Coronavirus in Baden-Württemberg

Stuttgarter Biohändler sucht auf einem Jobportal für Ungeimpfte nach Mitarbeitern

Eine Filiale von „bio b“ in der Stuttgarter Arnulf-Klett-Passage.
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Eine Filiale von „bio b“ befindet sich in der Stuttgarter Arnulf-Klett-Passage.
  • Carolin Freytag
    VonCarolin Freytag
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Seit kurzem finden sich im Netz mehrere Jobportale, die sich explizit an Ungeimpfte richten. Ein Stuttgarter Biohändler schaltet auf „impffrei.work“ Stellenanzeigen.

Stuttgart - Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha fand schon im Sommer scharfe Worte für alle, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollten: „Jeder, der sich nicht impfen lässt, gefährdet die gesamtmedizinische Versorgung“, erklärte er im August. Man habe das medizinische Personal vielerorts „verbrannt“, nur weil manche zu faul seien, sich impfen zu lassen.

Inzwischen hat sich die Lage im Land drastisch zugespitzt. Der Herbst kam, es wurde kälter. Die Infektionen schießen seit Wochen regelrecht in die Höhe. Die Inzidenz für ganz Baden-Württemberg liegt derzeit bei 476 (Stand: 24. November). Und wieder ändern sich wöchentlich die Corona-Regeln. So gilt ab diesem Mittwoch im Bundesland die „Alarmstufe II“. Ungeimpfte dürfen nun beispielsweise den Einzelhandel in vielen Städten nicht mehr betreten.

Ein gewichtiger Grund für die missliche Situation, in der sich derzeit nicht nur Baden-Württemberg, sondern ganz Deutschland befindet, ist für viele Politiker und Experten die hohe Zahl der Ungeimpften im Land. Gerade einmal 68 Prozent der Deutschen sind derzeit vollständig geimpft. Im internationalen Vergleich wenig.

Jobportale für Ungeimpfte: „Ausgrenzung und Diffamierung von Arbeitnehmern entgegenwirken“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann betont in einer Erklärung des Staatsministeriums, der „Hauptgrund“ für die enorm hohen Inzidenzen sei, dass zu wenig Menschen geimpft sind. „Aber allein die Impfungen sind der Ausweg aus diesem Schlamassel.“ Der aktuelle Stand bei den Impfungen sei „ein echtes Problem“.

Der Protest der Impfgegner wird lauter, ihre Freiheiten werden täglich stärker eingeschränkt. Die Politik diskutiert die Impfpflicht. Am Arbeitsplatz gilt inzwischen bundesweit 3G - geimpft, genesen, getestet. Und auch hier ist nun der Protest derjenigen, die sich vehement gegen die Impfung stellen, angekommen: in Form von Jobportalen, die sich ausdrücklich an Ungeimpfte richten. Eines davon heißt „impffrei.work“.

In der Selbstbeschreibung des Portals ist davon die Rede, dass man etwas dagegen tun wolle, Arbeitnehmer auszugrenzen und zu diffamieren. Man sei „eine alternative Jobbörse“. Die Politik habe den Weg zum indirekten Impfzwang eingeschlagen, um noch arbeiten zu dürfen. Und: „Der mRNA-“Impfstoff“ habe nur eine Notfallzulassung. Langzeitfolgen seien unbekannt, sie könnten zu großen wirtschaftlichen Schäden und zum Ausfall von wichtigen Mitarbeitern werden, schreibt „impffrei.work“. Wie der Spiegel berichtet, spricht der Portal-Betreiber auf seinem Telegram-Kanal zudem von „Impfterror“ und sagt, „die wahre Pandemie ist die Impfung.“ Ein Impressum will man ausdrücklich nicht auf dem Portal, man sei weder gewerblich noch professionell.

Stuttgarter Biohändler „Bio b.“ sucht auf Jobportal für Ungeimpfte nach Verkäufern

Ein Jobportal, das eher zweifelhaft wirkt und dessen Selbstbeschreibung an corona-kritische „Querdenker“ erinnert, ist für viele wohl nicht die erste Anlaufstelle bei der Suche nach Arbeit. Dennoch: Der Stuttgarter Biohändler „Bio b.“ nutzt die Plattform, um Mitarbeiter zu suchen. Mehrere Stellenanzeigen hat der Händler derzeit bei impffrei.work geschaltet.

Auf dem Jobportal impffrei.work sucht „bio b“ unter anderem nach Verkäuferinnen und Verkäufern.

Eine Filiale von bio b. befindet sich in der Arnulf-Klett-Passage am Hauptbahnhof Stuttgart, eine weitere in Kirchheim unter Teck. Für beide Standorte werden Mitarbeiter gesucht. Auf Nachfrage von BW24, warum bio b. beim Portal impffrei.work auf Mitarbeitersuche ist, erklärt Geschäftsführer Dirk Seiler: „Wir suchen auf ganz vielen kostenlosen Portalen Mitarbeiter. Ob die Mitarbeiter geimpft oder ungeimpft sind, spielt dabei keine Rolle.“ Mitarbeiter zu finden, sei derzeit ohnehin ein Problem. „Deshalb suchen wir auf allen möglichen Plattformen, die kostenfrei und für uns bezahlbar sind.“ Nicht das Thema Impfung stehe im Fokus, so Seiler. Es gehe in erster Linie darum, überhaupt Mitarbeiter zu finden.

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