Leise Sirenen, keine Warnung durch App

„Wir werden alle sterben“: Warntag ein Flopp - und Twitter-Nutzer reagieren hämisch

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Auf Twitter reagierten die Nutzer hämisch auf den Warntag.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Am Donnerstagmittag sollten überall in Deutschland Sirenen erklingen, um den Ernstfall zu proben. Blöd nur, dass viele davon gar nichts mitbekamen. Das Netz nahm es mit Humor.

Stuttgart - Seit Tagen wurde er groß angekündigt: der bundesweite Warntag. Von lauten Sirenen war die Rede gewesen, von Durchsagen durch Lautsprecher - und dass die Bevölkerung mithilfe der Warn-App NINA alarmiert werden würde. Xavier Naidoo hatte bereits bizarre Theorien über den Warntag verbreitet, derer nach die Frequenzen der Sirenen dazu führen, die „Urangst der Menschen hervorrufen“.

Als es dann am Donnerstag um 11 Uhr soweit war, wartete auch die Redaktion von BW24 in Stuttgart gespannt auf den großen Alarm - der dann jedoch leider ausblieb. Nur wenn man genau hinhörte, vernahm man weit entfernt für kurze Zeit einen leisen Heulton. Ein Blick auf Social Media zeigt, dass nicht nur die Menschen in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg Schwierigkeiten hatten, die Sirenen zu hören.

Warntag 2020: Hämische Reaktionen auf Twitter - könnte Xavier Naido Schuld am Flopp haben?

„Stille“, kommentiert ein Twitterer aus Stuttgart nüchtern. Ein anderer kommentiert enttäuscht aus der Landeshauptstadt: „Keine Sirene. Nicht mal die NINA-App warnte. Dabei hab ich quasi wie an Silvester hier runtergezählt. SAD! Ich schätze, wir werden alle sterben.“

Aber: „Zumindest die Kirchenglocken funktionieren“, macht sich ein weiterer User auf Twitter über den Warntag in der Kesselstadt lustig. Ebenfalls aus Stuttgart schreibt ein Kommentator hämisch: „Der Warntag 2020 in Stuttgart war ein voller Erfolg. War noch nie so still hier. Nichtmal Sirenen konnte man hören“.

„Ob man beim Warntag 2020 zum Ergebnis kommen wird, dass man die Sirenen aus Kaisers Zeiten auch nach der Wiedervereinigung hätte regelmäßig warten müssen, damit sie weiterhin funktionieren? In Stuttgart-Ost war jedenfalls vom Warntag absolut nichts zu hören oder sehen…“

Tweet vom 10.09.2020 zum Warntag

Doch nicht nur in Stuttgart scheint die Bevölkerung im Ernstfall höchstens sporadisch über eine Notlage informiert werden zu können - zumindest, wenn sie mittels der am Warntag eingesetzten Sirenen darauf hingewiesen werden soll. „Wenn Deutschland eines kann, dann ist es, sich zum Deppen zu machen“, heißt es in einem Tweet, nachdem sich zeigt, dass die Sirenen mutmaßlich überall in der Bundesrepublik zu leise waren. „Okay die Russen wären jetzt wohl da, gewarnt wurde irgendwie nicht so richtig. Tolle Wurst“, äußerst ein anderer Twitterer seine Befürchtungen.

„Nicht mal mehr auf die Apokalypse ist Verlass. NINA meldet sich nicht, hier im Norden von Braunschweig kriegt man auch nichts mit. Vereinzelt im TV ist ein Laufband im aktuellen Programm mit Hinweis auf den #Warntag2020“, beschreibt ein Twitterer aus Niedersachen enttäuscht seine Erfahrungen. Ein anderer mutmaßt: „Hat man die Sirenen bei einem 1€-Laden gekauft oder warum war das so ne lasche Nummer? Da ist ja selbst der tägliche Straßenverkehr lauter“. Einen ironisch gemeinten Besserungsvorschlag für den nächsten Warntag bietet unter anderem dieser Tweet: „Ein reitender Bote hätte es wahrscheinlich besser gemacht.“

„Warntag 2020 oder wie ich es nenne: Donnerstag.“

Tweet vom 10.09.2020 zum Warntag

Andere Nutzer von Social Media versuchen das Positive im gefloppten Warntag zu sehen: „Nach Jahrzehnten Stillstand kann man leider nicht mehr erwarten. Zum Glück kam jemand auf die Idee, das Ganze mal zu testen. Nächstes Mal haben alle was gelernt und es wird bestimmt besser“, heißt es in einem Tweet.

„Schon vorbei? Ich hab nix gehört. Bitte sagt mir im Falle einer Zombieapokalypse unbedingt Bescheid! Nicht, dass ich die auch verpasse“.

Tweet vom 10.09.2020 zum Warntag

Eine andere Userin hält eine Informationsübermittlung mithilfe von Sirenen und Lautsprechern für nicht mehr zeitgemäß und fühlt sich durch den gefloppten Warntag bestätigt: „Es hat seine Vorteile, jahrelang bei Twitter zu sein. Heute der Beweis, dass wir durch Twitter schneller über Katastrophen und Ereignisse live durch andere Menschen gewarnt und informiert werden, als durch ne (defekte?) Sirene oder die Polizei eine Straße weiter“. Dieser Meinung sind auch viele andere: „Im Katastrophenfall ist Twitter verlässlicher als Sirenen und Warn-Apps“.

Irre Vermutung auf Twitter: Hat Xavier Naidoo etwas damit zu tun, dass der Warntag ein Flopp wurde?

„Aber man sieht, dieser Warntag war eine gute Sache, denn er zeigt auf, was da für eine große Baustelle noch herrscht. Alternative Erklärung wäre, dass der Schutzschild durch Meditieren von Xavier Naidoo und seinen Jüngern stärker war als die staatliche Gehirnwäsche von Gates“.

Tweet vom 10.09.2020 zum Warntag

Ob Xavier Naidoo auch so enttäuscht vom Warntag 2020 war wie die vielen User auf Social Media, ist unklar. Bislang hat sich der Verschwörungstheoretiker nicht dazu geäußert. Eine Userin fragt sich in einem Tweet jedoch zurecht: „Meditiert Xavier Naidoo noch?“. Ein anderer hat sogar die Vermutung, dass die Sirenen nur wegen des Verschwörungstheoretikers so leise waren: „Okay, okay. Was ist wenn Xavier Naidoo und Hildmann den Warntag einfach wegmeditiert haben?“

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