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„Schweinefleisch aus Baden-Württemberg bald Geschichte“ - Hälfte der Halter kann nicht mehr

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Von: Nadja Pohr

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Drei Schweine stehen eng in einem Stall zusammen
Die Hälfte der Schweinehalter aus Baden-Württemberg wollen ihre Betriebe in den nächsten Jahren aufgeben (Symbolbild). © Shotshop/IMAGO

Fast die Hälfte der Schweinehalter in Baden-Württemberg will ihre Betriebe aufgeben, wie eine Umfrage zeigt. Sie fühlen sich von Politik und Handel im Stich gelassen.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat auch für die Schweinehalter im Land schlimme Auswirkungen. Weil die Schweine- und Ferkelpreise auf einem historischen Tief stehen, schreiben auch die Tierhalter rote Zahlen. Eine Umfrage des Landesbauernverbands (LBV) Baden-Württemberg ergab nun, dass fast die Hälfte aller Haltungsbetriebe aufgeben will.

Als Gründe für ihren Ausstieg nennen die Schweinehalter die gesetzlichen Auflagen, Unwirtschaftlichkeit und mangelnde Perspektiven. „In dieser Situation ist eine Weiterentwicklung der Betriebe unmöglich“, erklären die LBV-Vizepräsidenten Klaus Mugele und Hans-Benno Wichert. „Alle Marktbeteiligten und die Politik müssen jetzt endlich handeln, ansonsten ist Schweinefleisch aus Baden-Württemberg bald Geschichte.“

Schweinehalter in Baden-Württemberg haben jegliche Erwartungen gegenüber dem Handel verloren

Konkret sprechen die baden-württembergischen Schweinehalter von leeren Versprechungen und Marketingaktionen des Lebensmitteleinzelhandels, die keinerlei Besserung, sondern nur noch mehr Druck auf sie verursachen würden, wie agrarheute berichtet. Man habe dementsprechend jegliche Erwartung gegenüber dem Handel verloren.

Ein Schritt in die richtige Richtung war für die Schweinehalter bereits das Bekenntnis von Lebensmittelhändlern zu „5D“. Unter anderem hat daraufhin auch die Discounterkette Lidl seine Fleischprodukte mit der neuen Kennzeichnung versehen. LBV-Vizepräsident Mugele fordert dennoch, dass man unabhängiger von den Preisschwankungen der internationalen Märkte werden müsse. „Dazu müssen im Land die Regionalprogramme mit Abnahmegarantie ausgebaut werden, damit die Tierhalter mit stabilen Preisen rechnen können.“

Ausstieg der heimischen Schweinehalter für Bürger eine „gruslige Vorstellung“

Dass als Konsequenz dieser prekären Zustände fast die Hälfte aller Schweinehalter ihre Haltungsbetriebe aufgeben wollen, besorgt auch viele Bürgerinnen und Bürger. „Ich finde die Vorstellung gruselig, dass wir zukünftig unser Fleisch irgendwo aus dem Ausland kaufen müssen, wo niemand weiß, was da los ist“, schreibt eine Nutzerin auf Facebook und teilt damit die Meinung vieler weiterer. Ein anderer könne nicht verstehen, warum die Politik es so weit kommen lasse und „wenns mal gut läuft, die Regierung irgendwelche Gesetze herausbringt, die einem das Leben schwer machen.“

Dennoch gibt es auch Befürworter der Ausstiege. Einige sind der Meinung, dass all diese Maßnahmen nach der Umsetzung schließlich durch Preissteigerung auch beim Endverbraucher landen würden. Eine Userin findet, die Zeiten hätten sich eben geändert und daran müsse sich auch die Landwirtschaft anpassen. „So wie die Schweine hier gehalten werden, wurde es Zeit“, kommentiert eine andere. Für einen bewussten Umgang mit Lebensmittel sprach sich auch ein Bio-Landwirt mit einer krassen Forderung aus: Wer Fleisch ist, muss selbst ein Tier schlachten können.

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