Trotz vieler Studienangebote

„Keine Studistadt“: Studierende kritisieren Hochschulstandort Stuttgart - Leben in der Region zu teuer

Studenten der Uni Hohenheim im Hörsaal
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Stuttgart wird kaum als Wissenschafts- und Hochschulstadt wahrgenommen. Auch nicht von den Studenten aus der Region.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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In Stuttgart sind viele Universitäten und Hochschulen angesiedelt. Die Stadt wird dennoch von Bürgern und sogar Studenten nicht als Wissenschaftsstandort angesehen.

Stuttgart - Mit sieben öffentlichen Universitäten in Stuttgart und 20 privaten Hochschulen gehört die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg eigentlich zu den wichtigsten Bildungsstandorten Deutschlands. Mehr als 62.000 Studierende verzeichnet die Region. Hinzu kommen außerdem wichtige Forschungseinrichtungen wie die Fraunhofer-Gesellschaft, das Max-Planck-Institut oder das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Dennoch hat Stuttgart damit zu kämpfen, als Wissenschafts- und Hochschulstadt wahrgenommen zu werden. Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) will das nun ändern. Anlässlich des 2. Stuttgarter Wissenschaftsfestivals möchte Nopper den Bürgern in der Region das Wissenschaftsfeld näher bringen.

Selbst Studenten sehen Stuttgart nicht als Wissenschaftsstadt - laut Umfrage

Allerdings würden laut einer Umfrage nicht einmal die Studierenden in Stuttgart die Region als Studenten- und Hochschulstadt sehen. „Die Stadt Stuttgart wird von uns Studierenden kaum als Hochschulstadt und überhaupt nicht als Studistadt wahrgenommen“, so Matthias Ehrhardt von der Studierendenvertretung der Uni Stuttgart gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Wenn überhaupt, würde man sie als Wissenschafts-/Industriestadt durch die großen Technologieunternehmen und als Auto- und Landeshauptstadt einordnen.

Die Gründe für diese Ansicht seien zum einen der „sehr teure“ öffentliche Nahverkehr. Dabei komme hinzu, dass die öffentliche Anbindung „nicht perfekt“ sei. Auch durch die vom Land eingeführten Parkgebühren, wie Fabian Probost von der Verfassten Studierendenschaft kritisiert. „Es erschließt sich uns nicht, wie man einfach versucht, das Auto unattraktiv zu machen, ohne die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver zu machen.“ Ähnliche Kritik für den ÖPNV gab es bei den Überlegungen, ein kostenloses Bahnticket einzuführen, um gestiegenen Energiepreisen entgegenzuwirken.

Auch die Wohnungslage für Studenten in Stuttgart ist schwierig. Sowohl das Wohnen als auch das Leben in der Region seien teuer, wie Matthias Ehrhardt erläutert. Es gäbe zudem zu wenige Wohnheimplätze und es würden Möglichkeiten zur Campusgestaltung durch Projekte und Veranstaltungen sowie eine zugängliche Bibliothek fehlen. „Wir Studierende würden uns mehr Beachtung durch die Kommunalpolitik wünschen und sind jederzeit zu Gesprächen bereit“, sagt Ehrhardt.

Stuttgart als Studierendenhochburg? Stadt will Wissenschaftspostion ausbauen

Dem Wunsch der Studenten kommt Oberbürgermeister Nopper nun ein Stück weit nach. Mit einem Zettelkasten im Rathaus, die als Fragen-Sammelbox dient, werden Bürger „eingeladen, ihre persönlichen Fragen an die Wissenschaft zu stellen und dadurch Impulse für potenzielle Zukunftsfelder und zukünftige Forschungsvorhaben zu setzen“. Die Aktion läuft noch bis zum 15. April 2022.

Stadt und Wissenschaft sollen in Zukunft auch stärker vernetzt werden, um so die Strahlkraft sichtbarer zu machen. Hierzu tagt einmal im Jahr ein Arbeitskreis. Ebenso sei es in der Politik in Stuttgart, laut der im Bereich „Wissenschaft und Hochschulen“ zuständigen Ines Aufrecht ein Anliegen, die schwierige Wohnsituation zu verbessern und jungen Menschen in Stuttgart ein günstiges Wohnumfeld zu bieten. Konkrete Pläne gibt es hierzu allerdings noch nicht.

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