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Trotz Böllerverbot: Lidl und Co. dürfen kleines Angebot an Feuerwerk verkaufen

  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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In Deutschland gilt zu Silvester 2021 erneut ein Verkaufsverbot für Feuerwerk. Ganz auf den Silvester-Spaß verzichten müssen wir jedoch nicht.

Neckarsulm - Bereits im vergangenen Jahr führte die Annahme der Politik, Unfälle mit Feuerwerkskörpern könnten die Intensivstationen so sehr belasten, dass eine Behandlung von Covid-19-Patienten unmöglich wird, zu einem bundesweiten Abgabeverbot von Silvesterfeuerwerk. Für 2021 wurde aus demselben Grund erneut ein Böllververbot in die Wege geleitet.

Die Regelung beinhaltet nicht nur das Verbot von Feuerwerk auf öffentlichen Plätzen in ganz Deutschland, sondern auch den Verkauf von Böllern und Feuerwerk zum Jahreswechsel. Komplett auf das bunte Spektakel verzichten müssen Fans aber nicht. Trotz des Böllerverbots dürfen Lidl, Aldi und Co. sogenanntes „Jugendfeuerwerk“ verkaufen.

Lidl, Aldi und Co.: Dieses Feuerwerk wird verkauft

Feuerwerkskörper sind in Deutschland je nach ihrer Gefährlichkeit und Größe in verschiedene Klassen unterteilt. Unter die niedrigste Klasse (1) fällt Jugendfeuerwerk, das von jeder Person, die älter als zwölf Jahre alt ist, erworben und das ganze Jahr über verwendet werden darf. Dieses Kleinstfeuerwerk darf zu Silvester in Filialen von Lidl und anderen Supermärkten verkauft werden:

  • Wunderkerzen
  • Knallerbsen
  • kleine Bodenwirbel
  • kleine Tischfontänen oder -vulkane
  • Handfontänen

Zwar mag das in Supermärkten angebotene Jugendfeuerwerk für manche Kunden ein willkommener Ersatz für Silvesterraketen und Co. sein, für die Branche der Pyrotechniker in Deutschland dürfte die kleine Auswahl jedoch wie blanker Hohn klingen. Zahlreiche Feuerwerkshändler ringen nach dem Böllverbot um ihre Existenz.

Knallfrösche und anderes Kleinstfeuerwerk sind auch 2021 erhältlich. Silvesterraketen und Böller wird man in den Ladenregalen hingegen vergeblich suchen.

„Wenn wir dieses Jahr erneut keinen Umsatz machen, werden wir unsere Abteilung für Feuerwerksverkauf nach fast 25 Jahren schließen müssen“, sagte Christoph Gohl, Inhaber eines Stuttgarter Fachhandels für Feuerwerk, gegenüber BW24. „Und nicht nur wir - davon erholt sich die ganze Branche nie wieder.“

Verkaufsverbot von Feuerwerk trifft Pyrotechniker hart - „Haben 2020 keinen einzigen Euro für den Umsatzverlust bekommen“

Zwar hat die Bundesregierung den Pyrotechnikern einst Überbrückungshilfen für die finanziellen Ausfälle in der Corona-Pandemie versprochen. Davon scheint bei den allermeisten jedoch nichts angekommen zu sein. „Wir haben für den Umsatzverlust durch den weggebrochenen Feuerwerksverkauf, wie viele Händler auch, schon im vergangenen Jahr keinen einzigen Euro bekommen“, erklärt Christoph Gohl. „Da kann ich für alle Pyrotechniker sprechen, die ich kenne.“

Alarmiert über die aktuellen Entwicklungen in Deutschland zeigt sich auch der Interessenverband der Pyro-Industrie (VPI): „Mit dem zweijährigen Verbot von Feuerwerk stehen 3.000 Beschäftigte nun endgültig vor dem Aus“, schreibt der Verband. Die Debatte um das Feuerwerksverbot beschäftigt derzeit nicht nur die Industrie der Pyrotechniker. Eine kürzliche Umfrage von BW24 in der Stuttgarter Innenstadt zeigte, dass auch die Bürger sich Gedanken darüber machen.

Rubriklistenbild: © Imago/Eibner

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