„Paar Ölmultis machen großen Reibach“

Spritpreis steigt, Ölpreis sinkt – „dreiste Abzocke an der Zapfsäule“

  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Die Spritpreise pro Liter bewegen sich weiter über der 2-Euro-Marke – dabei sinkt der Ölpreis. Experten und Politiker haben einen schlimmen Verdacht.

Stuttgart – Seit Kriegsbeginn in der Ukraine haben die Autofahrer in Deutschland mit kräftigen Spritpreis-Anstiegen zu kämpfen. In einer Sonderauswertung stellt der ADAC fest, dass am Donnerstag (17. März) für einen Liter Super E10 im Schnitt 2,127 Euro bezahlt werden musste – das ist im Vergleich zur Auswertung vom 15. März ein Rückgang von 6,5 Cent pro Liter. Der Diesel verbilligte sich innerhalb von zwei Tagen um 8,1 Cent auf 2,211 Euro pro Liter.

Trotzdem bewegen sich die Literpreise nach wie vor über der 2-Euro-Marke. Zum Vergleich: Im November 2021 hatte der Liter E10 im Schnitt noch 1,689 und der Liter Diesel 1,569 gekostet. Was hier nicht passt, ist der aktuelle Ölpreis. Stand 17. März liegt der Preis für ein Barrel Rohöl der Marke Brent mit rund 101 US-Dollar auf dem Vorkriegs-Niveau, nachdem er nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zeitweise auf mehr als 139 US-Dollar gestiegen war.

Spritkosten gehen trotz sinkender Ölpreise nicht runter – Experte mit Vermutung

Hier stellt sich die Frage: Warum sind dann die Benzin- und Dieselpreise nicht wieder auf Vorkriegs-Niveau? „Mein Eindruck ist, dass ein paar Ölmultis gerade den großen Reibach machen“, twittert Danyal Bayaz, Finanzminister von Baden-Württemberg. Sein Partei-Kollege Sven-Christian Kindler, haushaltspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, wird im „Deutschlandfunk“-Interview noch konkreter. Er vermutet, „dass hier Milliardengewinne auf Kosten von Autofahrern“ gemacht werden. 

Berichten von „Auto Bild“ zufolge regt Kindler deshalb eine Überprüfung der Spritpreise über das Bundeskartellamt an. Die Behörde soll prüfen, ob es womöglich illegale Preisabsprachen der Mineralöl-Konzerne gibt. Dass etwas nicht stimmt, mutmaßt mittlerweile auch der ADAC. „Trotz aller kriegsbedingter Sondereffekte und Erklärungen für die hohen Spritpreise – irgendwo zwischen der Öl-Förderung und Tankstelle bleibt das zusätzliche Autofahrergeld hängen“, sagt Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht.

Sprit bleibt auf Rekordniveau: ein möglicher Grund für die Preis-Entwicklung

„Die Mineralöl-Konzerne verdienen im Raffineriegeschäft derzeit richtig gutes Geld“ – bloß die Verbraucher haben davon nichts. Mit Blick auf die Möglichkeiten, die Verbraucher haben, um Sprit zu sparen, ist das aus Sicht der Experten besonders bedauerlich. Zwar kann man mit ein paar guten Experten-Tipps viel Sprit sparen, doch das allein kann die extremen Benzin- und Dieselpreise an einer Tankstelle nicht kompensieren. Und auch die Logistikbranche hat hier nicht sehr viel Spielraum.

Die Kurve zeigt sehr deutlich: Der Spritpreis-Anstieg seit November 2021 ist gewaltig.

Experten schlagen Alarm: „Ohne die Diesel-Lkw bleiben Supermarkt-Regale leer“, prophezeit Dirk Engelhard, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Er fordert schnelle Hilfen für die Branche, die ansonsten auf eine Pleitewelle zurast. Am einfachsten wäre es, wenn sich die Preise an der Zapfsäule von alleine wieder einpendeln. Ein Grund, warum sie das möglicherweise nicht tun, ist neben illegalen Preisabsprachen das Prinzip Angebot und Nachfrage.

Facebook-Community fordert Reaktionen – Ölkonzerne sind „gierige Raffzähne“

Das heißt: Die Nachfrage ist derzeit größer als das Angebot, weshalb die Preise höher angesetzt werden können – doch zumindest kommt jetzt Bewegung in die Sache. Nach Informationen von „Auto Bild“ soll Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck das für die Kontrollen zuständige Bundeskartellamt beauftragt haben, die Situation zu prüfen. Die Behörde solle „bei Hinweisen auf ein missbräuchliches Verhalten tätig werden“, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. 

„Höchste Zeit“, meint die Facebook-Community – hier sorgen die Spritpreise mittlerweile für emotionale Debatten. Ein User betitelt die Ölkonzerne als „gierige Raffzähne“ und fordert, dass die Politik einschreitet. „Hat der Minister für die Erkenntnis studiert?“, meint der Nutzer, nachdem bekannt wurde, dass das Bundeskartellamt aktiv werden soll. Ein anderer merkt dazu an: „Dreiste Abzocke an der Zapfsäule“ und fordert eine Senkung der Mehrwertsteuer als Sofortmaßnahme.

Rubriklistenbild: © Sergiy Tryapitsyn/IMAGO

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