Zusammenarbeit mit Forschern aus Konstanz

Uni Stuttgart erfindet Material, das verheerende Brandkatastrophen wie in London verhindern könnte

Der brennende und rauchende Grenfell Tower
+
Rauch steigt am 14.06.2017 in London (Großbritannien) aus dem brennenden Grenfell Tower.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
    schließen

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Hausbränden, bei denen die Dämmung unter Verdacht steht, als Brandbeschleuniger gewirkt zu haben. Die Universität Stuttgart hat dafür nun eine Lösung.

  • Forscher der Universität Stuttgart und Konstanz haben jetzt einen Dämmstoff entwickelt, der weder brennbar noch ökologisch umstritten sein soll.
  • Ein Großteil der Fassadendämmung in Deutschland besteht aus leicht brennbaren Dämmstoffen wie Polystyrol.
  • In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Hausbränden, bei denen leicht brennbare Dämmstoffe als Beschleuniger gewirkt haben sollen.

Stuttgart - Der Campus der Universität Stuttgart ist nicht nur aufgrund seines umfangreichen Angebots an Studiengängen über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Auch für die Forschungseinrichtungen wird die Hochschule, deren Institute in Vaihingen, Hohenheim und Stadtmitte angesiedelt sind, geschätzt.

Mit zahlreichen Einzel- und Großforschungsprojekten versteht sich die Universität Stuttgart als Knotenpunkt universitärer, außeruniversitärer und industrieller Forschung. Aktuell entsteht auf dem Campus in Vaihingen beispielsweise ein hypermodernes Hochhaus, welches weltweit das erste seiner Art sein soll.

Universität Stuttgart: Forscher entwickeln neues Dämmmaterial, das verheerende Hausbrände verhindern soll

Derzeit macht die Universität Stuttgart mit einem weiteren zukunftsweisenden Forschungsprojekt von sich reden. In Kooperation mit dem Campus an der Universität Konstanz entwickelten Wissenschaftler ein neues Dämmmaterial, das sowohl im Gebäudebau als auch in Fahrzeugen und Gehäusen für elektronische Geräte zum Einsatz kommen kann. Dabei handelt es sich um einen Mineralkunststoffschaum, der zum einen recyclebar und zum anderen nicht brennbar ist.

„Der Bedarf an Materialien zum Dämmen und Isolieren nimmt zu“, schreibt die Universität Stuttgart in einer Mitteilung zum neuen Dämmstoff, und weiter: „Steigende Energiepreise sowie staatliche Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Vermeidung von klimaschädlichen Treibhausgasen befeuern diese Entwicklung“. Für das Jahr 2025 würde aufgrund dessen ein weltweiter Verbrauch an Dämmstoffen von insgesamt 579 Millionen Kubikmetern erwartet - davon allein in Europa mehr als 200 Millionen.

Von Dämmstoffen gibt es zwar bereits jetzt schon eine Vielzahl, doch gerade bei der Fassadendämmung im Gebäudebau kommen häufig Platten aus brennbaren Stoffen zum Einsatz. Der Hartschaum Expandiertem Polystyrol (EPS), der auch unter dem Namen Styropor bekannt ist, gilt beispielsweise als besonders leicht zu verarbeiten und im Vergleich zu anderen Alternativen wie Steinwolle als kostengünstig. Die Universität Stuttgart weist in ihrer Mitteilung zu ihrem neu entwickelten Dämmstoff jedoch darauf hin, dass EPS auch brennbar ist.

Wegen seiner brennbaren Eigenschaften erlangte Polystyrol als Dämmmaterial bei Fassaden bereits mehrfach zweifelhafte Berühmtheit. Denn: EPS wirkt gewissermaßen wie ein Brandbeschleuniger - ein kleines Feuer kann schon genügen, damit die ganze Fassade eines Gebäudes in Flammen aufgeht. Gleich mehrere Großbrände der jüngeren Vergangenheit stehen im Verdacht, „dass sich das Feuer unter anderem aufgrund der Fassadendämmung in wenigen Minuten massiv ausbreiten konnte“, erklärt die Universität Stuttgart in ihrer Mitteilung. Bekanntestes Beispiel, das in diesem Zusammenhang erwähnt wird, ist der verheerende Brand des Grenfell Towers im Jahr 2017.

Forscher entwickeln an der Univeristät Stuttgart neues Dämmmaterial, das nicht brennen soll

Der neu entwickelte Mineralkunststoffschaum der Universität Stuttgart und Konstanz hat neben seinen nicht brennbaren Eigenschaften jedoch noch einen weiteren Vorteil im Vergleich zu Kunststoffschäumen wie Polystyrol. Denn diese seien „auch ökologisch umstritten, da sie auf der Basis von Erdöl hergestellt werden, biologisch nicht abbaubar sind und nur mit großem Energieaufwand recycelt werden können“, heißt es in der Mitteilung. Das neue Dämmmaterial soll dagegen keinen dieser Nachteile haben. Der Mineralkunststoff wird derzeit zum Patent angemeldet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare