Impfstatusabfrage bei Wohnungsbesichtigung

Stuttgart: Vermieter bietet 4-Zimmer-Wohnung „für Ungeimpfte“ an

Wohnhäuser in Stuttgart in der Morgensonne.
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Eine Annonce für eine zu vermietende Wohnung im Zentrum der Landeshauptstadt schlägt aktuell Wellen. (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Freie Wohnungen in Stuttgart sind nicht leicht zu finden und noch schwerer zu bezahlen. Eine Wohnungsannonce in der Landeshauptstadt schlägt nun Wellen.

Stuttgart - Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart ist zum Wohnen ein teures Pflaster. Vor allem die Mietpreise in der Schwabenmetropole gehören deutschlandweit zu den traurigen Spitzenreitern und werden nur noch von München übertroffen. Ein Immobilienportal berechnete kürzlich, wie viel Gehalt die Mieten in Stuttgart schlucken, nach Berufsgruppen. Doch auch für Studierende wird das Leben im Kessel immer kostspieliger. Studenten müssen für WG-Zimmer in Stuttgart viel Geld hinblättern.

Doch nicht nur die Mietpreise sind in Stuttgart seit langem eine große Hürde für Wohnungssuchende. Auch die freien Wohnungen an sich sind in der Stadt rar gesät. Eine Annonce für eine zu vermietende Wohnung im Zentrum der Landeshauptstadt schlägt aktuell Wellen. Der Grund ist jedoch noch nicht mal die Höhe der geforderten Miete, sondern eine andere Angabe, die Interessenten wohl bei der Wohnungsbesichtigung angeben müssen.

Stuttgart: Wohnung zu vermieten - doch nur „für Ungeimpfte“?

Geimpft oder nicht geimpft. Diese Frage spaltet aktuell die Gesellschaft, auch in Baden-Württemberg. Für die Ungeimpften wird der Druck immer weiter erhöht, während die Geimpften immer mehr Freiheiten genießen dürfen. Laut Angaben des Landesgesundheitsamtes sind derzeit 62 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geimpft. Diese sollten mit einem entsprechenden Nachweis auch bei der Wohnungssuche Vorteile genießen, könnte man meinen. Ein Vermieter in Stuttgart sieht das jedoch anders. Angeboten wird eine „zentrale, ruhige, lichtdurchflutete 4-Zimmer-Maisonettwohnung“ in zentraler Lage „zwischen Stuttgart-Mitte und Stuttgart-Ost ... am Aufgang zur Uhlandshöhe“, berichtet die Stuttgarter Zeitung.

Interessenten, die eine monatliche Kaltmiete von 1.400 Euro und eine Kaution von 3.900 Euro für die 97 Quadratmeter große Wohnung in Stuttgart aufbringen können, müssen sich jedoch auf eine Frage gefasst machen. Laut der Stuttgarter Zeitung enthielt die Anzeige nämlich den Zusatz: „für Ungeimpfte“. Die Abfrage des Impfstatus steht bereits seit langem in der Kritik. Der Arbeitgeberverband forderte beispielsweise, den Impfstatus von Mitarbeitern erfragen zu dürfen. In Bezug auf die Abfrage bei einer Wohnungsbesichtigung stellt sich jedoch die Frage, ob das überhaupt erlaubt ist.

Stuttgarter-Vermieter will nur an Ungeimpfte vermieten - „ist nicht zulässig“

Bei einer Wohnungsbesichtigung muss man sich als Interessent wohl so einige Fragen gefallen lassen. „Haben Sie Haustiere“, „sind Sie Raucher“ oder die Frage nach dem finanziellen Einkommen sind gängige Beispiele. Fragen nach Krankheiten, einer Schwangerschaft oder sonstigen persönlichen und gesundheitlichen Aspekten gehen den Vermieter dagegen nichts an. Das gilt laut Ulrich Wecker, Geschäftsführer von „Haus und Grund Stuttgart“ auch für den Impfstatus. „Das ist nicht zulässig“, sagte er der Stuttgarter Zeitung. Es sei zwar nicht klar, ob eine solche Frage bereits eine Ordnungswidrigkeit sei, sagte Rolf Gaßmann, Vorsitzender des Mietervereins Stuttgart. Aber „man muss die Frage nicht beantworten“.

In einer Zeit, in der geimpfte Bürger deutlich mehr Freiheiten genießen als Ungeimpfte, stellt sich die Frage, was der Vermieter der Wohnung in Stuttgart mit seiner Annonce bezwecken will. „Ist das eine verdeckte Förderung von Querdenkern?“, überlegt auch Ulrich Wecker. Er halte die Anzeige nicht nur für rechtlich unzulässig, sondern auch für „sachlich falsch“. Ob der Vermieter durch die Anzeige einen Mieter finden wollte, der seine Weltanschauung teilt, oder ob die Anzeige einfach nur für besondere Aufmerksamkeit sorgen sollte, ist nicht bekannt. Auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung wollte sich der Vermieter nicht dazu äußern, entfernte jedoch den Zusatz „für Ungeimpfte“ aus der Annonce.

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