Tausende versammeln sich

„Asozial“: Corona-Demo in Stuttgart gerät außer Kontrolle - „unerträglicher Skandal“

Menschenmenge bei der Corona-Demo in Stuttgart, daneben ein Teilnehmer, der einen Journalisten ins Gesicht schlägt
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Bei der Corona-Demo in Stuttgart kam es zu Angriffen auf Journalisten.
  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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In Stuttgart fanden am Karsamstag mehrere Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen statt. Doch die „Querdenker“-Kundgebung geriet außer Kontrolle.

Stuttgart - Am Karsamstag fanden mehrere Corona-Demos in Stuttgart statt. Schon am Mittag versammelten sich Hunderte Teilnehmer am Marienplatz. Von dort zogen die Demonstranten weiter Richtung Innenstadt. Später am Tag fand noch eine Großdemonstration der Querdenken-Bewegung in Bad Cannstatt statt.

2.500 Teilnehmer waren im Vorfeld angekündigt. Letztlich versammelten sich mehr als 10.000 Menschen zur Corona-Demo in Stuttgart. Die Demonstranten ignorierten zum größten Teil Maskenpflicht und Mindestabstand. Auch anwesende Journalisten wurden von den Teilnehmern bedrängt oder angegriffen - darunter ein Fernsehteam der ARD. Ein ARD-Reporter wurde mit einem Stein beworfen. Hunderte Polizeibeamte überwachten die Kundgebung in Bad Cannstatt, gingen jedoch kaum gegen die Verstöße vor.

Corona-Demo in Stuttgart: Tatenlosigkeit von Stadt und Polizei stößt auf Kritik: „Unerträglicher Skandal“

Dass die Polizei bei der Corona-Demo in Stuttgart kaum einschritt, stieß deutschlandweit auf Kritik. „Das versteht keiner – auch wir nicht“, sagte Ralf Kusterer, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Während in anderen Teilen des Landes die Versammlungsbehörden und die Polizei hart und konsequent reagiert und agiert, scheint es so, dass in Stuttgart alles möglich ist.“

Ralf Kusterer erinnerte daran, dass Corona-Demos bei derartigen Verstößen verboten werden könnten. „Friedlich und ohne Waffen heißt in Pandemiezeiten mit Abstand und mit Maske. Wer sich daran nicht hält, verhält sich asozial und macht sich strafbar.“ Die Verantwortung für die Vorfälle am Karsamstag trägt laut Ralf Kusterer die Stadt Stuttgart. Die Zuständigkeit für ein Verbot liege bei der Stadt, die Polizei werde aber kritisiert, weil sie nicht eingeschritten sei. „Offensichtlich scheint es ein Missverständnis zu geben, wenn die Stuttgarter Stadtverwaltung und damit die Versammlungsbehörde sich um klare Entscheidungen drückt und der Polizei dann den Mist vor die Füße kippt.“

Auch in den sozialen Netzwerken lösten die außer Kontrolle geratenen Corona-Demos in Stuttgart Entsetzen aus. Der Stuttgarter Stadtradt Luigi Pantisano twitterte: „Was heute in #Stuttgart passiert ist ein unerträglicher Skandal! Tausende ziehen durch die Stadt ohne auch nur eine der Verordnungen einzuhalten. Keine Maske, kein Abstand! Die @PP_Stuttgart steht daneben und schaut zu.“

Ein Video bei Twitter zeigt, wie der freie Journalist David Peters aus Dortmund von einem Teilnehmer der Corona-Demo in Stuttgart aufs Übelste beschimpft und geschlagen wird.

Corona-Demo in Stuttgart: Teilnehmer verstoßen gegen Mindestabstand und Maskenpflicht

Bereits bei der vorangegangenen Corona-Demo am Marienplatz und in der Innenstadt hatten die Teilnehmer die Auflagen zum Infektionsschutz größtenteils nicht eingehalten. „Wir weisen die Teilnehmer auf die Einhaltung hin“, twitterte die Stuttgarter Polizei, die mit Hunderten Beamten vor Ort die Sicherheit überwachte. Polizeihubschrauber seien zur Dokumentation über das Stadtgebiet im Einsatz.

„Masken- und Abstandsverstöße werden von uns beweissicher dokumentiert“, kündigte die Polizei Stuttgart bei Twitter an. Unter den Teilnehmern der Corona-Demo auf dem Marienplatz in Stuttgart habe Volksfeststimmung geherrscht, wie ein Fotograf der dpa berichtete. Auch BW24 war vor Ort, als die Teilnehmer mit Trommeln, Gesang, lauter Musik und Luftballons durch die Innenstadt zogen.

Bei der Corona-Demo am Marienplatz in Stuttgart versammelten sich am Mittag bereits Teilnehmer.

„Ich gehe davon aus, dass heute an vielen Punkten gegen die Auflagen verstoßen wird“, sagte der Sprecher der Stuttgarter Polizei, Stefan Keilbach. Die Stadt Stuttgart hatte im Vorfeld angekündigt, dass die Corona-Demos bei Verstößen gegen die Sicherheitsauflagen aufgelöst werden.

In Stuttgart fanden am Karsamstag mehrere kleine Corona-Demos statt. Die größte Versammlung begann gegen 16 Uhr auf dem Cannstatter Wasen. Organisiert wurde die Groß-Demo von der „Querdenken“-Bewegung. (Mit Material der dpa)

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