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Schulamt in Stuttgart mit Kindern aus der Ukraine heillos überfordert

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Von: Nadja Pohr

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Zwei Kinder aus der Ukraine auf dem Weg zu einem Evakurierungszug.
Dem Schulamt in Stuttgart fehlt es an Lehrern, die Vorbereitungsklassen für geflüchtete Kinder aus der Ukraine übernehmen können (Symbolbild). © IMAGO/Andriy Andriyenko

Viele Kinder aus der Ukraine kommen bald in Baden-Württemberg an. Dem Schulamt in Stuttgart droht eine Überforderung - der Lehrermangel bereitet große Sorgen.

Stuttgart - Die Nachrichten aus der Ukraine versetzen die Menschen in der Region in tiefe Betroffenheit. In einer Umfrage zeigten sich Stuttgarter geschockt über Russlands Angriff. Auch die Stadt Stuttgart will den betroffenen Ukrainern helfen und zieht eine Partnerschaft mit einer ukrainischen Stadt in Betracht.

Darüber hinaus richtet die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg einen Krisenstab ein, der Unterstützungsmöglichkeiten bündeln soll. Zusätzlich werden auch Wohnungen für die Ukraine-Flüchtlinge gesucht. Wie viele Menschen in Stuttgart ankommen, ist bisher noch unklar. Es zeichnet sich jedoch bereits ein erstes Problem für die Region ab: Das Schulamt in Stuttgart ist offenbar schon jetzt überfordert mit der Unterbringung der Kinder aus der Ukraine.

Schulamt in Stuttgart muss Familien aus der Ukraine vertrösten

Birgit Popp-Kreckel, stellvertretende Leiterin des Staatlichen Schulamts in Stuttgart, spricht von organisatorischen Problemen, die auf die Schulen nun zukommen werden. Wegen der ohnehin steigenden Zahl der Schüler, die neu nach Stuttgart kommen und aufgrund des akuten Mangels an Lehrkräften, gebe es kaum eine Möglichkeit, zusätzliche Vorbereitungsklassen einzurichten. „Wir sind von der Realität überrollt worden“, sagt Popp-Kreckel gegenüber der Stuttgarter Zeitung.

„Drei ukrainische Familien sind schon auf uns zugekommen und haben gefragt: Was müssen wir tun?“, berichtet die stellvertretende Schulamt-Leiterin. Da derzeit Faschingsferien sind, werden die Familien auf die kommende Woche vertröstet, denn da sei die Koordinierungsstelle Migration des Schulamts wieder besetzt.

Über die Koordinierungsstelle laufen alle Einzelheiten für die Vorbereitungsklassen zusammen. Nach dem Ende der Ferien würden dann auch die Wissenstests wieder anlaufen, die aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg ausgesetzt wurden. Diese prüfen, was die Kinder an Schulbildung mitbringen, um sie so besser den Vorbereitungsklassen zuweisen und schneller herausfiltern zu können, welche Schüler man am ehesten zum Schulabschluss bringen könnte.

Lehrermangel stellt riesiges Problem für Schulen in Stuttgart dar

Durch die starke Zunahme an neuen Schülern in Stuttgart beschäftigt Birgit Popp-Kreckel vor allem die Frage, woher die Lehrkräfte kommen sollen. Die Schulen suchen schon seit einigen Jahren nach Personal für den Job in Stuttgart. „Wenn wir welche finden, können wir ad hoc Klassen einrichten“, sagt die stellvertretende Leiterin. Doch gerade bei den Menschen aus der Ukraine komme der Aspekt hinzu, dass man nicht wisse, wie lange die Familien bleiben und was die Kinder benötigen.

Man plane deshalb, jemanden mit ukrainischer Muttersprache und pädagogischer Vorbildung zu suchen, der sich zudem zutraue, eine Vorbereitungsklasse zu übernehmen. „Damit die Kinder erst mal einen Ort haben, an dem sie ein vertrautes Umfeld finden. Das beginnt natürlich mit der Sprache“, erklärt Popp-Kreckel.

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