Keine Erstaufnahme möglich

Ukraine-Flüchtlinge in Stuttgart abgewiesen: „Massenstrom“ sorgt für Chaos

Ukrainische Flüchtlinge kommen mit einem Bus in Deutschland an.
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In Stuttgart wurden 20 Ukraine-Flüchtlinge abgewiesen, weil kein Personal für die Erstaufnahme zur Verfügung stand (Symbolbild).
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Immer mehr geflüchtete Ukrainer erreichen Baden-Württemberg. Trotz Koordinationsstab gibt es große Probleme bei der Unterbringung, wie Beispiele aus Stuttgart zeigen.

Stuttgart - Nach den schrecklichen Entwicklungen in der Ukraine, die auch die Stuttgarter laut einer Umfrage schockierten (BW24* berichtete), treffen nun nach und nach geflüchtete Menschen in Baden-Württemberg* ein. Das Land teilte mit, dass man „mit täglich 60 bis 100 Flüchtlingen aus der Ukraine rechnen“ müsse. Die EU spricht dabei von einem „Massenstrom“.

Um die Hilfen und Unterbringungen der Ukraine-Flüchtlinge besser kontrollieren und strukturieren zu können, richtete die Landeshauptstadt Stuttgart sogar einen Koordinationsstab ein, um nach Wohnungen zu suchen*. Die Situation lässt sich allerdings nicht so leicht bewältigen, wie angenommen. „Die Lage wird zusehends dynamischer“, erklärt Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne) - durch bürokratische Hürden gibt es in Baden-Württemberg Chaos bei der Ankunft der Flüchtlinge.

20 Ukraine-Flüchtlinge dürfen nicht in Stuttgart bleiben

Verschiedene Beispiele aus Stuttgart* zeigen, dass die Koordination bisher weniger erfolgreich ist: Am Dienstagnachmittag (8. März) kamen 20 Menschen aus der Ukraine am Hauptbahnhof Stuttgart* an und wurden abgewiesen. Asylpfarrer Joachim Schlecht berichtete der Stuttgarter Zeitung, dass eine ehrenamtliche Helferin versucht habe, sie in der Cannstatter Jugendherberge unterzubringen. Diese wurde als Unterkunft für Flüchtlinge umfunktioniert, jedoch stand zu diesem Zeitpunkt noch niemand zur Registrierung der Geflüchteten bereit - die 20 Betroffenen mussten in das Erstaufnahmelager nach Ellwangen weiterreisen.

Auch die ersten Ukraine-Flüchtlinge, die am Wochenende am Hauptbahnhof angekommen waren und ursprünglich nach Karlsruhe weiterreisen wollten, konnten nicht in einer Herberge untergebracht werden. Der Grund: Die Menschen waren größtenteils ungeimpft. In den Hotels gilt derzeit aber weiterhin die 3G-Regel. Die meisten seien deshalb über Nacht am Hauptbahnhof geblieben. „Die Deutsche Bahn hat ihnen Übernachtungspakete zur Verfügung gestellt“, erklärt Bundespolizeisprecherin Katharina Hamm.

Stadt Stuttgart geht von deutlich mehr Ukraine-Flüchtlingen in der Region aus

Laut Stadt haben sich bisher 30 Personen bei der Außenstelle des Ordnungsamts in der Jägerstraße sowie weitere 45 Geflüchtete von anderer Seite in Stuttgart gemeldet. Man gehe aber davon aus, dass bereits deutlich mehr Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in der Region sind. Stadtsprecher Sven Matis schließt diese Tatsache daraus, dass „etwa 2000 Menschen mit einem ukrainischen Pass ihren Hauptwohnsitz in Stuttgart haben“.

Auch das Schulamt in Stuttgart scheint bereits mit der Situation heillos überfordert zu sein* und hat organisatorische Probleme. Wegen mangelnder Lehrkräfte können kaum Vorbereitungsklassen für die geflüchteten Kinder aus der Ukraine gestellt werden. „Wir sind von der Realität überrollt worden“, sagt Birgit Popp-Kreckel, stellvertretende Leiterin des Staatlichen Schulamts in Stuttgart. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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