Neues Gehege

Wilhelma: Neue „Elefantenwelt“ ist weltweit einzigartig

Eine asiatische Elefantenkuh im Außengehege der Wilhelma Stuttgart
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Die Asiatischen Elefanten der Wilhelma Stuttgart bekommen ein neues Gehege.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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In der Wilhelma in Stuttgart laufen die Bauarbeiten für die neue „Elefantenwelt“ auf Hochtouren. Das Besondere: Gehege und Elefantenhaus gibt es so nirgends auf der Welt.

Stuttgart - Die Wilhelma gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Stuttgart. Der Zoo im Stadtteil Bad Cannstatt zieht jedes Jahr mehr als 1,5 Millionen Besucher aus aller Welt an. Rund 11.500 Tiere können auf einem knapp 30 Hektar großen Gelände bestaunt werden. Und es gibt jedes Jahr Neues zu entdecken. So kamen etwa 2021 zwei neue Tiere in die Wilhelma: Die Netzgiraffen Sala und Nyiri leben seit Mai im Zoologisch-Botanischen Garten.

Die Wilhelma in Stuttgart ist der einzige zoologisch-botanische Garten Deutschlands. Bald ist die Wilhelma um eine einzigartige Attraktion reicher: Die Elefantenwelt, die derzeit gebaut wird, gibt es so sonst nirgends auf der Welt.

Wilhelma in Stuttgart: Neues Gehege fördert Sozialverhalten der Elefanten

Da, wo früher in der Wilhelma Ziegen gefüttert werden konnten, entsteht ein neues Reich für die Elefanten. Auf dem 1,5 Hektar großen Gelände werden künftig die Asiatischen Elefanten zu Hause sein, berichtet die Stuttgarter Zeitung.

Das Besondere an der Anlage: Sie lässt sich bei Bedarf dreiteilen und wieder zusammenlegen. Die Tiere können künftig selbst entscheiden, wann sie bei der Herde und wann sie alleine sein wollen. Das ist auch für das Sozialverhalten der Zoo-Elefanten gut. „Elefanten sind sehr soziale Wesen“, sagt Thomas Kölpin, Direktor der Wilhelma. „Dass man ihre sozialen Bedürfnisse befriedigt, ist ein ganz wichtiger Schlüssel zum Wohlbefinden von Tieren.“ Wohl fühlen sich offenbar auch die Kalifornischen Seelöwen im zoologisch-botanischen Garten: Die Wilhelma durfte sich über die Geburt von zwei kleinen Seelöwen freuen.

Der Wilhelma-Chef ist stolz auf das Bauprojekt. „Es wird aus sozialen Gesichtspunkten die modernste Elefantenanlage der Welt“, sagt er. Auch die Interaktion der Tierpfleger mit den Elefanten ändert sich im neuen Gehege. Mit Barrieren zwischen Pflegern und Tieren können Letztere ihre eigene Hierarchie entwickeln und werden nicht von den Menschen dominiert. „Wir wollen ja zeigen, wie Elefanten leben und interagieren und nicht, wie durch Menschen dominierte Tiere funktionieren“, sagt Thomas Kölpin.

Stuttgarter Wilhelma: Sechs Mutterkühe, ein Zuchtbulle sowie drei Jungbullen finden im Gehege Platz

Elefanten sind Herdentiere. In der freien Wildbahn leben die Weibchen, die Elefantenkühe, ein Leben lang zusammen, sämtliche weiblichen Verwandten und Jungtiere bleiben beieinander. Männliche Elefanten hingegen verlassen die Mutterherde, sobald sie geschlechtsreif werden. Meist schließen sie sich mit anderen Jungbullen zu kleinen Herden zusammen. Immer wieder kehren sie jedoch zu ihrer Mutterherde zurück und suchen den Kontakt zu ihren weiblichen Verwandten. Von ihnen lernen sie, wie man sich richtig verhält.

In Zoos ist dieses natürliche Verhalten durch die Gehegehaltung nicht möglich. Die Bullen werden bei Erreichung der Geschlechtsreife komplett von den Weibchen getrennt. Mit fatalen Folgen für das Sozialverhalten der Elefantenbullen. „Man hat in Zoos lange die Jungbullen separiert mit dem Ergebnis, dass sie soziale Defizite entwickelt haben und auch aggressiv gegenüber Kühen und Jungtieren wurden“, erklärt der Wilhelma-Chef. „Wir müssen ihnen in Menschenobhut also die Möglichkeit geben, zu lernen und ein komplexes Sozialverhalten zu entwickeln.“

Im neuen Gehege soll es den Elefanten möglich sein, miteinander nach Belieben zu interagieren. Im Elefantenhaus gibt es Platz für maximal sechs Mutterkühe und ihre Jungtiere, einen erwachsenen Zuchtbullen und drei halbwüchsige Bullen. Große Boxen sowie Laufstallflächen sollen mithilfe von Toren und Schiebern voneinander getrennt und miteinander verbunden werden können. Wenn die Elefanten zusammenkommen möchten, kann ihnen das so ermöglicht werden.

„Elefantenwelt“ der Stuttgarter Wilhelma: Dschungel, Badebecken und Schlammsuhlen

Das neue Gehege bietet den Elefanten künftig noch mehr, sogar ein Dschungel und Badebecken sind geplant. Der Außenbereich der Anlage wird ebenfalls teilbar sein. In zwei der drei Bereiche wird es für die Dickhäuter eine Bademöglichkeit sowie eine Dusche geben, welche die Tiere sogar selbst betätigen können.

Bei der Gestaltung der Elefantenwelt wurde auf viele kleine Details geachtet. So wird der Boden im Innen- und Außenbereich etwa sandig werden. Elefanten lieben es, sich in Schlamm zu suhlen und so ihre Haut zu pflegen. Auch dafür ist mit Schlammsuhlen künftig gesorgt. Doch die Dickhäuter müssen sich noch etwas gedulden: Die Bauarbeiten werden voraussichtlich erst 2025 abgeschlossen sein.

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