Abschreckung von Tätern

Stuttgarter Schüler erfinden Unterhose gegen Vergewaltigung

Schüler Jana und Fynn stehen vor einer Tafel, an der ihre Erfindung an einer Wäscheleine hängt
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Die Schüler Jana und Fynn stehen mit ihrer Erfindung im Finale von „Jugend gründet“
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Jana Klein und Fynn Bukschat haben einen Slip für Frauen entwickelt, der vor sexuellen Übergriffen schützen soll. Wenn jemand daran reißt, geht ein schriller Alarm los.

Stuttgart - In Großstädten wie der Landeshauptstadt Stuttgart fühlen sich Frauen zu später Stunde nicht immer sicher. So offenbarte erst kürzlich eine Umfrage von mehreren Hundert Schülerinnen, dass junge Mädchen in Stuttgart abends Angst haben. Dabei fürchten sie offenbar vor allem die Begegnung mit Betrunkenen oder die körperliche Belästigung durch Fremde.

Was könnte man tun, um Frauen in solchen Situationen die Furcht zu nehmen? Das haben sich eine Schülerin und ein Schüler der 11. Klasse des Albertus-Magnus Gymnasiums in Stuttgart überlegt - und daraus eine Idee entwickelt, die es mittlerweile in das Finale von „Jugend gründet“ geschafft hat: Um Frauen vor Vergewaltigung zu schützen, haben Jana Klein aus Weinstadt und Fynn Bukschat aus Kernen (Rems-Murr-Kreis) eine spezielle Unterhose mit Alarm erfunden.

Unterhose gegen Vergewaltigung: Täter sollen abgeschreckt, Passanten aufmerksam gemacht werden

„Ich habe eine Doku über eine Vergewaltigung gesehen, die auf offener Straße passiert ist“, sagte Fynn Bukschat gegenüber dem SWR. „Das hat mich so geschockt, dass ich unbedingt etwas für die Sicherheit von Frauen tun wollte.“ Gemeinsam mit seiner Schulkollegin Jana Klein tüftelte er über Monate an der Umsetzung der Unterhose mit Alarm. Das Prinzip: Sobald jemand an dem Slip reißt, geht ein schriller Alarm los. Täter sollen dadurch abgeschreckt, Passanten im Falle eines Übergriffs aufmerksam gemacht werden.

Die beiden Jugendlichen haben bei ihrer Idee eine Marktlücke erkannt. Zwar gebe es auf dem Markt bereits etliche Produkte, die insbesondere Frauen vor Übergriffen schützen sollen - etwa Armbänder oder Taschenalarme, die meist auf Knopfdruck einen Signalton ausstoßen. „Der Nachteil ist, dass sie meistens Zuhause liegen, wenn man sie braucht“, sagte Jana Klein im Interview mit der Stuttgarter Zeitung. „Aber eine Unterhose zieht man eben jeden Tag an und hat sie immer dabei.“

Schüler sammeln über Crowdfunding-Website für die Produktion

Mittels Bändern und Klettverschlüssen werde der Alarm so im Hosenbund befestigt, dass beim normalen An- oder Ausziehen der Unterhose nichts passiere, erklärte Klein der Stuttgarter Zeitung. „Wenn man aber an ihr reißt, ist die Spannung groß genug, um den Alarm auszulösen.“ Über ein Crowdfunding für ihr Projekt sammeln die Jugendlichen aktuell noch Spenden für die erste Produktion, eine geplante Marktforschung im südlichen Afrika sowie einen Gebrauchsmusterschutz.

Mit ihrer wehrhaften Unterhose stehen die Schüler nun im Finale des bundesweiten Wettbewerbs „Jugend gründet“, das am 16. Juni ausgetragen wird. Der Wettbewerb wird seit 2003 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und vom Steinbeis Innovationszentrum Unternehmensentwicklung an der Hochschule Pforzheim konzipiert und durchgeführt. Auf die besten Teams warten Partner und Sponsoren aus der Wirtschaft.

„Ich habe Freundinnen, die in blöde Situationen gekommen sind“, sagte Jana Klein dem SWR. „Und ich glaube, denen hätte sowas eventuell helfen können.“ Ihr Ziel sei es, die Zahl der jährlichen Vergewaltigungen stark zu reduzieren, heißt es auf ihrer Crowdfunding-Website.

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