Klausur unter Pandemiebedingungen

„Es ist gespenstisch“: Wie in Zeiten von Corona an der Universität Stuttgart studiert wird

Ein Hörsaal der Universität Stuttgart.
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Durch die Corona-Krise sind die Hörsäle der Universität Stuttgart seit Monaten nahezu ständig leer.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat auch die akademische Welt stark verändert. Präsenz-Klausuren an der Universität Stuttgart wurden auch im Wintersemester zur besonderen Herausforderung - ein Beispiel.

Stuttgart - Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg waren die Schulen und Kitas im Land mehrere Monate vollständig geschlossen. Die Schüler und Eltern mussten sich demnach mit Home Schooling befassen, was oftmals zu Problemen führte. Und an der Universität Stuttgart sind die Gebäude an den zwei Standorten in der Landeshauptstadt Stuttgart für die Öffentlichkeit größtenteils geschlossen. Die Vorlesungen und Seminare für die Studenten finden als Videokonferenz statt und viele Studenten haben die Gebäude der Universität seit langer Zeit nicht von innen gesehen.

Im vergangenen Wintersemester musste eine Prüfung im Studiengang Linguistik jedoch in Präsenz stattfinden. Zuvor hatten die Dozenten darauf gehofft, aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg doch noch eine andere Lösung finden zu können. Das sei prüfungstechnisch letztendlich nicht möglich gewesen, sagt Fabian Dirscherl, Dozent für Linguistik an der Uni Stuttgart, im Gespräch mit BW24. Aufgrund der einzuhaltenden Maßnahmen zum Infektionsschutz fand die Prüfung an der Universität Stuttgart schließlich unter besonderen Bedingungen statt.

Universität Stuttgart: So lief die Prüfung unter Pandemiebedingungen ab

Unter normalen Umständen freuen sich wohl nur wenige Studenten auf eine anstehende Prüfung. Die Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg hat die Situation an der Universität Stuttgart jedoch deutlich verändert. Vor der Präsenz-Klausur im Wintersemester erzählten mehrere Studenten, dass sie sich freuten „den Beton“ wiederzusehen, erinnert sich Fabian Dirscherl. Er war bereits lange Zeit vor dem Beginn der Prüfung im Hörsaal. Normalerweise bietet der Platz für rund 600 Studenten, aufgrund der Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen durfte er an diesem Tag nur zu maximal einem Zehntel belegt sein.

Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg mussten die Studenten bei der Präsenz-Klausur im Wintersemester an der Universität Stuttgart über die komplette Prüfungsdauer eine Maske tragen und die Hygienevorschriften einhalten. „Ich war sehr stolz auf die Studierenden“, erzählt Fabian Dirscherl. Keiner habe sich über die Maßnahmen beschwert oder genörgelt. „Ich glaube, ich wäre damals unruhiger gewesen.“

Auch er als Prüfer musste die komplette Bearbeitungsdauer über eine Maske und zusätzlich noch ein sogenanntes Face-Shield tragen. Das habe jedoch auch die Kommunikation mit den Studenten, beispielsweise wenn diese eine Frage hatten, stark beeinträchtigt. „Die Kommunikation war natürlich ätzend schwierig“, sagte Dirscherl. „Ich glaube, rund 80 Prozent des Gesagten sind zwischen Maske und Face-Shield verschwunden.“

Studienbetrieb in Corona-Zeiten: „Es ist wie ausgestorben, gespenstisch“

Die Gebäude der Universität Stuttgart sind aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg für die Öffentlichkeit geschlossen. Die Dozenten und Mitarbeiter gelangen nur über einen Seiteneingang in die Universität, sagt Fabian Dirscherl gegenüber BW24. Die Studenten dürfen die Gebäude nur aus wichtigen Gründen betreten. Als Dozent hatte er jedoch einen Einblick in die nahezu leere Universität. „Es ist wie ausgestorben, gespenstisch“, beschrieb er die ungewöhnliche Szenerie. Die Cafeteria im Erdgeschoss ist beispielsweise mit rotem Absperrband abgesperrt. Die Mitarbeiter und Dozenten müssen sich deshalb an der nahe gelegenen Tankstelle mit Kaffee und Co. eindecken.

Die Gebäude der Universität sind auch deshalb wie ausgestorben, weil sich der Studienbetrieb an der Universität Stuttgart coronabedingt in virtuelle Räume verlagert hat. Noch immer finden die Vorlesungen und Seminare per Videokonferenz statt. Das bringt einige Nachteile mit sich.

Lernen unter erschwerten Bedingungen: „Online ist Präsenz nicht ebenbürtig“

Eine Online-Vorlesung sei einer Präsenzveranstaltung absolut nicht ebenbürtig, sagte Fabian Dirscherl. Die meisten Studenten hätten während der Vorlesung ihre Kameras ausgeschaltet, erklärt er. Er spreche statt zu einem Raum voller Studenten zu einer Wand „von schwarzen Kacheln“. „Dadurch kann ich schwer einschätzen, wie gut die Studierenden mitkommen.“

Die coronabedingten Online-Vorlesungen an der Universität Stuttgart haben jedoch nicht ausschließlich Nachteile. Ein Vorteil sei beispielsweise, dass auch Studenten an den Veranstaltungen teilnehmen könnten, die sonst keine Möglichkeit hätten, vor Ort zu sein. Zudem sei ein Gespräch mit den Studenten per Videokonferenz auch deutlich spontaner realisierbar. Demnach könnte diese Möglichkeit auch nach der Pandemie in den Unversitätsalltag aufgenommen werden. „Ich freue mich nach der Pandemie wieder in Präsenz vor den Studierenden zu stehen und direkt zu ihnen zu sprechen“, sagte Fabian Dirscherl.

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