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Hermann pocht auf Parkgebühren an der Uni Hohenheim - er hat das Problem von Pendlern nicht verstanden

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Von: Sina Alonso Garcia

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Winfried Hermann und Uni Hohenheim
Erteilte den Studenten eine Absage, als diese um die Abschaffung der Parkgebühren an der Universität Hohenheim baten: Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). © dpa/Sina Schuldt/Bernd Weißbrod (Fotomontage BW24)

Seit rund zwei Jahren bittet das Land Studenten an der Universität Hohenheim, die dort parken, zur Kasse. Zu erwarten, dass die Pendler stattdessen die schlechte Bahn-Anbindung nutzen, grenzt an Hohn. Ein Kommentar.

Stuttgart - Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) rückt nicht von seinem Standpunkt ab: Auch nach erneuter Rücksprache mit Studenten der Uni Hohenheim ist er überzeugt vom Konzept des kostenpflichtigen Parkens an der Hochschule. Sein Ziel: Mobilitätskonzepte fördern, die nicht am Auto hängen. Druck aufbauen, damit noch mehr Menschen auf den ÖPNV umsteigen. Per se ist sein Anliegen sicherlich berechtigt. Ob die Parkgebühren in Hohenheim, die die Landesregierung Ende 2020 eingeführt hat, zur Problemlösung beitragen, ist fraglich.

Mit seiner Vorstellung, dass die Landbevölkerung auf Bus und Bahn umsteigt, macht der Verkehrsminister deutlich, dass er das Grundproblem womöglich nicht verstanden hat. Dass noch immer viele Menschen statt auf die Bahn aufs Auto setzen, liegt mitnichten an der fehlenden Bereitschaft in der Bevölkerung. Vielmehr führen mangelhafte Bahnverbindungen, Zugausfälle und Verspätungen dazu, dass Landbewohner oft gar nicht anders können, als den Pkw zu nehmen. Ähnlich ergeht es auch den vielen Pendlern an der Uni Hohenheim.

Uni Hohenheim: Schlechte Erreichbarkeit aus dem Umland mit Bus und Bahn

Als ehemalige Studentin der Uni Hohenheim spreche ich aus Erfahrung: Wer mit der Bahn aus dem Umland dorthin pendelt, muss eine halbe Weltreise auf sich nehmen. Selbst, wer in der Innenstadt von Stuttgart wohnt, muss mindestens einmal umsteigen - und dann wahlweise mit dem Bus durch eine Reihe von Käffern gurken oder mit der Bahn an eine dezentral gelegene Haltestelle unweit der Uni fahren. Angesichts der schlechten Erreichbarkeit wundert es nicht, dass immer noch so viele Studenten das Auto für die bessere Lösung halten.

Mancher mag nun argumentieren, dass die zwei Euro Parkgebühr, die für die Studenten pro Tag anfallen, „Peanuts“ seien. Für einen Studenten ohne festes Einkommen, der fünfmal in der Woche an die Uni fahren muss, können 40 Euro im Monat aber durchaus ins Gewicht fallen. Umso weniger überrascht es, dass einige Studenten ihr Auto jetzt in den umliegenden Wohngebieten abstellen. Das wiederum ruft Anwohner auf den Plan, die von den zugeparkten Straßen genervt sind. Während die Bewohner selbst nur noch schwer einen Parkplatz finden, bleiben die Universitätsparkplätze nahezu ungenutzt.

Uni Hohenheim: Verkehrsminister erteilt Studenten eine Abfuhr - das ist schade

Dem Drängen der Studentenschaft, die Parkgebühren wieder abzuschaffen, erteilte Winfried Hermann eine Abfuhr: „Ich werde Ihnen da keine Hoffnung machen“, sagte er laut den Stuttgarter Nachrichten bei einem kürzlichen Treffen mit Studierenden. Diese hatten ihm vorgeworfen, dass das Parkraummanagement seine Wirkung nicht erzielt habe. Stattdessen würde ein Großteil der Hohenheimer Studenten, die traditionell aus dem ländlichen Umland sowie aus verschiedenen Teilen Baden-Württembergs kämen, weiterhin mit dem Auto an die Universität pendeln.

Dass die Landesregierung weiterhin auf den Parkgebühren beharrt und das ohnehin schon knapp bemessene Budget von Studenten weiter belastet, ist schade. Nicht alle können oder wollen sich ein WG-Zimmer direkt vor Ort leisten. Hinzu kommt, dass die Lage der Uni Hohenheim weit abseits der Stuttgarter Innenstadt prädestiniert für Pendler ist. Viele Studenten ziehen es zudem vor, im Stadtzentrum zu wohnen. Ein kleiner Lichtblick, zumindest für angehende Studenten: Bis 2025 soll die sogenannte „Möhringer Kurve“ gebaut werden, mit der von Plieningen aus eine umsteigefreie Direktverbindung in die Innenstadt möglich ist.

Uni Hohenheim: Minister Hermann offen für Verbesserungen der Situation

Zwar hält Minister Hermann weiter an den Parkgebühren fest, zeigt sich aber offen für neue Ideen, um die Studenten zu entlasten. So spricht er etwa von Shuttlebussen, die in Zukunft außerhalb liegende zentrale Parkplätze mit dem Campus verbinden könnten. Zudem erwarte er, dass die Stadt Stuttgart auf die zugeparkten Wohnstraßen in den umliegenden Bezirken Plieningen und Birkach ebenfalls mit Gebühren reagiert. Ob er damit bei den Anwohnern für Begeisterungsstürme sorgen wird, ist fragwürdig.

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