Astronomisches Jahrhundertereignis

Am 21. Dezember zeigt sich ein spektakuläres Himmelsphänomen, das es zuletzt im Jahr 1623 gab

Blick in den Nachthimmel mit Sternen.
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Kurz vor Weihnachten erscheint am Nachthimmel ein seltenes Himmelsphänomen.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Kurz vor Weihnachten erscheint am Himmel ein spektakuläres Phänomen, das so seit Hunderten Jahren nicht mehr beobachtet wurde.

Stuttgart - Passionierte Sternbeobachter haben sich den 21. Dezember vermutlich bereits dick im Kalender eingekreist. Kurz vor Weihnachten ist am abendlichen Firmament nämlich ein Jahrhundertereignis zu beobachten - auch in Baden-Württemberg. Sollte etwa das Wetter in Stuttgart mitspielen, haben Einwohner der Landeshauptstadt beispielsweise gute Chancen, die sogenannte Große Konjunktion am Himmel zu bestaunen.

Dabei handelt es sich um ein astronomisches Himmelsphänomen, bei dem sich die Planeten Jupiter und Saturn vermeintlich ganz nahe kommen (fr.de berichtete*) - zumindest von der Erde aus betrachtet. Wer in den vergangenen Monaten bei gutem Wetter immer mal wieder einen Blick in den Abendhimmel geworfen hat, dem ist vermutlich bereits aufgefallen, dass die beiden Himmelskörper scheinbar aufeinander zusteuern.

Spaktakuläres Himmelsphänomen: Saturn und Jupiter vereinen sich zu großem hellem Stern

Bereits jetzt sind Saturn und Jupiter (der hellere von beiden) bei ausgestrecktem Arm nur noch etwas mehr als einen Daumenbreit voneinander entfernt - bis 21. Dezember wird dieser Abstand jedoch noch deutlich kleiner. Selbstverständlich sieht es jedoch nur vom Blickwinkel der Erde aus betrachtet so aus, als ob sich die Himmelskörper besonders nah stünden. Tatsächlich ist der Saturn jedoch etwa doppelt so weit von der Erde entfernt wie der Jupiter.

Die optische Täuschung rührt daher, dass die Planeten unterschiedlich lange Umlaufzeiten um die Sonne haben. Während der Jupiter 12 Jahre für eine Umrundung braucht, dauert es beim Saturn etwa 30 Jahre. Dass die beiden Himmelskörper von der Erde aus betrachtet richtig nah beieinanderstehen, kommt daher nur alle 20 Jahre vor. Dieses Jahr wird das Ergebnis jedoch besonders spektakulär.

Der Grund: Am Abend des 21. Dezembers kommen sich die Planeten so ungewöhnlich nah wie bereits seit Hunderten Jahren nicht mehr. Dadurch sieht es mit bloßem Augen so aus, als würden Jupiter und Saturn zu einem großen hellen Stern verschmelzen. Nur durch ein Fernglas oder Teleskop ist dann noch ein minimaler Abstand zwischen den beiden erkennbar.

Funfact: Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich bei dem sogenannten Weihnachtsstern, dem Stern von Bethlehem aus dem Neuem Testament, um eine Große Konjunktion von Jupiter und Saturn gehandelt haben könnte.

Vereinigung von Jupiter und Saturn am Nachthimmel - Hoffen auf optimales Wetter

Im Gegensatz zu jährlich immer wiederkehrenden Phänomenen, die sich nachts am Himmel abspielen, standen Saturn und Jupiter von der Erde aus betrachtet zuletzt im Jahr 1623 ähnlich nah beieinander, wie sie es jetzt am 21. Dezember tun werden. Der Unterschied: Dieses Jahr sind die Voraussetzungen besser, denn damals war von dem Himmelsereignis kaum etwas zu erkennen, da es vom Licht der Sonne gestört wurde.

Das ist in diesem Jahr nicht der Fall - noch dazu wird die Sicht auf das Phänomen auch nicht durch den Schein des Mondes erschwert. Am 21. Dezember liegt der Neumond nämlich erst fünf Tage zurück, weshalb der zunehmende Himmelskörper nur sichelförmig am Nachthimmel zu sehen sein und diesen somit auch nur schwach erhellen wird. Einzig auf gutes Wetter müssen Sternbeobachter hoffen.

Denn zeigt die aktuelle Wettervorhersage für den 21. Dezember Wolken oder sogar Schnee in Stuttgart und Baden-Württemberg voraus, existiert das spektakuläre Himmelsereignis leider nur noch in der Theorie. Dabei sind die Voraussetzungen dieses Jahr perfekt: Die Große Konjunktion von Jupiter und Saturn fällt 2020 nämlich praktischerweise genau auf den Tag der Wintersonnenwende

Stuttgart und Baden-Württemberg: Sicht auf Planeten nur bei optimalem Wetter

Dadurch bleibt Hobby-Astronomen verhältnismäßig viel Zeit, um das Himmelsphänomen zu beobachten. Denn: Die beiden Planeten können nur in den frühen Abendstunden des 21. Dezembers beobachtet werden. Da es sich dabei jedoch um den kürzesten Tag des Jahres handelt, geht die Sonne zum Glück bereits um 16:21 Uhr unter. Etwa eine halbe Stunde später ist es dann dunkel genug und Jupiter und Saturn tauchen am südwestlichen Abendhimmel auf.

Praktisch: Bei optimalem Wetter ohne Wolken und Niederschlag in Stuttgart sind die Planeten sogar in der Schwaben-Metropole und anderen Großstädten optisch deutlich am Firmament erkennbar. Besser sind die Sichtverhältnisse jedoch außerhalb von dicht besiedelten Gebieten, die aufgrund von Lichtverschmutzung mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen haben. Ein Ausflug aufs Land könnte sich zum Beobachten des Himmelsphänomens kurz vor Weihnachten also lohnen.

Am besten lassen sich die Vereinigung von Saturn und Jupiter von einem Hügel oder Berg aus zu beobachten. Doch Vorsicht: An Weihnachten wird es in Deutschland ungewöhnlich kalt - vergessen Sie also nicht, sich warm einzupacken. Zumindest müssen Sie jedoch nicht stundenlang in der Eiseskälte stehen. Das spektakuläre Ereignis ist nämlich nicht von langer Dauer. Nur bis etwa 18 Uhr haben Beobachter bei gutem Wetter freie Sicht auf die zwei Planeten. Danach verschwinden sie bereits hinter dem Horizont. Wer das Himmelsphänomen verpasst, muss sich dann leider bis zum 15. Mai 2080 gedulden - erst dann kommen sich die Himmelskörper wieder ähnlich nahe. *fr.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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