Bei Landtagsitzung

Kretschmann ätzt gegen Palmer: „selbsternannter Virologe“

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (l) und Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg stehen in einem Wald und schauen auf ein Handy.
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Bei einer Landtagsitzung gönnte sich Winfried Kretschmann einen Seitenhieb auf Boris Palmer - „selbsternannter Virologe“.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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In einer Sitzung des Landtags stellte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) seinen Plan für die Schulöffnungen vor - dabei konnte er sich einen Seitenhieb auf einen Parteikollegen Boris Palmer nicht verkneifen.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg beeinträchtigt das Leben im neuen Jahr noch immer deutlich. Kürzlich beschlossen Bund und Länder eine Lockdown-Verlängerung bis zum 14. Februar. Auch die aktuellen Corona-Regeln für Baden-Württemberg wurden erneut verschärft. Trotz der drastischen Maßnahmen zum Infektionsschutz kündigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) an, die Schulen und Kita bereits am ersten Februar wieder öffnen zu wollen. Zuvor hatte sich bereits Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vehement für eine baldige Schulöffnung eingesetzt.

In einer Sitzung des Landtags in der Landeshauptstadt Stuttgart stellte Winfried Kretschmann seinen Plan für die Schulöffnungen vor. Im Rahmen der Sitzung erlaubte sich der Regierungschef von Baden-Württemberg einen Seitenhieb auf einen Parteikollegen und sorgte damit für Erheiterung unter den anwesenden Politikern, wie die Stuttgarter Nachrichten (StN) berichten.

Winfried Kretschmann: Regierungschef teilt gegen Parteikollege Boris Palmer aus

Seit dem Ausbruch des Coronavirus in Baden-Württemberg fällt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) durch umstrittene Aussagen und unkonventionelle Methoden zur Virusbekämpfung auf. Die aktuelle Lage gibt dem polarisierenden Politiker aber offenbar recht. Der Landkreis Tübingen ist derzeit der einzige Kreis im Land, mit einer 7-Tage-Inzidenz von unter 50 (Stand: 22. Januar, 12:00 Uhr). In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung (StZ) machte Boris Palmer eine drastische Aussage, Corona sei für U-60-Jährige „so gefährlich wie Autofahren“, sagte der Politiker. Daneben kritisierte er Teile der Corona-Verordnung und sprach sich für eine baldige Schulöffnung aus.

In der Sitzung des Landtags erklärte Winfried Kretschmann, er habe die Schulöffnungspläne intensiv mit Virologen besprochen. Direkt vor der Krisenkonferenz der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe er sich mit einem Virologen aus Tübingen beraten. „Ich meine jetzt nicht mit dem Selbsternannten“, sagte der Regierungschef mit einem Augenzwinkern, wie die StN berichten. Dass es sich dabei um eine Anspielung auf einen namentlich nicht genannten Parteikollegen handelte, sei den Abgeordneten nicht entgangen, berichtet die Zeitung weiter. Das habe für Erheiterung im Landtag gesorgt.

Der Seitenhieb von Ministerpräsident Winfried Kretschmann an Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer war vermutlich eine Anspielung auf Aussagen, die der Politiker in dem bereits genannten Interview getätigt hatte. „Obwohl Kindern und Jugendlichen von Corona keine echte Gefahr droht, sind sie die Verlierer der Schutzmaßnahmen“, sagte er darin. „Ausgewogener und effektiver wäre es, mehr Homeoffice zu verordnen und Schulen und Kitas wieder zu öffnen.“

Winfried Kretschmann musste in Bezug auf seine Schulöffnungspläne auch ZDF-Moderator Markus Lanz Rede und Antwort stehen. Der fühlte dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten gehörig auf den Corona-Zahn, wie 24hamburg.de* berichtet. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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