„Tiere leben ihr Leben lang in Atemnot“

Tierarzt warnt: Von diesen Hunderassen sollte man die Finger lassen

Mops Luna, Mutter der verstorbenen Hündin Ronja, sitzt vor dem Oberlandesgericht in München (Bayern).
+
Laut Tierarzt Ralph Rückert aus Ulm, kann man manche Hunderassen wegen der Züchtung nicht guten Gewissens halten (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
    schließen

Hunde gelten als die besten Freunde des Menschen. Manche Rassen sollte man jedoch nicht zu Hause halten, sagt ein Tierarzt aus Ulm.

Stuttgart/Ulm - Gerade in der Corona-Pandemie sind Hunde als treue Begleiter wohl noch wichtiger geworden als zuvor. Mit den Vierbeinern durfte man im vergangenen Jahr sogar während der Ausgangssperre Gassi gehen und aktuell muss man sich auch keine Gedanken machen, das eigene Tier aufgrund von Kontakt- und Quarantänebeschränkungen nicht mehr sehen zu dürfen. Erst vor wenigen Tagen wurde ein treuer Vierbeiner zum waschechten Helden. Der Hund Mogli bellte in einer eiskalten Nacht los und wurde so wohl zum Lebensretter (BW24* berichtete).

In den meisten Fällen gehört der Hund bei seinen Besitzern schon zur Familie und wird dementsprechend gut behandelt. Manchmal gibt es jedoch auch Menschen, die den Vierbeinern böses wollen. Im Oktober starben mehrere Hunde im Schwarzwald qualvoll an Giftködern* und im Frühjahr musste die Polizei in Esslingen vier unterernährte Hunde aus viel zu kleinen Käfigen befreien*. Manche Hunderassen werden dagegen regelrecht krank gezüchtet. Vor diesen Hunderassen, die eigentlich nicht mal mehr lebensfähig sind, sollte man laut Tierarzt Ralph Rückert aus UIm die Finger lassen, wie er im Podcast „Sitz Platz Aus“ des Südwestrundfunks (SWR) sagte.

Krank gezüchtete Hunderassen: Von diesen armen Vierbeinern sollte man die Finger lassen

Seit einiger Zeit werden bestimmte Hunderasse so gezüchtet, dass sie einem mutmaßlichen Schönheitsideal oder einer bestimmten Erwartung entsprechen. Einige dieser Rassen werden durch kurz gezüchtete Nasen oder verkrüppelten Wirbelsäulen so krank gezüchtet, dass sie kaum mehr lebensfähig sind. „Von Mops, englischer und französischer Bulldogge soll man die Finger lassen, die kann man im Moment guten Gewissens nicht anschaffen“, erklärt Tierarzt Ralph Rückert im SWR-Podcast. Die oftmals stark deformierte Kopfform sei dabei nicht das einzige Problem. „Es beschränkt sich nicht nur auf die Kopfform, die ja von vornherein ein vernünftiges Leben für den Hund unmöglich macht“, so Rückert.

Zusätzlich haben die genannten Hunderassen durch die „Qualzucht“ noch ganz andere Probleme. „Mehr als bei hundert Prozent der anderen Hunde treten Augenerkrankungen auf“, sagte Ralph Rückert dem SWR. „Dieser verkrüppelte Schwanz da hinten, der Korkenzieherschwanz bei den Bulldoggen ist eigentlich eine Missbildung“, führt der Tierarzt weiter aus. „Diese Missbildung basiert auf Wirbelmissbildungen und die erstrecken sich in den meisten Fällen auch auf den Rest der Wirbelsäule.“ Dadurch erleiden die Tiere beispielsweise Bandscheibenvorfälle und auch Hautkrankheiten treten häufiger als bei anderen Hunderassen auf.

Tierarzt Ralph Rückert: „Tiere leben ihr Leben lang in Atemnot“

Obwohl die krank gezüchteten Hunderassen demnach unter mehr als nur einer gezüchteten Nase leiden müssen, ist diese besonders fatal für die Tiere. „Das Essenzielle ist natürlich die Atmung“, machte Ralph Rückert im SWR-Podcast deutlich. „Das kann man sich ja vorstellen, die Atmung ist ein Grundbedürfnis eines jeden Lebewesens.“ Deshalb kann ein normales Leben für die Hunde gar nicht erst möglich sein. „Die Tiere leben ihr Leben lang in Atemnot“, so Rückert. Zudem verwenden Hunde ihre Nasen nicht nur zum Atmen, sondern auch für die Temperaturregulierung. Krank gezüchtete Hunde hätten deshalb schon bei normalen Temperaturen starke Probleme, so der Tierarzt.

Aufgrund von diesen Missbildungen, die durch falsches Züchten entstanden sind, kann man sich Hunde der genannten Rassen laut dem Tierarzt derzeit nicht guten Gewissens anschaffen. Natürlich gebe es auch nach wie vor bestimmte Probleme durch das Züchten von anderen Hunderassen und besonders von Mischlingen, so Rückert. Körperliche Probleme ließen sich jedoch zumindest behandeln. „Aber wenn ich nicht atmen kann, begleitet mich das den ganzen Tag und quält mich vor allem auch nachts.“ *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare