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Brutto- und Nettogehalt berechnen – wie viel Geld auf das Konto kommt

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Von: Jason Blaschke

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Wie viel Geld vom Gehalt tatsächlich auf das Konto kommt, bestimmen mehrere Faktoren. BW24 zeigt auf, wie man das Nettogehalt einfach berechnen kann.

Stuttgart – Um die Verbraucher in der Energie- und Preiskrise finanziell zu unterstützen, hat die Ampel-Koalition in Berlin mehrere Hilfen beschlossen, die teils automatisch ausbezahlt werden, teilweise aber auch beantragt werden müssen. Was aber alle Bürger, die berufstätig sind, ab September bekommen, ist die 300 Euro Energiepauschale. Zu beachten ist, dass das Geld brutto über den Arbeitgeber oder die Einkommenssteuer ausbezahlt wird.

Gehaltsabrechnung verstehen: Die Begriffe brutto und netto einfach erklärt

Das bedeutet, dass der Staat einen Teil seiner Hilfszahlung gleich über die Steuer wieder einbezieht, sofern die betreffende Person steuerpflichtig ist. Hiervon ausgenommen sind Minijobber und Rentner, wenn ihr Einkommen eine gewisse Grenze nicht übersteigt. Aber was bedeuten die Begriffe brutto und netto eigentlich? Und wie viel vom Gehalt und damit auch der Energiepauschale bleibt am Ende tatsächlich übrig?

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Der Begriff „brutto“ (brutus) entstammt der lateinischen Sprache und bedeutet so viel wie „unrein“. Im wirtschaftlichen Sinne kann die Geldsumme als „unrein“ betrachtet werden, wenn noch keinerlei abzuziehende Beträge abgezogen sind. Das Bruttogehalt ist somit der Betrag vor Abzug aller Abzüge – also das im Arbeitsvertrag vereinbarte Gehalt. Im Gegensatz dazu steht netto (rein) für das Geld, das nach allen Abzügen auf das Konto gezahlt wird.

Brutto- und Nettogehalt richtig berechnen: Drei Formeln sind der Schlüssel

Das Bruttogehalt umfasst somit das Gehalt inklusive aller Steuern und Sozialversicherungen. Das Nettogehalt ist der Betrag, der in der Gehaltsabrechnung nach allen Abzügen am Ende steht. Wer also wissen möchte, wie viel vom Gehalt am Ende ausgezahlt wird, muss die Abzüge rausrechnen und bekommt damit den Nettobetrag. Die Berechnung beruht Berichten von kununu.de zufolge auf simplen, mathematischen Formeln:

Die Aufschläge sind die Summe aus Sozialabgaben und Steuern, die ein Arbeitnehmer zahlen muss. Die Höhe der Abgaben ist von Arbeitnehmer zu Arbeitnehmer unterschiedlich. Faktoren, die die Höhe der Abgaben beeinflussen, sind etwa die Steuerklasse, die Höhe des Gehalts oder die Krankenversicherung. Neben den vier Sozialversicherungen sind die Lohn- und die Kirchensteuer meist die wichtigsten Abzüge. (Mehr Verbraucher-News auf BW24)

Sozialabgaben und Steuern im Bruttogehalt: Was alles abgezogen wird

Nutzt man einen Dienstwagen privat, bezieht vermögenswirksame Leistungen vom Arbeitgeber oder bekommt Bonus-Zahlungen, sind das ebenfalls Faktoren, die in die Berechnung einfließen. In der folgenden Tabelle sind deshalb nur die wichtigsten Abzüge, die in der Gehaltsabrechnung immer vorkommen, aufgeführt und erklärt. Separate Posten, die optional in die Gehaltsabrechnung auch einfließen, müssen bei Bedarf zusätzlich berücksichtigt werden.

Steuer oder SozialversicherungDefinition
LohnsteuerIst die Steuer, die der Staat vom Gehalt einbezieht. Die Höhe der Lohnsteuer richtet sich nach der Steuerklasse.
KirchensteuerWer Kirchenmitglied ist, muss in Baden-Württemberg und Bayern 8 Prozent, ansonsten 9 Prozent entrichten.
KrankenversicherungJeder in Deutschland muss gesetzlich oder privat krankenversichert sein. Der Beitrag richtet sich nach der Krankenkasse, bei den Gesetzlichen ist der prozentual.
PflegeversicherungDie Versicherung sichert einen ab, sollte man ein Pflegefall werden. Der Betragssatz beträgt 1,8, wer Kinder hat zahlt nur 1,5 Prozent.
ArbeitslosenversicherungWer seinen Job verliert, bekommt Arbeitslosengeld I oder II. Finanziert wird die Versicherung über die Beiträge aller Arbeitnehmer, derzeit beträgt der Prozentsatz 1,2 Prozent vom Bruttogehalt.
RentenversicherungDie Rente wird ebenfalls über die Beiträge der Arbeitnehmer finanziert, die monatlich einen prozentualen Anteil ihres Bruttogehalt in die Rentenkasse einbezahlen. Gleichzeitig ergibt sich damit ein Anspruch, später ebenfalls Rente zu bekommen.
SolidaritätszuschlagDie Abgabe betrifft seit 2021 nur noch Arbeitnehmer, die über 16.956 Euro im Jahr verdienen.

Die Besonderheit der Sozialversicherungen ist, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge teilen. Wie hoch die einzelnen Beitragssätze ausfallen, ist teilweise unterschiedlich. Hinzu kommt, dass sich auch die festen Beitragssätze ändern können – etwa, wenn die Krankenkassen finanzielle Defizite aufweisen, wie es derzeit der Fall ist. Um sich diese viele prozentuale Rechenarbeit zu ersparen, können Arbeitnehmer sogenannte Brutto-Netto-Rechner nutzen.

Die Grafik zeigt, wie sich Steuern und Sozialabgaben im Zeitraum 1991 bis 2022 entwickelt haben.
Die Grafik zeigt, wie sich Steuern und Sozialabgaben im Zeitraum 1991 bis 2022 entwickelt haben. © Statistisches Bundesamt

Nettogehalt in wenigen Sekunden berechnen: Clevere Online-Tools helfen

SozialversicherungBeitragssatz (%) ArbeitgeberBeitragssatz (%) Arbeitnehmer
Krankenversicherung (14,6 %)7,37,3
Pflegeversicherung (3,05 %)1,2 oder 1,51,2 oder 1,5
Arbeitslosenversicherung (2,4 %)1,21,2
Rentenversicherung (18,6 %)9,39,3

Die Nutzung solcher Online-Tools ist einfach: Man gibt sein Bruttogehalt an, trägt Krankenkasse, Steuerklasse, Geburtsjahr, Anzahl der Kinder, Bundesland und Konfession ein und bekommt das Nettogehalt innerhalb weniger Sekunden ausgerechnet. Kostenlose Tools sind etwa der Brutto-Netto-Rechner vom Handelsblatt oder der Gehaltsrechner von brutto-netto-rechner.info. Beide Tools berücksichtigen auch schon den Krankenkassen-Zusatzbeitrag.

Der Zusatzbeitrag wurde zum 1. Januar 2015 eingeführt und soll finanzielle Defizite bei den Krankenkassen ausgleichen. Genau wie bei der normalen Krankenversicherung teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer den prozentualen Beitrag, der wie alle Abgaben auf Basis des Bruttogehalts eingezogen wird. Wie hoch der KV-Zusatzbeitrag ausfällt, kann jede Krankenkasse individuell festlegen – im Schnitt beträgt der Beitragssatz 1,3 Prozent.

Wer kann sich privat krankenversichern?

Privat krankenversichern können sich nur Verbraucher, die nicht gesetzlich versicherungspflichtig sind – das sind Beamte, Selbstständige und Arbeitnehmer, die pro Jahr mehr als 64.350 Euro verdienen. Die fünf Jobs, die richtig gut bezahlt sind, gehören zum Beispiel dazu. Auch interessant: Die Ausbildungen, die später ein Spitzen-Gehalt versprechen. Zu beachten ist, dass die privaten Krankenversicherungen deutlich teurer sein können.

Im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen sind die Beiträge bei den Privaten nicht vom Bruttogehalt abhängig. Entscheidend sind Alter, Geschlecht oder auch Gesundheitszustand – kurz: Das Risiko wird bewertet und ist Grundlage für die Beitragshöhe. Der Vorteil der privaten Krankenversicherungen ist, dass die Leistungen in vielen Punkten besser sein können, als die der gesetzlichen Kassen.

Rund ein Drittel Abzüge – was vom mittleren Bruttogehalt übrig bleibt

Im Schnitt muss ein Arbeitnehmer in Deutschland 2022 mit etwa 33,9 Prozent an Abzügen kalkulieren, wenn er sein Nettoentgelt berechnet, schreibt das Statistische Bundesamt. Das durchschnittliche Bruttogehalt in Deutschland beträgt laut kununu.de 38.728 Euro, wovon im Schnitt 25.583 Euro netto übrig bleiben. Sprich, rund ein Drittel des mittleren Bruttoeinkommens geht für Steuern und Sozialabgaben drauf.

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