Beitrag nur „marginal“

Studie: Tempolimit auf Autobahnen im Klima-Kampf nahezu wirkungslos

Autos fahren auf der Autobahn A81 bei Herrenberg auf einem Abschnitt ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.
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Auf 70 Prozent der deutschen Autobahnen gilt kein Tempolimit. Eine Begrenzung würde laut einer Studie auch keine große Wirkung auf den Klimaschutz haben.
  • Julian Baumann
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Ein Tempolimit auf den deutschen Autobahnen ist seit Langem im Gespräch. Eine Studie zeigt, dass eine solche Regelung für den Klimaschutz fast keine Wirkung hätte.

Stuttgart - Beim Verkehr in Stuttgart ist die meiste Zeit Stopp and Go angesagt. Durch die Innenstadt der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg kommt man nur langsam und mit niedriger Geschwindigkeit, auch wenn man einen Sportwagen der Porsche AG fährt, der eigentlich deutlich schneller fahren könnte. Auch auf den Straßen im Autobahnkreuz vor Stuttgart gilt inzwischen ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde. Deutschland ist jedoch das einzige Industrieland, dass keine einheitliche Geschwindigkeitsbegrenzung hat. Auf rund 70 Prozent des deutschen Autobahnnetzes darf demnach unbegrenzt gerast werden.

Seit knapp einem halben Jahrhundert wird jedoch darüber diskutiert, in Deutschland ein einheitliches Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf den Autobahnen einzuführen. Auch im aktuellen Wahlkampf für die anstehende Bundestagswahl 2021 ist das Tempolimit wieder ein großes Thema, vor allem in Bezug auf den Klimaschutz. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft ergab jedoch, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung dafür nahezu unwirksam ist.

Tempolimit in Deutschland: Früher Sicherheit, heute Umweltschutz

Mit einem einheitlichen Tempolimit wollte die Politik nicht immer der CO2-Belastung entgegenwirken. In den 70er Jahren sollte eine Geschwindigkeitsbegrenzung zunächst für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen. Zu Beginn des Jahrzehnts, im Jahr 1971, gab es allein in Deutschland 20.794 Verkehrstote, weswegen die Sicherheit eine besondere Priorität bei der Debatte um ein Tempolimit hatte. Inzwischen steht jedoch der Klimaschutz im Zentrum der Diskussionen. In vielen Gemeinden in Baden-Württemberg gilt beispielsweise schon ein Limit von 30 Stundenkilometern innerorts, was sowohl die CO2-, als auch die Lärm-Belastung verringern soll. Auch Stuttgart prüft, das Tempolimit von 40km/h auf die ganze Stadt auszuweiten.

Die Debatte um eine einheitliche Geschwindigkeitsbegrenzung ist auch 50 Jahre nach dem ersten Aufkommen noch immer aktuell und wird wohl auch Einlass in den neuen Koalitionsvertrag erhalten. Die Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, die auf Auswertungen von Verkehrszählstationen basiert, zeigt jedoch einen geringen Beitrag zum Klimaschutz. „Entsprechende Studien zeigen, dass das Einsparpotenzial eines allgemeinen Tempolimits von 130 km/h je nach Annahmen zwischen ein und zwei Millionen Tonnen CO2 liegen dürfte“, verweisen die Autoren der Studie auf die Schrift Agora Verkehrswende (2018/29). Die Bundesregierung hat dagegen das Ziel, die CO2-Emission zwischen 2019 und 2030 um 80 Millionen Tonnen zu senken.

Studie zum Tempolimit: Beitrag zum Klimaschutz „marginal“ und wird durch E-Autos weiter abnehmen

Um die Emissionen des Verkehrs um 80 Millionen Tonnen zu senken, spielt ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern demnach nur einen „marginalen“ Beitrag, heißt es in der Studie. Zudem setzen die deutschen Autohersteller wie die Daimler AG immer mehr auf das E-Auto. Der Autokonzern aus Stuttgart will ab 2030 ausschließlich E-Autos bauen und auch andere Hersteller schaffen den Verbrenner nach und nach ab. Die batteriebetriebenen Fahrzeuge sollen die CO2-Emissionen deutlich senken, eine zusätzliche Geschwindigkeitsbegrenzung würde demnach einen noch geringeren Anteil spielen, wie auch die Studie bestätigt. „Ein Tempolimit [kann] also nur einen marginalen Beitrag leisten, der zudem mit der Verbreitung von Elektrofahrzeugen abnimmt.“

Laut der Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft fahren zudem bereits jetzt fast 80 Prozent der Autofahrer mit einer Geschwindigkeit von unter 130 Stundenkilometer über die deutschen Autobahnen. „Weniger als 2 Prozent sind schneller als 160 km/h unterwegs, davon wurde die Hälfte am späteren Abend oder in der Nacht erfasst.“ Die Durchsetzung eines einheitlichen Tempolimits auf dem gesamten Autobahnnetz würde in Bezug auf die gefahrenen Geschwindigkeiten demnach keinen allzu großen Unterschied machen.

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