Internationale Bauausstellung 2027

Ein hypermodernes Hochhaus soll in Stuttgart entstehen - es ist weltweit das erste seiner Art

Das Experimentalbauwerk der Uni Stuttgart soll durch eine künstliche Muskulatur Wind und sogar Erdbeben trotzen.
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Universität Stuttgart: In Vaihingen entsteht das erste adaptive Hochhaus der Welt.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Auf dem Campus der Universität Stuttgart entsteht aktuell das erste adaptive Hochhaus der Welt. Der Ultraleichtbau soll sogar Erdbeben trotzen. Das Gebäude wird Teil der Internationalen Bauausstellung 2027 in der Landeshauptstadt.

  • Im Jahr 2027 findet in Stuttgart die Internationale Bauausstellung statt. Die Universität Stuttgart nimmt mit einer Weltneuheit teil.
  • Auf dem Campus der Universität im Stadtteil Vaihingen entsteht ein Ultraleichtbau. Das Hochhaus kann als erstes Bauwerk der Welt gezielt und in Echtzeit auf Wind und sogar Erdbeben reagieren.
  • Die Kosten des Projekts trägt zum Teil das Land Baden-Württemberg. Bereits ab dem Frühjahr 2021 sollen Führungen für die Öffentlichkeit möglich sein.

Stuttgart - Die Universität Stuttgart präsentiert im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA’27) eine Weltneuheit. Aktuell entsteht auf dem Campus im Stadtteil Vaihingen der Landeshauptstadt Stuttgart das erste adaptive Hochhaus der Welt. Das Projekt initiierte Professor Werner Sobek im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1244 „Adaptive Hüllen und Strukturen für die gebaute Umwelt von morgen“, wie die Universität in einer Pressemitteilung vom Dienstag angab.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) forderte das Experimentalbauwerk im Großmaßstab. Insgesamt sollen 13 Projekte aus der Region Stuttgart ausgestellt werden. Die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart stellte am Dienstag die ersten Projekte für die Ausstellung vor. Neben dem Beitrag der Universität Stuttgart waren das weitere zwölf Bauvorhaben aus der ganzen Region.

Universität Stuttgart: Experimentalhochhaus kann in Echtzeit auf Wind und Erdbeben reagieren

Laut Angaben der Universität Stuttgart weist das fertige Hochhaus eine Höhe von 36,5 Metern auf. Als weltweit erstes Bauwerk solle es in Echtzeit auf äußere Einwirkungen wie Wind und sogar Erdbeben reagieren können, heißt es in der Pressemitteilung. Eine künstliche Muskulatur (die sogenannte Aktorik) wirkt kurzfristig auftretenden Lasten entgegen. So könne verhindert werden, dass das Gebäude durch beispielsweise Windböen in Schwingungen gerate. Die Aktorik verhindere durch gezielte temporäre Verformungen des Tragwerks außerdem, dass kritische Bauteile durch länger wirkende Lasten übermäßig beansprucht werden.

Universität Stuttgart: Forschung beschäftigt sich mit wichtigen Fragen

Laut der Pressemitteilung der Universität Stuttgart stehe hinter den Forschungen das Ziel, eine Einsparung von Gewicht und damit auch von verbauten Ressourcen zu erreichen. Das sei „eine der großen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit“. Laut der Mitteilung sparen die Forscher bei dem Bau des spektakulären Hochhauses im direkten Vergleich mit einem herkömmlichen Gebäude fast 50 Prozent der Masse ein. Daneben ist der innovative Leichtbau auch gut für die Umwelt. Es fallen 46 Prozent weniger Treibhausgasemissionen an.

Der Sonderforschungsbereich SFB 1244 an der Universität Stuttgart beschäftigt sich daneben mit einer weiteren Frage. Die Frage ziele darauf ab, wie „angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung und schrumpfender Ressourcen künftig mehr Wohnraum mit weniger Material klimaneutral geschaffen werden kann", schreibt die Universität. Insgesamt 14 Institute verschiedener Fachbereiche der Universität Stuttgart würden momentan das Potenzial und die Anwendbarkeit von adaptiven Gebäudehüllen und Strukturen im Bauwesen erforschen. Die Institute führen die Forschungen vor dem Hintergrund der maximalen Einsparung von Material- und Energieverbrauch bei gleichzeitiger Steigerung des Nutzerkomforts aus.

Universität Stuttgart: „Schlüsseltechnologie für das Bauwesen des 21. Jahrhunderts“

Prof. Werner Sobek vom Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren der Universität Stuttgart zeigt sich erfreut über die bisherigen Leistungen. „Die Forschungen des SFB 1244 zeigen in beeindruckender Weise, wie wir mit radikal reduziertem Ressourceneinsatz bauen können“, sagt der Sprecher des Forschungsbereichs. „Der Ultraleichtbau ist eine Schlüsseltechnologie für das Bauwesen des 21. Jahrhunderts“. Die Baukosten des Projektes belaufen sich nach Angaben der Universität auf insgesamt zwei Millionen Euro.

Das Projekt wird teilweise vom Land Baden-Württemberg gefördert. Den Hauptanteil von 1,3 Millionen Euro bringt die Uni jedoch selbst auf. Bereits ab dem Frühjahr 2021 kann die Öffentlichkeit den Fortschritt der Baumaßnahmen auf dem Campus in Vaihingen mit eigenen Augen sehen. Dann sollen nämlich regelmäßig Führungen stattfinden. Im Rahmen der Führungen werde auch ein Einblick in die Funktionsweise des adaptiven Bauens und in die sonstigen Arbeiten des interdisziplinären Forscherteams möglich sein, schreibt die Universität Stuttgart in der Pressemitteilung vom Dienstag.

Neben dem Projekt der Universität Stuttgart sind noch 12 weitere aus der Region bestätigt

In Bezug auf die Internationale Bauausstellung 2027 in Stuttgart wählte der Aufsichtsrat insgesamt 13 Projekte aus der ganzen Region aus. Die Ausstellung beinhaltet demnach, neben dem spektakulären Hochhaus der Universität Stuttgart, auch vier weitere Bauprojekte aus der Landeshauptstadt. Zwei weitere Konzepte kommen aus Wendlingen am Neckar und jeweils eines aus Backnang, Böblingen, Nürtingen, Salach, Sindelfingen und Winnenden. Das geht aus einer Pressemitteilung vom Dienstag hervor. Bis zum Präsentationsjahr plant der Aufsichtsrat, weitere Projekte vorzustellen.

Fritz Kuhn (Grüne) der Oberbürgermeister von Stuttgart und Vorsitzender des Aufsichtsrates der IBA’27 ist erfreut über das Engagement der Forscher. ���Mehr als 100 Einreichungen, rund 70 Vorhaben im IBA’27-Netz und nun die ersten 13 offiziellen IBA’27-Projekte“, sagte Kuhn laut der Pressemitteilung. „Wir sind erfreut über die große Resonanz auf die IBA’27 und über ihre Gesamtentwicklung“. Die ausgewählten Projekte hätten den Aufsichtsrat überzeugt, denn sie brächten alle Voraussetzungen für IBA-Projekte mit. Sie seien ökologisch, sozial, ökonomisch und baukulturell vorbildlich, so Kuhn. Gemeinsam mit dem IBA’27-Team werden sie transparent, partizipativ und auf internationaler Ebene entwickelt. „So entstehen bis zum Präsentationsjahr 2027 ein ambitionierter Städtebau und außergewöhnliche Architektur“. Architektur als Studiengang wird auch an der Universität Stuttgart angeboten. Die Institut befindet sich auf dem Campus Stadtmitte.

Baden-Württemberg und seine Landeshauptstadt Stuttgart sind im Vergleich zu anderen Ländern und Regionen dieser Welt weit weniger gefährdet, von einem Erdbeben in verheerendem Ausmaß erschüttert zu werden. Mitte August sorgte in der Region bei Hechingen im Zollernalbkreis dennoch eine Erschütterung der Erde für Verunsicherung bei einem Teil der Bevölkerung.

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