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„Wir reden hier nicht von Absicht“: Frau muss ins Gefängnis, weil sie bedrohlichen Unbekannten zu Tode fährt

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Von: Sina Alonso Garcia

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Auto nachts auf der Straße
Eine Begegnung mit Folgen: Auf einer Landstraße in Ludwigsburg traf eine junge Autofahrerin am 18. Juni 2021 gegen Mitternacht auf einen seltsamen Mann, den sie kurze Zeit später - offenbar im Affekt - überfuhr (Symbolbild). © Imago/PantherMedia

Am Landgericht Stuttgart wurde im August eine 20-Jährige zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Grund: Sie überfuhr einen Mann, der aus dem Gebüsch sprang und nach eigenen Angaben auf sie bedrohlich wirkte.

Ludwigsburg - Der Fall, der sich eines Nachts im Juni 2021 in Ludwigsburg ereignete, bewegte die Medienlandschaft: Eine damals 19-Jährige war mit ihren zwei Nichten im Auto unterwegs. Auf der Schwieberdinger Straße, wo sie kurz ausstiegen, tauchte plötzlich ein Mann in langer Unterhose auf. Wie die inzwischen Verurteilte später erklärte, sei der 50-Jährige in drohender Haltung und mit einem „langen Säbel“ an ihr Auto herangetreten. Die Frau fühlte sich laut eigenen Angaben bedroht, stieg mit ihren Nichten wieder ins Auto und fuhr mit rund 20 Stundenkilometern Geschwindigkeit auf den Mann zu. Dieser wurde dadurch so stark verletzt, dass er nicht mehr zu retten war. Hilflos und überfordert wählte die Frau den Notruf.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, wurde die 20-Jährige Anfang August 2022 vom Landgericht Stuttgart wegen Totschlag zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. „Wir reden hier nicht von Absicht“, sagte die Vorsitzende Richterin Monika Lamberti. „Ihr Hauptmotiv war das Wegkommen.“ Trotz allem könne die Kammer schwer nachvollziehen, weshalb die junge Frau so gehandelt habe. So habe der Mann keine Gefahr mehr dargestellt, als er vor ihr auf der Straße lag.

Vor Gericht: Verteidiger plädiert auf fahrlässige Tötung, Richterin spricht von Totschlag

Zwar handelte es sich bei dem Gehstock, den der Mann bei sich trug, nicht um einen Säbel. Laut Polizei verfügte der Gehstock jedoch über „eine Art ausziehbaren Degen“. Die Klinge sei am Tatort allerdings nicht ausgezogen und der Mechanismus schwer auszulösen gewesen. Als die Frau auf den Mann zufuhr, landete dieser laut Gericht zunächst auf der Motorhaube. Die Fahrerin bremste, der Mann rutschte auf den Boden. Dass die Angeklagte ihn danach noch mit hoher Geschwindigkeit überfuhr, ist für die Richterin ein Indiz dafür, dass der 19-Jährigen bewusst war, dass sie den Mann töten kann.

Der Verteidiger der Angeklagten argumentierte mit Notwehr. Seine Mandantin habe aus Panik gehandelt. Er plädierte deshalb auf fahrlässige Tötung im Straßenverkehr. Er forderte die Verhängung einer Jugendstrafe, die noch unter zwei Jahren liegt und bewährungsfähig ist. Am Ende kam der Angeklagten zugute, dass sie den Notruf wählte und nicht vorbestraft war. Die Urteilsverkündung nahm sie laut Berichten so hin, als ob sie nicht realisierte, was die Strafe für sie bedeutete.

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