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Tamara Röske aus Stuttgart: Model mit Down-Syndrom begeistert mit Ausdrucksstärke und öffnet Herzen

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Von: Sina Alonso Garcia

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Tamara Röske
Tamara Röske aus Bad Cannstatt modelt seit ihrem elften Lebensjahr und ist Deutschlands bekanntestes Model mit Down-Syndrom. © Dr. Yvonne Sophie Thöne

Die 27-jährige Tamara Röske aus Stuttgart hat schon für Marken wie Hugo Boss und Adidas gemodelt und an der Seite von Elyas M‘Barek bei „Fack Ju Göthe 3“ mitgespielt. Mit BW24 spricht die junge Frau mit Down-Syndrom über ihr Leben vor und hinter der Kamera.

Stuttgart - Ihr Lachen ist ansteckend und wer sie kennenlernt, muss sie einfach mögen: Tamara Röske aus Stuttgart hat ein Charisma, das hängen bleibt. Seit sie elf Jahre alt ist, steht die 27-Jährige, die mit dem Down-Syndrom geboren wurde, immer wieder vor der Kamera. Nachdem die Fotografin Conny Wenk Tamara in jungen Jahren erstmals für ihr Buch „Vaterglück“ fotografiert hat, startete die Stuttgarterin als Model durch. Durch ihre Fotos bei Social Media erweckte sie Aufmerksamkeit bei großen Designern und ergatterte Jobs für Hugo Boss, Victoria Beckham oder Adidas. Auch als Schauspielerin ist sie inzwischen gefragt und spielte neben Elyas M‘Barek bei „Fack Ju Göthe 3“, beim „Traumschiff“ oder bei „die Toten vom Bodensee“ mit.

Tamaras größte Unterstützerin: Ihr Mutter Antje. Sie ist immer mit dabei, wenn ihre Tochter für einen Job auf Reisen geht. Gemeinsam waren sie schon in Rom, Paris, Berlin und auf Kreuzfahrt an der Ostsee. Wer sich mit den beiden unterhält, merkt schnell: Tamara und ihre Mutter sind ein eingespieltes Team. „Das Tolle an Tamara ist, dass sie völlig wertungsfrei ist“, sagt Antje Röske gegenüber BW24. „Für sie ist die Putzfrau genauso viel Wert wie ein Elyas M‘Barek. Ihr geht es nicht darum, dass das Prominente sind. Sondern es sind Menschen. Und so geht sie eben auch auf die Leute zu: Ich bin Mensch, du bist Mensch: Lass uns was zusammen machen.“

Tamara Röske: Am Set schließt sie schnell Freundschaften

Wenn man Tamara zuhört, wie sie auf ihre Modelkarriere zurückblickt, wird deutlich, dass sie das Leben so nimmt, wie es kommt. Auf die Frage, welcher Moment oder welcher Job für sie der schönste war, antwortet sie schlicht „Alle.“ In kurzer Zeit ist sie in der Lage, mit Menschen am Set Freundschaften zu schließen. „Elyas M‘Barek und ich sind beste Freunde - wir haben gemeinsam viel Blödsinn angestellt“, sagt sie und lacht. Die Mutter beschreibt ihre Tochter als „Herzöffner“ - sobald Tamara bei einem Shooting sei, sei sie schnell integriert und vermittle allen Beteiligten ein positives Gefühl. Inzwischen kommen die Anfragen für die Jobs von ganz alleine. Und das nicht ohne Grund: Auf Social Media zeigt Tamara auf zahlreichen Bildern aus vergangenen Fotoshootings, wie wandelbar sie ist und in welche Rollen sie bereits schlüpfen durfte.

Auch, wenn die 27-Jährige das Rampenlicht wieder verlässt und in ihren Alltag als Lageristin zurückkehrt, freut sie sich auf die Menschen, die sie dort umgeben. Ihre größte Stärke: Im Moment zu leben. Auch ihre Mutter kann sich davon noch eine Scheibe abschneiden, wie sie sagt. Bewusst geworden sei ihr das beispielsweise nach den Dreharbeiten zum „Traumschiff“ im Sommer 2020: „Tamara holt mich immer wieder auf den Boden zurück. Wenn du nach viereinhalb Wochen sensationellen Dreharbeiten mit prominenten Menschen, einem riesigen Set und schönem Hotel im Zug zurückfährst, und dann zu deiner Tochter sagst: Morgen müssen wir wieder anfangen mit arbeiten. Und sie sagt: Mama, ich freue mich so, dass ich wieder arbeiten darf und meine Kollegen wieder sehe. Das ist Tamara! Sie sagt nicht: Das war so schön, ich möchte da noch bleiben. Sie lebt im Hier und Jetzt.“

Tamara Röske wünscht sich ein Coaching von Heidi Klum - bei GNTM mitmachen will sie aber nicht

In der deutschen Modebranche ist Tamara Röske als Model mit Down-Syndrom noch immer eine Ausnahme. Mit Spannung verfolgt die Stuttgarterin in ihrer Freizeit die Casting-Show „Germanys Next Topmodel“ (GNTM). Dort wird in den vergangenen Jahren das Motto Diversity großgeschrieben. Ein Model mit Down-Syndrom gab es in der Show bislang noch nicht. Als GNTM-Fan träumt Tamara davon, einmal ein Coaching von Heidi Klum zu bekommen. An der Castingshow teilzunehmen, kann sie sich aber momentan nicht vorstellen. „Da bin auch ich persönlich ein bisschen dagegen, um ehrlich zu sein“, sagt ihre Mutter Antje. „Das ist mir zu viel Show einfach. Ich möchte nicht, dass da nachher in unserem Privatleben rumgeschnüffelt wird.“

Für Tamara ist das Modeln mehr eine Passion als ein Job. „Mit dem Modeln würde ich immer wieder anfangen“, sagt sie. „Es macht mir unglaublich viel Spaß. Ich trage unzählige schöne Klamotten, Schuhe, kann mich schön schminken lassen oder mir die Haare machen lassen.“ Manchmal darf sie die schöne Kleidung, die sie bei den Jobs trägt, auch behalten. Ein weiterer positiver Nebeneffekt des Modelbusiness: Man lernt spannende Menschen kennen. „Man kriegt auch einen Eindruck, was hinter den Kameras abläuft“, sagt Mutter Antje. „Meine Welt wäre es nicht - aber Tamara fühlt sich wohl. Und das ist, was für mich zählt.“

Tamara Röske: Beim Thema Inklusion sieht ihre Mutter noch Nachholbedarf

In der Modewelt ist Tamara also eine feste Größe. Beim Thema Inklusion in der Gesellschaft sieht ihre Mutter aber noch Nachholbedarf. “Da hat sich schon irrsinnig viel getan“, gibt sie zu. „Aber immer noch viel zu wenig.“ Konkret beobachte sie deutliche Unterschiede zwischen Berufswelt und Freizeit. „Ich sehe, dass es für Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt noch immer schwierig ist. Es tut sich viel im Freizeitbereich. Auch im Modebereich öffnet sich einiges - wobei ich finde, dass Deutschland da immer noch sehr träge ist.“

Zudem sei sie skeptisch, ob das Thema Diversity und Inklusion im Bereich Mode womöglich nur eine Übergangserscheinung ist. „Ich bin mir nicht sicher, ob das gerade nur ein Hype ist oder ob es sich tatsächlich festsetzt.“ Für die Zukunft wünscht sie sich, dass Tamara bestimmte Jobs bekommt, weil man in ihre Fähigkeiten als Model und Schauspielerin vertraut - und nicht, weil man „noch ein Model mit Down-Syndrom braucht“. Die Realität sieht leider offenbar noch anders aus.: „Da sind wir glaube ich noch ein Stück weit entfernt“, so die Mutter.

Tamara selbst hat jedenfalls noch lange nicht mit dem Modelbusiness abgeschlossen und hegt große Pläne für ihre weitere Karriere. Ihr größter Wunsch wäre es, einmal mit Matthias Schweighöfer und Til Schweiger zu drehen. Und: Noch mehr zu reisen. „Ich möchte einmal in die USA reisen“, schwärmt sie. „Meine Lieblingsorte sind New York City und Los Angeles.“ Wir hoffen für sie, dass ihre Träume in Erfüllung gehen und sind gespannt, welche spannenden Jobs sie als nächstes an Land zieht.

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