Fairplay-Aktion in Stuttgart

Befehl vom Trainer: Spieler der Stuttgarter Kickers schießt absichtlich Eigentor - „nicht jeder hat Verständnis“

Fotomontage: Das Logo der Stuttgarter Kickers an einem Dach auf dem Trainingsgelände. Daneben Spieler Lukas Kling und Trainer Ramon Gehrmann.
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Die Stuttgarter Kickers schossen auf Anordnung ihres Trainer Ramon Gehrmann am Samstag absichtlich ein Eigentor.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Die Stuttgarter Kickers schossen beim Heimspiel am Samstag ein Eigentor - allerdings nicht aus Versehen. Trainer Ramon Gehrmann gab den Befehl dazu.

Stuttgart - Die erfolgreichen Zeiten des zweitgrößten Fußballvereins in Stuttgart liegen mittlerweile zwar schon etwas länger zurück, am Samstag konnten die Stuttgarter Kickers jedoch zumindest inoffiziell einen kleinen Titel gewinnen - und zwar für die „Fairplay-Geste des Jahres“, wie die BILD in einem Bericht schrieb.

Hintergrund war ein Eigentor, das ein Spieler auf Anweisung von Trainer Ramon Gehrmann während der Oberliga-Partie zwischen dem Verein von der Waldau und dem FC Nöttingen geschossen hatte. Die Stuttgarter Kickers, die bereits ihre dritte Saison in Folge in Liga 5 absolvieren, hatten kurz vor der Halbzeitpause zur 2:0-Führung getroffen - als sich unter ihren Gegnern Unmut regte.

Stuttgarter Kickers: Eigentor beim Heimspiel gegen FC Nöttingen - Trainer Ramon Gehrmann wollte es so

Auslöser für die Unzufriedenheit war eine angebliche Unsportlichkeit der Stuttgarter Kickers, die im Gazi-Stadion vor 500 Zuschauern ihr sechstes Heimspiel absolvierten. Denn: Das 2:0 war in Folge eines Einwurfs entstanden, den es nach Ansicht der Nöttinger Spieler nur deshalb gegeben hatte, weil sie den Ball zuvor absichtlich ins Aus gespielt hatten - ein Mannschaftskollege war verletzt am Boden gelegen.

Anstatt den Ball nach Wiederanpfiff jedoch wie üblich einzuwerfen und dem Gegner aus Fairnessgründen zurückzupassen, spielten die Stuttgarter Kickers direkt weiter, woraufhin Cristian Gilés Sanchez das umstrittene Tor schoss. „Viele meiner Spieler hatten den Eindruck, der Ball sei versprungen und gar nicht absichtlich ins Aus gespielt worden“, begründete Chefcoach Ramon Gehrmann die Aktion seiner Mannschaft gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Der Trainer der Stuttgarter Kickers wollte es dann jedoch trotzdem ganz genau wissen: „Ich habe mich kurz mit dem gegnerischen Trainer und dem Schiedsrichter besprochen. Der meinte, der Ball sei wohl schon absichtlich rausgespielt worden“. Das Tor der Blauen fiel nach dieser Aussage also tatsächlich in Folge einer unsportlichen Aktion - wenn auch einer unabsichtlichen.

Heimspiel der Stuttgarter Kickers: Trainer Ramon Gehrmann forderte Spieler auf, Eigentor zu schießen

Stuttgarter-Kickers-Trainer Ramon Gehrmann schien das jedoch nicht auf sich sitzen lassen zu wollen - und ordnete seinen Spielern daher an, den Ball direkt im Anschluss ins eigene Tor zu schießen, um für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen. Die Folge: Ein Eigentor durch Lukas Kling direkt aus dem Mittelfeld.

Für den Coach dennoch keine einfach Situation, denn es handelte sich bei der Begegnung um ein Spitzenspiel - der FC Nöttingen hatte (bei bislang einem Spiel weniger) vor der Partie nur einen Punkt weniger als die Stuttgarter Kickers. „In der Halbzeit hatte nicht jeder Verständnis für die Aktion“, erklärte Ramon Gehrmann gegenüber der dpa. „Hätten wir nicht gewonnen, wäre ich wohl nicht so locker drauf“.

Zu seinem Glück ging die Partie am Ende trotzdem mit einem verdienten 4:1-Sieg der Stuttgarter Kickers aus. Wer weiß - vielleicht sogar mit göttlichem Beistand? „Ich bin ja katholisch, und da oben gibt es ein Konto“, wird Ramon Gehrmann von der BILD zitiert. Von diesem Konto könne man abheben und einzahlen. „Heute war es wahrscheinlich so, dass wir damit wieder eingezahlt haben und vielleicht wieder Guthaben vorliegt“, so der Trainer der Stuttgarter Kickers.

Anweisung vom Trainer: Trainer der Stuttgarter Kickers befahl seinem Spieler, ein Eigentor zu schießen

Auch die Fans der Stuttgarter Kickers sind jedenfalls stolz auf das Eigentor. „Die großartige Aktion der Blauen ist in aller Munde ... und Ohren und Augen“, schreibt ein etwa begeisterter Fan auf Social Media. „Klasse Aktion. Der Trainer hat es einfach verdient mit dem Team aufzusteigen“, schreibt auch ein neutraler Beobachter, wie der User sich selbst bezeichnet. Aktuell steht der Verein von der Waldau mit 27 Punkten auf Platz 2 der Oberliga Baden-Württemberg.

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