Stuttgart

Weihnachtsmarkt abgesagt: Stimmung bei Budenbesitzern im Keller - „Gemeinderat hat keine Eier“

Der Weihnachtsmarkt in Stuttgart wird kurz vor Eröffnung abgesagt und abgebaut.
+
Der Weihnachtsmarkt in Stuttgart wurde abgesagt. Die Budenbesitzer müssen wieder einpacken.
  • VonNadja Pohr
    schließen

Zwei Tage vor der Eröffnung wurde der Weihnachtsmarkt in Stuttgart doch noch abgesagt. Bei den Beschickern ist die Stimmung gereizt, viele sind wütend.

Stuttgart – Die Lichterketten werden arglos heruntergerissen, die Deko auf einen Haufen geworfen und die Ware wieder eingepackt. Zwei Tage vor der Eröffnung fasste die Landeshauptstadt den Beschluss: Der Weihnachtsmarkt in Stuttgart ist abgesagt. Er darf trotz bisher geplantem „2G plus“-Konzept nicht stattfinden. Start sollte eigentlich am 24. November sein. Viele Stände waren bereits aufgebaut, die Waren verräumt. Die Stimmung der Beschicker ist im Keller.

Bereits im Vorfeld sagten reihenweise Budenbesitzer ihre Teilnahme am Weihnachtsmarkt in Stuttgart ab. Die dann noch übrigen 190 Betreiber können jetzt ihre Enttäuschung, Unverständnis und Wut oft gar nicht in Worte fassen - oder wollen es nicht mehr. Der Schock sitzt tief. Das zweite Jahr in Folge fällt der Weihnachtsmarkt dem Coronavirus in Baden-Württemberg zum Opfer.

Budenbesitzer auf Stuttgarter Weihnachtsmarkt wettert: „Gemeinderat hat keine Eier“

„Das kommt davon, wenn der Gemeinderat keine Eier hat“, wettert ein Budenbesitzer, der lieber nicht mit vollem Namen genannt werden will, während er seine Krippenfiguren in die Kisten zurückpackt. „Die meinen, da kommen jetzt vier Millionen Menschen nach Stuttgart, nur weil woanders keine Weihnachtsmärkte stattfinden.“

Er habe gehofft, dass der Markt wenigstens bis Mitte Dezember stattfinden wird. Jetzt wünsche er sich vor allem erneute finanzielle Unterstützung vom Land: „Ich habe 20.000 Euro für meine Ware ausgegeben, die ich bis nächstes Jahr nicht verkaufen werden kann“, ärgert er sich.

Abgesagter Weihnachtsmarkt: Lebensmittel müssen weggeworfen werden

Auch Siegfried Klein bleibt nun auf seinen Kosten und seiner Ware sitzen. „Es ist einfach eine Katastrophe“, sagt er im Gespräch mit BW24. Seit 50 Jahren betreibt Klein auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt seinen Gewürzstand. Seine Frau in der Bude direkt nebenan bietet Pralinen und andere Süßwaren an. „Die Pralinen und die Schokolade können wir jetzt alle wegschmeißen“, schimpft er. Bis zum nächsten Jahr halten sie sich nicht.

Klein musste, wie viele andere, auch in Vorleistung gehen, dementsprechend seien die Sorgen groß. Nachdem die Eheleute von der Absage erfahren hatten, war die Nacht kurz, wie sie sagen: „Wir haben vielleicht eine Stunde geschlafen.“

Weihnachtsmarkt Stuttgart: Zahlreiche Stände waren bereits aufgebaut

In der vergangenen Woche begannen in der Innenstadt bereits die ersten Aufbauarbeiten, seit dem arbeiteten die Budenbesitzer an ihren Ständen. „Wir haben Samstag früh angefangen aufzubauen und bis Mitternacht gearbeitet“, erzählt Necat Avce, der selbstgemachte Tischdecken auf dem Weihnachtsmarkt verkauft. „Wir haben viel gearbeitet und jetzt sowas. Ich kann es einfach nicht verstehen.“

„Ohne Worte“ sind auch zwei Mitarbeiter eines Standes ein paar Meter weiter. Sie haben den Holzwarenstand von Richard Höfer erst gestern aufgebaut, kurz bevor die offizielle Absage kam – und müssen ihn heute wieder abbauen. Kiste für Kiste schleppen sie die Produkte wieder in ihren Transporter. Wie ihnen ergeht es womöglich noch anderen Beschickern in Baden-Württemberg. Immer wieder werden Weihnachtsmärkte derzeit kurzfristig abgesagt. Die Wut und die Enttäuschung sitzen bei vielen tief.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare