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Universität Stuttgart bildet neue Astronauten für die ESA aus 

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Von: Julian Baumann

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Die Universität Stuttgart wurde ausgewählt, zukünftige Astronauten für die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) in Raumfahrttechnik auszubilden. Die Vorlesungen werden allerdings nicht in Stuttgart stattfinden.

Stuttgart - Im März 2019 verkündete die Europäische Raumfahrtagentur (ESA), zum ersten Mal seit langer Zeit wieder nach neuen Astronauten zu suchen. Der bekannte Astronaut Alexander Gerst erklärte, welche Fähigkeiten der perfekte Kandidat braucht. Dass das Auswahlverfahren alles andere als einfach ist, weiß der Geophysiker und Vulkanologe aus Künzelsau (Baden-Württemberg) ganz genau. Er hatte sich bei einem Auswahlverfahren der ESA im Jahr 2008 gegen mehr als 8.400 Bewerber durchgesetzt und wurde anschließend als einziger Deutscher zusammen mit sechs anderen zum Astronauten ausgebildet.

Am 23. November hat die ESA fünf Karriere-Astronauten und -Astronautinnen vorgestellt, die sich wie Alexander Gerst einige Jahre zuvor in dem sehr anspruchsvollen Auswahlverfahren durchsetzen konnten und nun für künftige Weltraum-Missionen ausgebildet werden sollten. Das Institut für Raumfahrtsysteme (IRS) der Universität Stuttgart wurde basierend auf der Expertise und der Lehrerfahrung in der Raumfahrttechnik ausgewählt, einen wichtigen Teil der Grundausbildung für die angehenden Astronauten zu übernehmen. Der Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik gehört an der Universität Stuttgart zu einem der beliebtesten.

Universität Stuttgart bildet hochqualifizierte Astronauten für Weltraum-Missionen aus

Den unendliche Geheimnisse versprechenden Weltraum erforschen zu können, wünschen sich wohl viele Menschen. Nur die Wenigsten haben aber wirklich das Zeug zum Astronauten. Die neuen Astronauten der ESA sind dementsprechend hoch qualifiziert. Mit Sophie Adenot, einer Hubschrauber-Pilotin aus Frankreich, dem spanischen Luft- und Raumfahrtingenieur Pablo Álvarez Fernández, der britischen Doktorin der Astronomie Rosemary Coogan, Raphael Liégois, Doktor der Neurowissenschaften aus Belgien und dem schweizerischen Doktor der Medizin Marco Sieber werden fünf Karriere-Astronauten für künftige Missionen ausgebildet. Unter den Reserve-Astronauten sind mit Amelie Schönenwald und Nicola Winter erstmals zwei deutsche Astronautinnen und mit John McFall, der mit 19 Jahren ein Bein verloren hatte, erstmals ein Parastronaut.

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst macht bei einem Außeneinsatz ein Selfie.
Die Universität Stuttgart wird einen Teil der Astronauten-Grundausbildung der ESA übernehmen. An dieser Ausbildung hatte 2009 auch der bekannte deutsche Astronaut Alexander Gerst (Foto) teilgenommen. © ESA/NASA

Obwohl die genannten Personen hoch qualifiziert sind und damit bewiesen haben, dass sie „das Zeug dazu haben“, Astronauten zu werden, wie es in einer Pressemitteilung der Universität Stuttgart heißt, steht das anspruchsvolle „Astronauten-Grundlagentraining“ erst noch bevor. Der Teil des Trainings, der vom IRS übernommen wird, bezieht sich speziell auf die Grundlagen der Raumfahrttechnik. „Während dieses Trainings erhalten die angehenden Astronautinnen und Astronauten einen ersten Einblick in die Raumfahrtsysteme, wobei sie sich zunächst mit der Weltraumumgebung und ihren Auswirkungen befassen“, erklärt Stefanos Fasoulas, geschäftsführender Direktor des IRS.

Astronauten-Grundausbildung: Vorlesungen des Teams der Uni Stuttgart werden wohl in Köln stattfinden

Die Vorlesungen für die neuen Astronauten der ESA werden von erfahrenen Dozenten und Dozentinnen der Universität Stuttgart durchgeführt und befassen sich unter anderem mit der Einführung in die Aerodynamik und mit den benötigen Subsystemen - beispielsweise Energieversorgung, Thermalkontrolle oder Lebenserhaltungssysteme. Zudem werden die Themen Flugdynamik, Steuerung und Navigation abdeckt. Insgesamt bereitet das Team laut der Pressemitteilung 20 Vorlesungen für die angehenden Astronauten vor. Die Vorlesungen werden aber nicht auf dem Campus Vaihingen der Universität Stuttgart stattfinden, in dem das Institut untergebracht ist, sondern aller Voraussicht nach Ende 2023 im Europäischen Astronautenzentrum in Köln.

Auch Alexander Gerst hatte 2009 am Grundlagentraining der ESA teilgenommen. Am 28. Mai 2014 flog er an Bord einer russischen Sojus-Rakete als dritter deutscher Astronaut zum ersten Mal zur Internationalen Raumstation ISS. Bei seiner zweiten Mission ins All übernahm Gerst neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftsastronaut vom 3. Oktober bis zum 20. Dezember auch das Kommando über die Internationale Raumstation. Zum bevorstehenden Jahreswechsel 2022/2023 wird zudem eine Entwicklung von Stuttgarter Studenten auf die ISS geschickt. Die Studentengruppe der Universität Stuttgart hatte einen Wettbewerb der deutschen und luxemburgischen Raumfahrtagentur gewonnen.

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