Ministerpräsident von Baden-Württemberg

„Ekelhaft“, „unerträglich“, „lächerlich“: Nach dem Unfall von Winfried Kretschmann tobt Diskussion im Netz

  • Anna-Lena Schüchtle
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Nach dem schweren Unfall von Ministerpräsident Winfried Kretschmann werden im Netz viele kritische Stimmen laut. Der Grünen-Politiker sieht sich mit vielen Vorwürfen konfrontiert.

  • Winfried Kretschmann wurde gestern Abend auf der A 81 in einen schweren Unfall verwickelt, bei dem es zwei Schwerverletzte gab.
  • Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg selbst blieb unverletzt und äußerte sich heute Mittag zu dem Unfall.
  • Im Netz gibt es derweil viele Kritiker, die Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit schweren Vorwürfen konfrontieren - aber auch Unterstützer, die ihn verteidgen.

Möckmühl/Stuttgart - Nach dem schweren Verkehrsunfall von Winfried Kretschmann (Grüne) wird die Unglücksursache im Netz heiß diskutiert. Der Dienstwagen des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg war am gestrigen Montagabend auf der Autobahn 81 zwischen Möckmühl und Boxberg bei Heilbronn auf regennasser Fahrbahn ins Schleudern geraten und erst gegen die Mittelleitplanke geprallt, von wo aus er auf den rechten Standstreifen geriet und zum Stehen kam.

Ein nachfolgender Seat geriet nach Angaben der Polizei kurz darauf ebenfalls aufgrund von Aquaplaning ins Schleudern und kollidierte in der Folge mit dem Heck eines der Begleitfahrzeuge aus der kleinen Kolonne von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Das Begleitfahrzeug befand sich hinter dem verunglückten Dienstwagen des Grünen-Politikers auf dem Standstreifen. Bei dem Unfall mit Winfried Kretschmann wurden ein einjähriges Mädchen und der 33-jährige Fahrer des Seat schwer verletzt. Die 29-jährige Beifahrerin erlitt leichte Verletzungen.

Nach schwerem Unfall: Ministerpräsident Winfried Kretschmann wird auf Social Media kritisiert

Winfried Kretschmann zu seinem Unfall: „Meine ganze Sorge gilt den beiden Schwerverletzten. Meine Gedanken sind natürlich bei ihnen.“

Winfried Kretschmann selbst blieb bei dem schweren Unfall unverletzt und wurde mit einem Ersatzfahrzeug nach Stuttgart gebracht. Am Dienstagmittag äußerte sich der grüne Ministerpräsident zu dem tragischen Unglück. „Meine ganze Sorge gilt den beiden Schwerverletzten. Meine Gedanken sind natürlich bei ihnen“, zitiert die Deutsche Presseagentur den Regierungschef von Baden-Württemberg. „Ich selber und mein Team sind Gott sei dank unverletzt geblieben und es geht uns gut“.

Derweil verbreiten sich auf Social Media bereits erste Mutmaßungen und Anschuldigungen zur möglichen Ursache des Unfalls von Winfried Kretschmann. „Also dann, Land der 80 Millionen Experten, Bundestrainer und Gutachter. Ergießt eure Urteile über den Unfallhergang. War es Aquaplaning und ggf. falsche Geschwindigkeit? Ihr seid die Experten. Raus damit“, kommentiert ein User auf Twitter ironisch und bezieht sich auf die vielen Meinungen und Urteile der am Unglück unbeteiligten Kommentatoren.

Diese machen Ministerpräsident Winfried Kretschmann zum Teil schwere Vorwürfe. „Klar, dass die Elite sprich ein Politiker keine Schäden mit der gepanzerten Limousine hat, sondern nur ein Mitglied des Pöbels“, heißt es in einem Tweet. Aufgrund der getroffenen Sicherheitsmaßnahmen am Wagen des Regierungschefs stellt sich die Frage, ob auch dessen Begleitfahrzeug über eine Panzerung verfügt. Dadurch könnte es sein, dass der ungeschützte Seat der Familie womöglich sogar besonders stark beschädigt wurde. Das Staatsministerium wollte auf Nachfrage von BW24 jedoch keine Aussage zur Ausstattung des Begleitfahrzeugs machen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann wird für Unfall mit Schwerverletzten kritisiert

Die Tatsache, dass sich Winfried Kretschmann aufgrund der Panzerung seines Wagens in einem besonders geschützten Fahrzeug befand, stößt mit Blick auf die Netzreaktionen mehrfach auf Kritik. „Hauptsache Herr Kretschmann fühlt sich in seiner gepanzerten S-Klasse „wie eine Sardine in der Büchse“, während der normal verdienende Bürger im Kompaktkombi und im Krankenhaus um sein Leben kämpft“, schreibt ein Kommentator und bezieht sich dabei auf eine Aussage, die der Regierungschef im Januar 2018 getätigt hat.

In einem Bericht der Deutschen Presseagentur erzählte der Ministerpräsident von Baden-Württemberg damals, dass er seinen Dienstwagen nicht für besonders komfortabel halte, weil er auf dem Rücksitz nicht besonders viel Platz hätte. Grund dafür: Auf dem Sitz vor ihm würde sich ein Personenschützer und neben ihm ein weiterer Mitarbeiter befinden. Einen positiven Aspekt sah Winfried Kretschmann damals dennoch: Mit dem Wagen käme man nach Ansicht des Grünen-Politikers immerhin gut voran, und weiter: „Man kann mit ihm auch überholen“.

Dieses Statement von Winfried Kretschmann von vor mehr als zwei Jahren scheint mit Hinblick auf den gestrigen Unfall tatsächlich nicht einer gewissen Ironie zu entbehren - zumindest nach Ansicht einiger Kommentatoren auf Social Media. Diese werfen Kretschmann beziehungsweise seinem Fahrer überhöhte Geschwindigkeit vor: „Wenn ich auf regennasser Straße ins Schleudern geraten, bedeutet das in 99 Prozent aller Fälle doch unangepasste, überhöhte Geschwindigkeit des Fahrers!? Und die Grünen wollten uns doch dieses Tempolimit aufdrücken!“, heißt es in einem Tweet.

 „Bei jedem anderen hätten die Grünen über den „verantwortungslosen Raser“ getobt und ihr absurdes Tempolimit gefordert - bei Winfried Kretschmann aber war das böse Wasser auf der Straße schuld. Diese Doppelmoral ist widerlich. Und warum fuhr er nicht Zug oder Fahrrad?“

Tweet vom 01.09.2020 zum Unfall von Winfried Kretschmann

Unter einem Post von BW24 auf Facebook behauptet ein User sogar, der Mercedes von Winfried Kretschmann sowie dessen Begleitfahrzeug seien auf der Schwäbischen Alb schon einige Male hinter ihm hergefahren. „Wenn sie hätten fliegen können, hätten sie es auch gemacht. Immer volles Rohr“, heißt es in dem Kommentar, in dem eine Geschwindigkeitsüberhöhung des Dienstwagens andeutet wird.

Nach Unfall mit Schwerverletzten: Ministerpräsident Winfried Kretschmann bekommt viel Kritik

Andere Nutzer auf Social Media sind über die vielen Schuldzuweisungen und Vorwürfe in den Kommentarspalten eher entsetzt, wie hier in einem Tweet: „Ich bin ja echt kein großer Fan von Winfried Kretschmann - aber was hier wieder für Bullshit geschrieben wird, ist unerträglich. [...] Wer jetzt aus einem Zeitungsartikel den Unfall nachzeichnet und darlegt, wer was falsch gemacht hat, macht sich nur lächerlich...“.

Ein anderer schreibt: „Wer sehen will, wie verdorben Twitter eigentlich ist, der schaut sich mal die Kommentare unter dem Hashtag Kretschmann an. Ein normaler Mensch freut sich darüber, dass ihm nichts passiert ist. Aber auf Twitter gibt es wieder nur Hass und Hetze. Ekelhaft“.

„Manche faseln jetzt auch jeden Mist über hohe Geschwindigkeit etc. wegen des Kretschmann-Unfalls. Aquaplaning ist echt kein Spaß, auch nicht bei angepasster Geschwindigkeit, gestern selbst erlebt: Starkregen vor dem Schönbuchtunnel Richtung Süden. Trotz reduzierter Geschwindigkeit...“

Tweet vom 01.09.2020 zum Unfall von Winfried Kretschmann

Andere nehmen es dagegen mit Humor, etwa folgender Kommentator auf Twitter: „Mal wieder faszinierend wie viele Schamanen unter dem Hashtag Kretschmann unterwegs sind, die den genauen Unfallhergang rekonstruieren können“. Auch Martin Sonneborn von Die Partei äußert sich auf Twitter zu dem Unfall von Winfried Kretschmann und schreibt satirisch: „War das gestern Abend die erste von wirtschaftlichen Interessen der Automobilindustrie ungeleitete Aktion von Landesvater Kretschmann...? ZwinkerSmiley!“

Grünen-Politiker Winfried Kretschmann: Kritische Stimmen nach Unfall mit Schwerverletzten

Angesichts der Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg forderte Ministerpräsident Winfried Kretschmann jüngst eine Autokauf-Prämie von bis zu 4.000 Euro für die Anschaffung von Neu- und Jahreswagen. Von den Grünen erntet er dafür starke Kritik. Eine staatliche Förderung von Verbrennern zu fordern sei verantwortungslos.

Rubriklistenbild: © Franziska Hessenauer/Einsatz-Report24/dpa, Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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