsvorgang und bleiben damit auch unter Wasser bedingt funktionsfähig. In beiden Fällen wird es brenzlig, wenn der Fahrzeuginnenraum vollläuft: ist der Innenraum nass, liegt meist ein Totalschaden vor - und das wird teuer.

Daimler, Porsche und Co.: E-Autos im Katastrophenfall? Diese Faktoren sind entscheidend

Laut dem Automobilclub ADAC sind Bodenfreiheit und Masseschwerpunkt entscheidend dafür, ob man mit einem Fahrzeug durch überflutetes Gelände kommt. Am besten eignen sich hierfür natürlich Geländewagen, da diese höher liegen und speziell für widrige Bedingungen konstruiert sind. Pauschal lässt sich sagen, dass weder Verbrenner noch E-Autos für das Durchqueren von hohem Wasser geeignet sind.

In der Debatte im Internet, ob es sinnvoll ist, schwere Einsatzgeräte künftig mit einem Elektro-Motor auszustatten, spielen sachliche Argumente oft keine Rolle. Denn: Es ist kein Problem, die Elektronik mit einer Ummantelung, einer Lackierung oder ähnlichem gegen eindringendes Wasser zu schützen. Problematisch ist hier eher die Leistungsfähigkeit von Elektro-Motoren. Daimler bereitet dennoch das Verbrenner-Aus für 2030 vor. Der bekannte Autobauer will ab 2025 nur noch neue Elektro-Architekturen bauen und bis Ende des Jahrzehnts ausschließlich E-Autos produzieren.

Der aktuelle technische Stand bei Elektromotoren ist für Katastrophenschutzfahrzeuge noch nicht ausgereift genug. Zum Beispiel brauchen Räumgeräte, Bagger und LKWs viele PS, um genügend Leistung für die Räumarbeiten aufbringen zu können. Zudem sind die Fahrzeuge im Katastrophenfall oft tagelang im Dauereinsatz - eine schlechte Voraussetzung für die noch leistungsschwachen Ladestationen. Die Ladevorgänge für Elektro-Autos würden zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Die jetzige Technik ist hier noch nicht weit genug und würde daher eher zu Problemen führen.

Wie schnell sich die Technik hier weiterentwickelt, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch schon jetzt: Die Debatte im Internet, ob Elektrofahrzeuge künftig auch im Katastrophenschutz eingesetzt werden sollten, ist inhaltslos. Denn über kurz oder lang dürfte auch hier eine Verkehrswende stattfinden. *Merkur ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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