Mehr Hurrikane als jemals zuvor

Wetter: „Viele Extrem-Ereignisse“: Experte beobachtet 2020 verheerende Entwicklung

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Das Jahr bringt immer mehr Wetter-Extreme auf der ganzen Welt. Laut einem Experten entstehen einige Fälle per Zufall - er sieht jedoch insgesamt eine verheerende Entwicklung.

Stuttgart - Das Wetter in Deutschland zeigt sich derzeit immer wieder regnerisch. Momentan zieht ein Ex-Hurrikan über das Land, der noch immer eine enorme Zerstörungskraft aufweist. Das Jahr 2020 brachte mit dem Coronavirus nicht nur eine globale Pandemie, sondern auch immer wieder extreme Wetterphänomene.

Laut einem Experten des Norddeutschen Rundfunks (NDR) häufen sich die Wetter-Extreme in diesem Jahr besonders. Einige Fälle sind zwar Zufall, der Experte sieht jedoch eine verheerende Entwicklung - nicht nur beim Wetter in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt.

In der Sendung „Mein Nachmittag“ sprach NDR-Wetterexperte Frank Böttcher über das Wetter in Deutschland und über die Vielzahl an Wetter-Extremen im bisherigen Jahr 2020. Dabei thematisierte er auch den Treibhauseffekt, sagte jedoch, dass nicht alles schlimmer geworden sei.

Wetter in Deutschland noch im Rahmen, aber immer mehr Extreme in Europa

In der NDR-Sendung wurden die verheerenden Stürme in Vietnam als Beispiel für die vielen Wetter-Extreme thematisiert. In Videoaufnahmen sieht man durch heftigen Starkregen überflutete Straßen, weggespülte Häuser und sehr viel Zerstörung durch einen Wirbelsturm. Das stürmische Wetter kostete mindestens 15 Menschen das Leben, mehrere Millionen Haushalte hatten keinen Strom. Die Behörden mussten der Bevölkerung helfen, die durch die Sturmfluten von sauberem Trinkwasser abgeschnitten waren.

Ein weiteres Beispiel für Wetter-Extreme ist die extreme Trockenheit und die dadurch ausgelösten Waldbrände in Kalifornien mit denen die Bevölkerung zu kämpfen hat. „Noch nie zuvor ist eine Fläche dieses Ausmaßes innerhalb einer Season verbrannt“, heißt es in dem Beitrag des NDR. Weil das Wetter anhaltend trocken war, sei zuvor der Norden Kaliforniens von den verheerenden Waldbränden betroffen gewesen, nun breitet sich das Feuer auch im Süden aus. Über 100.000 Menschen mussten nach Angaben des NDR ihre Häuser bereits verlassen.

Wetter-Extreme: Experte beobachtet 2020 verheerende Entwicklung

Doch auch das Wetter in Deutschland und Europa verändert sich. Der Kontinent bleibt von den Wetter-Extremen nicht verschont. Anfang Oktober führte Starkregen in Frankreich und Norditalien zu heftigen Überschwemmungen. Teile der Länder waren durch die Regenfälle regelrecht von der Außenwelt abgeschnitten. In Venedig führte der extreme Regen dazu, dass zum ersten Mal die Wasserschutzanlage „Mose“ aktiviert werden musste. Die 78 Flutbarrieren seien hochgefahren worden, um den historischen Stadtkern vor den Wassermassen zu beschützen. Zudem könnte ein Klima-Phänomen in der Arktis dazu führen, dass der Winter 2020 in Deutschland von mehr Wetter-Extremen gekennzeichnet ist.

Wetter-Extreme: Mehr Hurrikane auf der Nordhalbkugel als jemals zuvor

Auf die Frage, ob die Wetter-Extreme weltweit in Verbindung zueinander stehen, antwortete NDR-Experte Böttcher, dass vieles auch einfach Zufall sei. Jedoch werde die Wetterlage auf der Nordhalbkugel träger (also langsamer) und bliebe dementsprechend auch länger und wiederhole sich häufiger. In Europa sei es aktuell rund zwei Grad wärmer als normal, auch dadurch käme es zu mehr extremen Wetterlagen.

In der NDR-Sendung wird auch die Frage aufgegriffen, ob das häufige Auftreten von Extremen beim Wetter in Deutschland und auf der ganzen Welt mit dem Treibhauseffekt zusammenhänge. „Ja, denn tatsächlich dadurch, dass die Atmosphäre wärmer wird, steigen auch die Wassertemperaturen und dann steigen die Verdunstungsraten“, erklärte Böttcher. „Das hat dazu geführt, dass wir so viele Hurrikane auf der Nordhalbkugel hatten wie niemals zuvor seit Beginn der Wetterbeobachtung - 27 Stück“. Der amerikanische Wetterdienst vergebe 21 Namen für Hurrikane, die sie in einer Season erwarten. „In diesem Jahr mussten sie noch sechs Namen dazu dichten, denn es gab erheblich mehr Hurrikane“, so der NDR-Experte.

Rubriklistenbild: © dpa/Gerald Herbert

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