Ansteckungsgefahr für Menschen

Vogelgrippe in 15 Landkreisen in BW: Wie gefährlich ist das Virus für Menschen?

Ein Mann in gelber Schutzkleidung trägt einen toten Vogel.
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Menschen, die mit toten Vögeln in Kontakt kommen, sollten angemessene Schutzkleidung tragen.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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In mehreren Geflügelbetrieben in ganz Baden-Württemberg ist vermutlich die Vogelgrippe ausgebrochen. Viele Tiere mussten bereits getötet werden. Wie gefährlich ist das Virus für Menschen?

Stuttgart/Ludwigsburg - Für viele Menschen gehört zum Frühstück ein Ei dazu - egal ob gekocht, gerührt oder als Spiegelei. Die meisten Eier, die man im Supermarkt kaufen kann, kommen aus großen Geflügelbetrieben, in denen die Hennen auf engstem Raum leben müssen.

Oft kommt es in solchen Anlagen zu Krankheiten, die sich aufgrund eingeschränkter Bewegungsfreiheit oder mangelnder Hygiene schnell ausbreiten. Dazu zählt die Vogelgrippe, die auch als Geflügelpest bekannt ist. Das Virus wurde das erste Mal 1878 im italienischen Piemont entdeckt. Seit 1959 sind zahlreiche Ausbrüche bekannt geworden - unter anderem in Deutschland.

Vogelgrippe in Baden-Württemberg: 50 Betriebe betroffen

Nachdem vor ein paar Wochen in mehreren Betrieben in Nordrhein-Westfalen der hochansteckende Vogelgrippe-Erreger H5N8 festgestellt worden war, scheint die Seuche nun wieder in den Südwesten vorzudringen. Erst im Dezember vergangenen Jahres erreichte die Geflügelpest Baden-Württemberg.

Wie mehrere Medien berichten, darunter der SWR und die Stuttgarter Zeitung, sind wohl 15 Landkreise im ganzen Bundesland betroffen. Laut Agrarminister Peter Hauk (CDU) soll es Fälle in knapp 50 Betrieben geben. Dort sollen sowohl bereits tote Vögel als auch Tiere mit typischen Symptomen der Grippe gefunden worden sein. Zu den Symptomen einer Vogelgrippe beim Huhn zählen die verminderte Legeleistung, entzündete Atemwege sowie Fressunlust, wässriger Durchfall oder Schwellungen an Kropf, Kamm und Gliedmaßen.

Das Töten der Tiere ist eine Vorsichtsmaßnahme gegen die Vogelgrippe in Baden-Württemberg

Bei der Vogelgrippe in Baden-Württemberg gibt es 50 Betriebe mit Verdachtsfällen* - mit schrecklichen Konsequenzen: Da sich die Vogelgrippe schnell verbreiten kann, wurden in bisher allen möglicherweise betroffenen Betrieben, die Vögel getötet und die Ställe desinfiziert. Das sei laut Experten eine Vorsichtsmaßnahme, um die Verbreitung des Virus zu verhindern oder zumindest einzudämmen. Im Umkreis von mindestens drei Kilometern müssen sämtliche Nutztiere in den Ställen bleiben, damit diese sich nicht mit dem Erreger H5N8 infizieren.

Ein Schild mit dem Schriftzug „Geflügelpest“ hängt an einem Zaun eines Geflügelmastbetriebes.

Vor allem Vogelbetriebe in Südbaden in einem Gebiet von Emmendingen bis Konstanz, aber auch eine Region entlang von Neckar und Alb sowie dem Main-Tauber-Kreis sind laut SWR-Informationen von der Geflügelpest betroffen. Erst kürzlich wurden Bauern in Baden-Württemberg mit einer Seuche konfrontiert: der afrikanischen Schweinepest.

Auch in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Ludwigsburg, in der Nähe der Landeshauptstadt Stuttgart, wurden 180 Legehennen am Mittwoch getötet. Die Stuttgarter Zeitung zitiert das Landratsamt Ludwigsburg: Die Entscheidung, die Tiere zu töten und die Kadaver zu entsorgen, sei „aus seuchenhygienischen und tierschutzrechtlichen Gründen“ getroffen worden.

Geflügelpest: In Ludwigsburg wurden 180 Hennen aus „tierschutzrechtlichen Gründen“ getötet

In dem Geflügelbetrieb in Ludwigsburg war am vergangenen Montag ein Test auf den Erreger der Vogelgrippe positiv ausgefallen. „Aufgrund des klinischen Bildes, der Untersuchungsergebnisse und dem Zusammenhang mit der vermutlichen Einschleppungsquelle handelt es sich somit um einen Geflügelpestverdachtsfall“, teilte das Landratsamt Ludwigsburg mit. Momentan warte man noch auf die Bestätigung des Ergebnisses sowie auf die Feststellung des Virusstammes. Dem Landratsamt lägen aktuell keine Informationen vor, ob auch weitere Geflügelhaltungen betroffen seien.

Der Erreger der Geflügelpest in Baden-Württemberg scheint bekannt zu sein. Der SWR schreibt, es handle sich um einen Betrieb aus Paderborn, der Junghennen in den Südwesten liefert. In zwei weiteren Fällen gehe es jedoch um Junghennen aus Tschechien. Seit Herbst 2020 grassiert eine Welle des hochansteckenden Virus H5N8 in 14 deutschen Bundesländern. Wildvögel hatten den Erreger wohl eingeschleppt.

Kann sich die Vogelgrippe auf Menschen übertragen?

Für andere Tiere wie Katzen und Hunde ist die Vogelgrippe nicht gefährlich, da eine Übertragung außerhalb von Vogelarten wohl nicht stattfindet. Vereinzelt kann es jedoch dazu kommen, dass sich ein Mensch mit dem Virus ansteckt. Tritt die Vogelgrippe in einem Geflügelbetrieb auf, sind in erster Linie Beschäftigte und Tierärzte der Betriebe gefährdet. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts müssen sie sich entsprechend der Vorgaben des Arbeitsschutzes schützen. Für die breite Bevölkerung wird kein Risiko gesehen.

Im Jahr 2005 breitete sich die Vogelgrippe massiv von Asien nach Osteuropa aus. Seitdem sind 862 Menschen an dem Virus erkrankt. Die Sterberate unter den Infizierten ist hoch: 455 Menschen, darunter auch viele Kinder, sind bisher an der Vogelgrippe des Virus H5N1 gestorben. Es ist nicht vorherzusagen, ob sich das Virus der Vogelgrippe so verändern kann, dass es von Mensch zu Mensch übertragbar ist. In Südostasien und in China haben sich Menschen zwar bei Vögeln angesteckt, aber keine anderen Menschen infiziert. Was das Virus H5N8 betrifft, das momentan in Deutschland grassiert, gehen Experten nicht von einer Gefährdung für den Menschen aus. *Echo24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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