Kunden fühlen sich genötigt

„Das ist Erpressung“: Volksbank-Kunden entsetzt über fragwürdigen Brief

Links: Passanten vor einer Volksbank-Filiale, rechts: Auszug aus einem Brief der Volksbank.
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Erpresst die Volksbank ihre Kunden? Ein Schreiben lässt vielen Kontoinhabern nur eine Wahl.

Mehrere Volks- und Raiffeisenbanken im Land üben Druck auf ihre Kunden aus: Eine verärgerte Kundin hat sich mit einem Brief an BW24 gewandt.

Stuttgart - Das Angebot klingt zunächst gut, aber beim genauen Lesen wird klar: Hier läuft vieles nicht im Sinne der Kunden. Eine Volksbank-Kundin legte BW24 einen Brief ihrer Bank vor, der sie sauer macht. Das Angebot darin: Treuepunkte sammeln und den Status bei der eigenen Bank verbessern - damit werben Volks- und Raiffeisenbanken für ihr „Hausbankmodell“. Je mehr Treuesterne gesammelt werden, desto besser wird der sogenannte „Hausbankstatus“, heißt es. Dadurch ergäben sich Vorteile, etwa bei Abschlüssen von Versicherungen oder Kreditkarten. Je nach Status könne der Kunde quasi Geld verdienen. Die Kontoführungsgebühren seien häufig wieder reingeholt.

Dieses Angebot hat jedoch einen teuren Haken, der nicht nur die Kundin wütend macht, die lieber anonym bleiben möchte. Immer mehr Kunden in Baden-Württemberg beschweren sich derzeit über das „Hausbankmodell“ der verschiedenen Volksbanken in Stuttgart und Umgebung. Das berichtet unter anderem der Zeitungsverlag Waiblingen (ZVW).

Sauer ist die Frau vor allem deshalb, weil vielen Kunden das neue „Modell“ nun offenbar aufgezwungen wird - mit teuren Folgen. Und das steckt dahinter: Bereits zum 1. Oktober 2020 führten verschiedene Volksbanken das sogenannte „Hausbankmodell“ ein und erhöhten im Zuge dessen auch die Gebühren für die Kunden - allerdings ohne bei diesen eine direkte Einwilligung einzuholen. Wer sein Konto widerspruchslos weiter nutzte, stimmt zu, so die Auffassung des Kreditinstituts. Rund ein Jahr lang wurden so erhöhte Gebühren eingestrichen, bis der Bundesgerichtshof dieses Gebaren jetzt für rechtswidrig erklärte. Kunden müssten den Erhöhungen ausdrücklich zustimmen. Wer also ein Jahr lang höhere Beiträge zahlen musste, ohne vorher zugestimmt zu haben, darf die zu viel gezahlten Gebühren jetzt zurückfordern.

Volksbanken fordern von Kunden, auf Rückzahlungsanspruch zu verzichten

Was für den Einzelnen vielleicht nur ein paar Euro sind, kann für die Bank eine ordentliche Summe an Rückzahlungen ergeben. In Briefen an ihre Kunden fordern unter anderem die Volksbank Stuttgart und die VR-Bank Neckar-Enz eG nun dazu auf, dem „Hausbankmodell“ rückwirkend und für die Zukunft zuzustimmen - und damit auf jegliche Forderung zu verzichten. Die Bank hätte sich so im Nachhinein die Zustimmung des Kunden geholt. Besonders fragwürdig: Wer nicht einwilligt, dem werde leider das Konto gekündigt, heißt es im Brief der Kundin, der BW24 wie erwähnt vorliegt.

Dabei müssen die Kunden, sollten sie überhaupt zustimmen wollen, nun nicht einmal selbst zum Briefkasten laufen und den neuen Vertrag abschicken. Wie die Bank im Brief anmerkt, genüge es schon, zwischen dem 28. August und 9. Dezember 2021 eine einzige Kontobewegung auszuführen. Damit habe man dann automatisch das „Hausbankmodell“ akzeptiert - und auf Rückforderungen verzichtet.

Volksbank: Vorgehen in Teilen rechtswidrig

Dieses Vorgehen, eine Einwilligung allein durch Kontobewegung einzuholen, ist laut Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rechtswidrig, da die Kunden nicht ausdrücklich einwilligen, schreibt der ZVW. Rechtens sei es allerdings, dass die Bank das Konto kündigen kann, sollte der Kunde nicht zustimmen. „Eine Unverschämtheit“, nennt das die Bankkundin aus dem Großraum Stuttgart im Gespräch mit BW24.

Auch sie erhielt, wie viele andere, Ende August den Brief der Bank, in dem sie über das „Hausbankmodell“ informiert wurde, dem sie nun zustimmen soll. Im Schreiben weist die Bank auch auf das Urteil des Bundesgerichtshofs hin, nachdem Gebühren zurückgefordert werden können. Allein, dass der Kunde hier selbst aktiv werden muss, ärgert sie: „Die Bank setzt auf die Bequemlichkeit der Kunden.“ Viele würden das einfach so hinnehmen, ohne ihren Anspruch geltend zu machen, ist sie sich sicher. Dazu kommt: Mit der Zustimmung zum „Hausbankmodell“ wäre das Geld völlig verloren. Bei Nichtzustimmung das Konto weg.

Volksbank-Kundin sauer: „Solch eine Forderung finde ich einfach nur frech“

Bis zum 9. Dezember hat die Kundin Zeit, dem Hausbankmodell zuzustimmen. Wenn sie ihr Konto behalten will, bleibt ihr kaum eine Wahl. „Haben Sie bis zum 9.12.2021 uns gegenüber weder ausdrücklich noch durch die aktive Inanspruchnahme einer der aufgelisteten Dienstleistungen die Zustimmung erklärt, kommen wir leider nicht umhin, den Kontovertrag Ihnen gegenüber mit einer Kündigungsfrist von weiteren zwei Monaten zu kündigen“, heißt es im Schreiben der Volksbank. „Das ist für mich Erpressung“, sagt die Kundin. „Ich bin seit Jahrzehnten treuer Volksbank-Kunde. Solch eine Forderung finde ich einfach nur frech.“ Auf eine Anfrage von BW24 reagierte die Volksbank Stuttgart nicht.

Für die Kundin ist die Aufforderung der Volksbank alles andere als kundenfreundlich. „Dieses Schreiben hat mich dazu veranlasst, darüber nachzudenken, der Bank nach fast 50 Jahren den Rücken zu kehren“, sagt sie weiter. Sie suche nun nach einer neuen Bank. Und auch wenn es bei der Rückerstattung nicht um viel Geld geht, gehe es für sie ums Prinzip. „Erpressen lasse ich mich nicht.“

Zahlreiche Banken erhöhen die Gebühren

Viele Banken schrauben zudem an den Kontogebühren. Auch diese findet die Bank-Kundin nicht gerechtfertigt. Bei ihrem Online-Konto verwaltet sie alle Bankbewegungen selbst. Konten sollten ihrer Meinung nach somit günstiger und nicht teurer werden. „So treibt man die treuen Kunden in die Hände der Onlinebanken“, findet sie. Zudem setzen Banken vermehrt auf Kartenzahlung. Banken in Baden-Württemberg etwa schaffen immer mehr Geldautomaten ab.

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