Dienstwagen und Familienauto

Ministerpräsident im Dilemma: Das Auto von Winfried Kretschmann (Grüne) erregt die Gemüter

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, posiert im Jahr 2015 in Immendingen neben seinem neuen Dienstwagen, einem Mercedes-Benz S 500 Plug-in-Hybrid.
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Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Jahr 2015 vor seinem damaligen Dienstwagen von Mercedes
  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
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Das Auto von Winfried Kretschmann sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg mag es praktisch und großzügig.

  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht sich in der Pflicht, die Autohersteller in Baden-Württemberg zu unterstützen.
  • In seinen Dienstwagen muss der hochgewachsene Ministerpräsident bequem sitzen und ausreichend Platz haben, um arbeiten zu können.
  • Privat braucht der Politiker nach eigener Aussage „ein gescheites Auto“, weil er falls nötig auch mal eine Tonne Sand für seine Enkel zum Spielen transportiert.

Stuttgart - Das Bundesland Baden-Württemberg, das seit 2011 von Winfried Kretschmann von den Grünen regiert wird, ist Sitz vieler Unternehmen der Autobranche. Umso spannender ist für viele die Frage, welches Auto Kretschmann selbst fährt. Die Interessen der Autobauer, der Wirtschaft und der Arbeitnehmer in seinem Land mit den Anforderungen grüner Wähler an seine Umweltpolitik zu vereinbaren, ist eine nahezu unlösbare Aufgabe. Doch der Ministerpräsident von Baden-Württemberg lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen.

Die deutsche Automobilwirtschaft hat in Winfried Kretschmann einen tatkräftigen Unterstützer, auf den sie sich auch in seiner Eigenschaft als Mitglied des Bundesrates verlassen kann. Der Politiker von den Grünen hält es nicht für richtig, wirtschaftliche Fragen generell hinter den Schutz der Umwelt zu stellen und scheut sich nicht, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, wenn sie einen praktischen Nutzen haben.

Winfried Kretschmann und sein Auto: Diesen Dienstwagen hat der Ministerpräsident

Die Dienstwagen, die von der Staatskanzlei Baden-Württembergs für den Ministerpräsidenten bestellt werden, geraten regelmäßig in die öffentliche Aufmerksamkeit. Egal, um welches Auto es sich handelt. Als Winfried Kretschmann im Jahr 2018 über die S-Klasse von Mercedes sagte, er würde darin sitzen wie „eine Sardine in der Büchse“, dürfte dem Politiker von den Grünen klar gewesen sein, dass diese Aussage über sein Auto nicht überall auf Beifall stoßen würde.

Sich im wahrsten Wortsinn zu verbiegen, um sich beliebt zu machen, käme Winfried Kretschmann eher nicht in den Sinn. So mussten letztlich auch seine Kritiker zugeben, dass er mit den Bemerkungen zu seinem Auto nicht ganz unrecht hatte. Der 1,92 Meter große Ministerpräsident von Baden-Württemberg konnte nämlich recht plausibel darlegen, warum es mit seinen ständigen Begleitern in dem Dienstwagen regelmäßig beengt zuging.

Ein weiterer Dienstwagen des Regierungschefs von Baden-Württemberg geriet Anfang 2019 in die Schlagzeilen, weil es aus Bayern kam. Auf die Empörung darüber, dass Winfried Kretschmann plötzlich ein Auto der Marke Audi hatte, antworte der Politiker, es handele sich nur um einen Test. Die Probefahrt mit dem E-Auto Audi E-tron dauerte nur drei Monate. Danach stieg Kretschmann wieder auf sein wasserstoffbetriebenes SUV von Mercedes um, ein GLC F-Cell, das die „Sardinenbüchse“ inzwischen für Fahrten in der Stadt abgelöst hatte.

Winfrieds Kretschmann: Dieses Auto fährt der Ministerpräsident privat

Die Gegensätze, die der grüne Ministerpräsident von Baden-Württembergs ständig bewältigen muss, könnten größer nicht sein. Auch in Bezug auf sein eigenes Auto. Zum einen ist Winfried Kretschmanns Partei in ihrem politischen Handeln vor allem der Umwelt verpflichtet. Zum anderen befindet sich der Sitz der Landesregierung von Baden-Württemberg ausgerechnet in der Landeshauptstadt Stuttgart. Stuttgart ist nicht nur die Heimat der Automarken Mercedes und Porsche, sondern überschritt auch häufig die zulässigen Feinstaubgrenzwerte. Deshalb forderten immer mehr Einwohner Diesel-Fahrverbote, die allerdings die ansässigen Autokonzerne hart treffen und dort Arbeitsplätze kosten könnten.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist kein Freund von Dieselfahrverboten, musste aber die EU-Richtlinie zur Luftreinhaltung umsetzen und die Feinstaubkonzentration auch in Stuttgart reduzieren. Außerdem fühlte sich der Politiker nach dem Dieselskandal um gefälschte Abgaswerte verpflichtet, das Vertrauen der Autokäufer in saubere, moderne Dieseltechnologie aus Baden-Württemberg wieder zu stärken. So erscheint es nur auf den ersten Blick verblüffend, dass der Ministerpräsident von den Grünen sich privat ausgerechnet ein Auto aus der E-Klasse von Mercedes mit Dieselmotor anschaffte – aus Sicht des Realisten Winfried Kretschmann die einzig logische Entscheidung.

Nicht nur politisch, sondern auch privat ist Winfried Kretschmann bodenständig. Mit seiner Frau Gerlinde Kretschmann hat der Ministerpräsident von Baden-Württemberg drei Kinder und ist zweifacher Großvater. Nach eigener Aussage mache er auch privat immer das, was er für richtig halte. Auf die Kritik an der Wahl seines Autos sagte Kretschmann, er wohne auf dem Land und seine Frau müsse weit zum Enkel fahren. Außerdem hat der Politiker eigenen Angaben zufolge einen Anhänger und damit auch schon mal eine Tonne Sand für seinen Enkel geholt - da brauche er einfach ein gescheites Auto.

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