Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz

Baden-Württemberg testet legale Cannabis-Produkte und kommt zu fatalem Ergebnis

  • Anna-Lena Schüchtle
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Mehr als die Hälfte der legal verkauften Cannabis-Produkte sind eigentlich nicht zulässig. Das fand die Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg heraus. Die Ergebnisse stellte sie in ihrem Jahresbericht vor.

  • Cannabis als Rauschmittel in in Deutschland verboten. Es gibt jedoch legale Hanf-Produkte, die einen bestimmten THC-Gehalt nicht überschreiten.
  • Die Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg testete 49 legale Hanf-Produkte. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde beanstandet.
  • Der Verbraucherschutz kritisierte zudem, dass die Kennzeichnung „THC-frei" bei zahlreichen Produkten eine Irreführung sei.

Stuttgart - In Baden-Württemberg kommt es immer wieder zu Verhaftungen aufgrund von Drogendelikten. Mitte Juni ereignete sich beispielsweise in der Landeshauptstadt Stuttgart eine Großrazzia, bei der die Polizei einen Rauschgiftring aufdeckte. Die Großfamilie soll eine Maschinerie des Verbrechens betrieben haben. Zu ihrer Hierarchie gehörten auch Minderjährige.

In vielen Fällen entdeckt die Polizei neben anderen Drogen bei den Verdächtigen auch Cannabis als Rauschmittel. Bei der Wohnungsdurchsuchung einer 17-Jährigen in Stuttgart wurden beispielsweise neben Amphetaminen, MDMA, Kokain auch mehrere hundert Gramm Marihuana gefunden. Unter Marihuana versteht man die getrockneten, harzhaltigen Blüten der weiblichen Hanfpflanze Cannabis sativa.

Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg beanstandet mehr als die Hälfte aller getesteter legaler Hanf-Produkte

Die Herstellung von Cannabis als Rauschmittel ist in Deutschland verboten. (Symbolbild)

Die psychoaktive Rauschwirkung beim Konsum von Marihuana wird durch das enthaltene Tetrahydrocannabinol (THC) hervorgerufen. Mittlerweile gibt es auf dem Markt jedoch auch viele Hanf-Produkte, die nur wenig oder gar kein THC enthalten. Diese reichen von Backwaren, Süßigkeiten und Getränken bis hin zu Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetik-Produkten wie etwa Hanfsamenöl. Erlaubt ist bei diesen ein THC-Gehalt von höchstens 0,2 Prozent. An diesen Höchstwert scheinen sich jedoch laut Verbraucherschutz in Baden-Württemberg nicht alle Produzenten zu halten.

In ihrem Jahresbericht veröffentlicht die Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg die Ergebnisse einer Produktkontrolle, bei der 49 Hanf- oder CBD-Proben vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe (CVUA) untersucht wurden. Bei CBD handelt es sich um den nicht-psychoaktiven Wirkstoff Cannabinoid Cannabidiol. Dieser soll die Gesundheit positiv beeinflussen, womit ein Großteil der Hanf-Produkte beworben wird.

„Alle in Baden-Württemberg als Nahrungsergänzungsmittel angezeigten CBD-Produkte sowie alle verfügbaren CBD-Produkte im Lager eines großen Internethändlers wurden gezielt beprobt“, heißt es in dem Bericht. Insgesamt 17 von den 49 getesteten Hanf-Produkten ordnete das CVUA als „ungeeignet für den Verzehr durch den Menschen“ ein. Weitere elf seien „aufgrund der Überschreitung toxikologischer Grenzwerte“ sogar gesundheitsschädlich. Damit beanstandet das Amt mehr als jedes zweite getestete Cannabis-Produkt: „Diese sind somit generell als Lebensmittel nicht verkehrsfähig“.

Der Verbraucherschutz kritisierte zudem 32 Produkte, die mit der Kennzeichnung „THC-frei“ in den Verkauf gebracht wurden, da diese sehr wohl THC enthalten - wenn auch in kleinen Mengen. Als Grundlage dafür würden die Hersteller oftmals die zulässige Grenze von 0,2 Prozent heranziehen. Bei CBD-Ölen geht der Verbraucherschutz sogar davon aus, dass nicht CBD der eigentliche Wirkstoff bei diesen Produkten sei, sondern das versteckt applizierte THC. „Die Bewerbung von CBD-Ölen mit dem Werbeslogan „THC-frei“ stellt demnach eine erhebliche Täuschung und Irreführung der Verbraucher dar“, stellt der Verbraucherschutz fest.

Cannabis als Rauschmittel ist in Deutschland verboten - daraus machte sich ein Unbekannter in Reutlingen einen Scherz

Die Herstellung, Lagerung, Weitergabe sowie der Handel von Cannabis als Rauschmittel ist laut Betäubungsmittelgesetz in Deutschland verboten. Bei Zuwiderhandlungen macht man sich strafbar. Aus diesem Umstand schien sich jüngst ein Unbekannter in Reutlingen einen Spaß gemacht zu haben. Er pflanzte direkt vor das Revier der Polizei eine Mini-Cannabis-Plantage. Die Beamten merkten wochenlang nichts von der ungewöhnlichen Begrünung ihres Reviers.

Rubriklistenbild: © Harald Tittel

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