Fälle auch in Baden-Württemberg

Seltene Tollwut bei Fledermaus entdeckt - Virus ist für Menschen gefährlich

Jemand hält eine Fledermaus in den Händen.
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Wissenschaftler warnen schon lange vor Krankheitserregern, die von Wildtieren auf Menschen überspringen können.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Die „klassische“ Tollwut gilt in Deutschland als ausgerottet. Nicht ausgerottet ist hingegen die Fledermaus-Tollwut - in NRW wurde die seltene Krankheit erst kürzlich bei einem Tier festgestellt.

Minden/Stuttgart - In Deutschland gilt die Tollwut bei Hunden und Wildtieren seit 2008 als eliminiert. Experten sprechen von einer Elimination der „terrestrischen“, also erdgebundenen Tollwut. Eine Ausnahme stellen lediglich importierte und daher häufig nicht geimpfte Hunde aus Tollwutgebieten dar. Neben der klassischen, terrestrischen Tollwut, auch bekannt als „Rabies-Virus“, existiert jedoch eine weitere Virus-Form, die in Deutschland nicht ausgerottet ist: Der Erreger der hierzulande seltenen Fledermaustollwut, genannt European Bat Lyssa Virus (EBL-V).

Eine mit EBL-V infizierte Fledermaus wurde im Juni in Minden (NRW) entdeckt. Wie das zuständige Veterinäramt im Kreis Minde-Lübbecke mitteilte, sei das Tier geschwächt aufgefunden worden und habe sich später aggressiv verhalten. Da sie sich nicht beruhigte, musste die Fledermaus eingeschläfert werden und wurde zur Untersuchung nach Hannover geschickt. Dort wiesen Experten des Landesamts für Verbraucherschutz einen Tollwut-Befall nach.

Fledermaustollwut: Für Nicht-Geimpfte endet Infektion tödlich

Wie hna.de* berichtet, kann die seltene Tollwut auch für Menschen gefährlich werden. Übertragen wird sie durch Bisse. Wer nicht gegen Tollwut geimpft ist, sollte sich nach einem Fledermaus-Biss innerhalb von vier Tagen nachträglich impfen lassen, um den Ausbruch der Krankheit zu vermeiden. Kommt die Tollwut zum Ausbruch, endet sie laut Experten immer tödlich. Wer bereits gegen die klassische Tollwut geimpft ist, hat jedoch nichts zu befürchten und ist immun.

In den vergangenen 30 Jahren wurde die Fledermaustollwut laut Friedrich-Löffler-Institut (FLI) deutschlandweit nur bei gut 200 Tieren festgestellt. Dabei gibt es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Rund 90 Prozent der Nachweise stammen aus der norddeutschen Tiefebene, also von Schleswig-Holstein und Niedersachsen bis Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg. Im vergangenen Jahr hat es in Gesamt-Deutschland vier Fälle gegeben. 2019 sind bundesweit neun Fälle registriert worden.

Fledermaustollwut: Diese Fälle gab es in Baden-Württemberg

Auch in Baden-Württemberg werden Fledermäuse, bei denen Verdacht auf Tollwut besteht, regelmäßig untersucht. Dafür zuständig sind landesweit vier Veterinäruntersuchungsämter. „Im Süden hatten wir bisher nur vereinzelte Fälle, bei denen die Fledermaustollwut festgestellt wurde“, erklärt Birgit Blazey vom Veterinäruntersuchungsamt in Stuttgart gegenüber BW24. Dennoch liegen bei ihr immer wieder Verdachtsfälle auf dem Seziertisch. Im Jahr 2021 hat das Stuttgarter Veterinäruntersuchungsamt bisher neun verdächtige Fledermäuse untersucht - die jedoch alle negativ waren.

2007 wurde in Baden-Württemberg erstmals eine mit Tollwut infizierte Fledermaus nachgewiesen, wie das FLI bestätigt. Gefunden wurde sie im Landkreis Biberach. Der zweite Fall trat 2014 im Odenwald auf, erklärt Birgit Blazey mit Blick in die Datenbank. Zwar kann das Fledermaus-Virus im Ernstfall auch Menschen gefährlich werden. In Deutschland hat sich jedoch laut Gesundheitsamt noch kein Mensch infiziert. Der letzte durch einen Fledermausbiss verursachte Todesfall beim Menschen in Europa trat 2002 in Schottland auf. *hna.de ist ein Angebot von Ippen.Media.

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