Zuckerliebende Insekten

Stech-Alarm: Darum gibt es dieses Jahr so viele Wespen in Baden-Württemberg

  • Valentin Betz
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Wespen können das Essen im Freien zur Nervenprobe machen. Wo es Essen gibt, sind die Insekten nicht weit. Diesen Sommer scheint es in Baden-Württemberg besonders viele zu geben - das liegt am Wetter.

  • In Baden-Württemberg scheint es dieses Jahr besonders viele Wespen zu geben, das hat mit dem Wetter zu tun.
  • Bei einem milden Frühling fangen die Insekten früh an, sich zu vermehren - und tun das bei einem trockenen Sommer fleißig weiter.
  • Ob wirklich mehr Wespen das Picknick stören, lässt sich aber kaum genau sagen - Zahlen werden dazu nicht erhoben.

Stuttgart - Nicht gerade viele Menschen sind große Fans von Insekten. Besonders dann nicht, wenn uns diese sogar gefährlich werden könnten. Bill Gates warnte schon 2014 vor einer Bedrohung, die jetzt nach Baden-Württemberg kommt. Die Asiatische Tigermücke vermehrt sich prächtig in künstlichen Wasseransammlungen und kann tödliche Krankheitserreger wie das Dengue-Virus übertragen. Dagegen ist unsere heimische Wespe harmlos - auch wenn ihre Stiche ganz schön schmerzhaft sein können.

Die Wespe kommt in Baden-Württemberg jedoch wesentlich häufiger vor und stört uns penetrant beim Essen - die fliegenden Insekten lieben unsere zuckerhaltigen Speisen. Auch Fleisch schmeckt ihnen. Dabei wiederholt sich so ziemlich jeden Sommer dasselbe Schauspiel: Wir haben mal wieder das Gefühl, dass es dieses Jahr so viele Wespen sind wie noch nie. Ob das wirklich stimmt, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen, denn es hat auch viel mit unserer Wahrnehmung zu tun.

Wespen in Baden-Württemberg: Gibt es in diesem Sommer wirklich mehr der Insekten?

„Das Wespenaufkommen ist regional sehr unterschiedlich und hängt stark vom Wetter ab“, erklärt Lilith Stelzner vom BUND Baden-Württemberg gegenüber BW24. „Wenn der Frühling sehr mild und trocken ist, fangen die Königinnen schon früher an ihr Nest zu bauen.“ Wenn dann noch ein Sommer folgt, wie wir ihn jetzt gerade erleben, kann sich der Wespenstaat hervorragend vermehren. Eine genaue Zahl der Wespen lässt sich allerdings nur schwer bestimmen. „Die Anzahl von Wespenvölkern und die Gesamtzahl der Wespen in Baden-Württemberg werden nicht systematisch erhoben“, so Matthias Schmid vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft auf Anfrage von BW24.

Kupfermünzen schrecken Wespen nicht ab

Das Wetter beeinträchtigt allerdings noch einen weiteren Faktor, der sich auf die Anzahl der Wespen auswirkt: unsere Wahrnehmung. Denn dass wir jedes Jahr aufs neue das Gefühl haben, beim Essen von ganzen Wespen-Scharen belästigt zu werden, hat vor allem mit subjektiven Eindrücken zu tun. „Bei gutem Wetter verbringen wir mehr Freizeit im Freien und kommen damit automatisch stärker mit Wespen in Kontakt“, erklärt Matthias Schmid. Der vermehrte Kontakt kommt aber nicht nur durch unser Sonnenanbeten zustande, sondern auch, weil nur wenige Pflanzen blühen und die Wespen dadurch kaum Nektar finden. „Um aber an ausreichend Zucker heranzukommen, stürzen sie sich dann auf unsere Süßspeisen“, so Lilith Stelzner vom BUND.

Zuckerliebende Insekten: Nicht alle Wespen fahren auf unsere Süßspeisen ab

Wespen, die sich auf unseren gedeckten Tisch stürzen, machen übrigens nur einen kleinen Teil der Arten in Deutschland aus. „Normalerweise trauen sich nur zwei der sechzehn heimischen Wespenarten an unsere gedeckten Tische, nämlich die Gewöhnliche Wespe und die Deutsche Wespe“, so Lilith Stelzner. Die übrigen vierzehn Arten schwärmen eher für Fliegen, Mücken, Raupen, Motten oder Spinnen - und erfüllen damit eine wichtige Funktion im Ökosystem. „Ein Wespenstaat kann bis zu zwei Kilogramm Insekten pro Tag vertilgen, zum Beispiel Blattläuse", erklärt Lilith Stelzner.

Das beste Mittel gegen Wespen am Tisch ist übrigens immer noch, Süßspeisen abzudecken. Kaffee anzuzünden oder Kupfermünzen auszulegen hilft dagegen nichts - beides ist ein wirkungsloser Mythos. Was allerdings helfen könnte, ist ein Hornissennest in der Nähe, „denn Hornissen sind die natürlichen Feinde der Wespen“. Ob einen diese Nachbarschaft allerdings glücklicher macht, ist eine andere Frage.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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