Moderner Tante-Emma-Laden

Der Beweis, dass es auch „Ohne PlaPla“ geht: der Unverpackt-Drogerieladen in Stuttgart

Hergen Blase, Besitzer des Unverpacktladens „Ohne PlaPla“ in seinem Ludwigsburger Geschäft
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Ein Laden mit Philosophie: Hergen Blase in seinem Geschäft in Ludwigsburg.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Mitten in der Pandemie eröffnete Hergen Blase einen Unverpackt-Drogerieladen in Stuttgart. BW24 hat mit dem Ludwigsbuger über seine Liebe zur Nachhaltigkeit gesprochen.

Stuttgart - Unglaubliche 33 Kilogramm Verpackungsabfall aus Plastik entstehen pro Kopf jedes Jahr in der EU. Deutschland liegt im Schnitt sogar darüber: 39 Kilogramm fallen hierzulande pro Person an. Dass Plastik nicht nur Gift für die Umwelt, sondern auch für unseren Körper ist, ist schon länger bekannt. Um gegen das Problem vorzugehen, erlässt die Regierung stetig neue Gesetze: Seit 2022 dürfen in Deutschland etwa keine Plastiktüten mehr verkauft werden, auch Strohhalme sind tabu.

Ein Schritt in die richtige Richtung. Auch Verbraucher achten inzwischen verstärkt darauf, was sie einkaufen und wie viel Müll dabei anfällt. Ein kurzzeitiger Trend oder doch für die Ewigkeit? Hergen Blase, Besitzer der Unverpackt-Drogerie „Ohne PlaPla“ in der Landeshauptstadt Stuttgart, ist überzeugt: „Ich gehe davon aus, dass der Trend länger bleibt.“ Mit seinen Läden in Ludwigsburg und Stuttgart will er einen Beitrag dazu leisten, Verbraucher für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. BW24 hat mit Hergen Blase über sein Ladenkonzept und seine Vision gesprochen.

Ein Konzept, das ankommt: Auf Unverpackt-Lebensmittelladen folgt plastikfreie Drogerie

Der Unterschied zu einer herkömmlichen Drogerie könnte nicht größer sein: Die Produkte stehen übersichtlich in kleinen Mengen in den Regalen. Der Raum wirkt freundlich, fast schon heimisch. Das war Hergen Blase sowohl bei der Gestaltung seines Unverpackt-Lebensmittelladens in Ludwigsburg, als auch in der plastikfreien Drogerie in Stuttgart besonders wichtig. „Ich glaube einfach, dass wir die breite Bevölkerung mit dem Thema ansprechen müssen. Wenn das Einkaufsflair und die Atmosphäre stimmen und sich jeder wohl und willkommen fühlt, dann kann man viel mehr Leute für dieses Thema abholen“, sagt er.

Unsere Kundschaft ist breit gefächert.

Hergen Blase, Gründer und Besitzer von „Ohne PlaPla“

2019 eröffnete der Ludwigsburger seinen Unverpackt-Lebensmittelladen „Ohne PlaPla“ in der Innenstadt. Im Oktober 2020 folgte eine plastikfreie Drogerie in der Stuttgarter Fürstenstraße am Königsbau. Geplant war Letztere nicht, sondern entstand aus dem Zufall heraus. Das Fair-Trade-Bekleidungsgeschäft „Greenality“ suchte einen Partner für ein frei stehendes Ladengeschäft.

Nachdem die Fläche für einen Lebensmittelladen jedoch zu klein war, entstand die Idee, dort einen Unverpackt-Drogeriemarkt zu eröffnen. „Das passt. Wir haben schließlich gleiche Kundschaft mit ähnlichen Interessen“, erklärt Hergen Blase.

Von jung bis alt kauft alles im „Ohne PlaPla“ ein

Inzwischen haben seine „Ohne PlaPla“-Läden eine Stammkundschaft aufgebaut. Und das trotz Corona. Hergen Blase ist dankbar für seine treuen Kunden, denn wie viele andere Läden hatte auch er es mit seinen Geschäften in der Pandemie nicht leicht. „Es ist ein Auf und Ab. Je nach Situation spüren wir das schon deutlich“, sagt er.

Umso schöner ist es für den Geschäftsmann aus Baden-Württemberg zu sehen, dass nach und nach die Kunden wieder zurückkehren. Von jung bis alt sei da alles dabei. „Unsere Kundschaft ist breit gefächert“, erzählt der Ladenbesitzer. „Neben Familien mit Kindern, Studenten und Jugendlichen kommen auch viele Rentner und ältere Leute, die ihren Tante-Emma-Laden wieder bei uns entdecken und hier auch Ansprache finden.“

Im „Ohne PlaPla“ kommen die Produkte ganz ohne Plastikverpackung aus. Vieles kann auch in mitgebrachte Behältnisse abgefüllt werden.

Bevor Hergen Blase seine Berufung fand, arbeitete er beim Supermarktriesen Kaufland im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit. 2018 kündigte er dort. „Als es mit Kaufland auseinander ging, war die Überlegung: Was möchte ich für mich Sinnvolles tun?“, erzählt er. „Bei Kaufland konnte ich lange und viel im Thema Nachhaltigkeit vorantreiben. Aber in solch einem großen Konzern und Wirtschaftsunternehmen sind einem natürlich auch Grenzen gesetzt. Ich wollte einfach mehr machen und auch weiter im Lebensmittelmarkt im Thema Nachhaltigkeit etwas voranbringen.“ Als er sich 2019 dazu entschied, einen Unverpacktladen zu eröffnen, stand auch seine Familie hinter ihm.

Festes Shampoo, Zahnpasta im Pfandglas und Rasierhobel: „Viele Produkte sind sparsamer“

Bereut hat er seine Entscheidung nie. Mit der Drogerie in Stuttgart hat Hergen Blase seine Philosophie noch einen Schritt weiter vorangebracht. Neben festem Shampoo, Duschseifen, Bodylotion, Cremes, Rasierartikeln und Produkten für die Zahnpflege gibt es auch Badezusätze, Lippenstifte und vieles mehr. „Es ist nahezu alles da, wie in einem herkömmlichen Drogeriemarkt auch. Nur eben ohne Plastik“, sagt Hergen Blase. Vieles kann von den Kunden auch in mitgebrachte Behälter abgefüllt werden, etwa flüssiges Shampoo oder Bodylotion. Andere Artikel gibt es in Pfandgläsern, die beim nächsten Einkauf getauscht werden können.

Ein besonderer Renner der Drogerie: Die „Duschbrocken“. Das Start-up aus Stuttgart stellte seine feste Duschseife in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ vor. „Die Duschbrocken werden in Massen nachgefragt“, freut sich Hergen Blase. Ebenfalls bei Kunden beliebt: Zahnpasta im Pfandglas. Den Großteil der Produkte bezieht „Ohne PlaPla“ aus Deutschland, das meiste sogar aus der Region. Einige Produkte stammen auch aus den Niederlanden, die Lippenstifte kommen aus Dänemark. Es sei nicht immer einfach, nachhaltige Produkte aus dem Inland zu finden. „Vor allem Edelstahlprodukte findet man bei uns kaum. Diese kommen dann häufig aus Fernost“, erklärt Hergen Blase mit Blick auf die nachhaltigen Rasierhobel.

„Ein Renner sind die Duschbrocken“, erzählt Hergen Blase, Besitzer des „Ohne PlaPla“ in Stuttgart.

Schwierigkeiten bereitet es dem Unternehmer auch, Produkte ohne Palmöl für seinen Laden zu finden. Ob sich das auch auf den Preis auswirkt? Nicht zwingend. Je nach Produkt könne man die Preise auch mit Drogerieketten wie dm vergleichen, so der Ludwigsburger. „Viele Produkte sind auch sparsamer, wie etwa festes Shampoo. Oder die Produkte sind konzentrierter, wodurch man nur wenig benötigt. Da sind wir preislich vergleichbar mit ökologischen Produkten aus den Drogerien“, sagt er. Und besser für das Gewissen und die Umwelt ist es allemal.

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