Überraschender Trend

„Kleine Sensation“: Auf dem Wohnungsmarkt in Stuttgart passiert etwas völlig Unerwartetes

  • Anna-Lena Schüchtle
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Experten meinen, dass Wohnen durch die Folgen des Coronavirus billiger wird. Eine Untersuchung in Stuttgart zeigt jetzt, dass sie recht haben könnten.

Stuttgart - In der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg zeigte sich in den vergangenen Jahren ein verheerender Trend beim Wohnen. Ein absurder Vergleich offenbarte jüngst, dass Mieten in Stuttgart inzwischen Luxus ist. In der Schwaben-Metropole sind die Preise im Vergleich zu anderen Großstädten des Südwestens nicht nur am teuersten - auch der Abstand zu ihnen wird immer größer.

Bereits zu Beginn der Pandemie vermuteten Experten jedoch, dass die Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg Auswirkungen auf die Preise für Immobilien und Mieten haben könnte - auch auf den Mietspiegel und die Preise in Stuttgart. Eine aktuelle Untersuchung des Immobilienverbands Deutschland Süd (IVD) scheint diese Prognose nun zu bestätigen.

Stuttgart: Coronavirus in Baden-Württemberg hat Folgen für Wohnungen und Mieten

Bei der Preisentwicklung von Wohnungen und Mieten zeigt sich wegen des Coronavirus eine „kleine Sensation“.

Aufgrund der starken Wirtschaft in Stuttgart mit Weltunternehmen wie der Daimler AG, Bosch oder der Porsche AG ist die Landeshauptstadt von viel Wohlstand geprägt. Das gilt auch im Vergleich zu anderen Landeshauptstädten: Im Gehaltsranking belegte Stuttgart Platz 1 mit einem jährlichen Bruttogehalt von durchschnittlich 44.901 Euro (Stand 2017). Das hat jedoch unter anderem zur Folge, dass die Preise für Immobilien und Mieten zuletzt stark gestiegen sind.

Ausgerechnet durch die fatalen Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg könnte sich das nun jedoch ändern. Denn: „Die bisher den Stuttgarter Markt prägende Dynamik hat spürbar nachgelassen“, erklärt Stephan Kippes im CityReport des IVD-Marktforschungsinstituts. „Auch wenn die Preisentwicklung für Wohnimmobilien bis jetzt tendenziell steigend ist, liegt eine getrübte Stimmung bei den Marktakteuren in der Luft.“ 

Soll heißen: Die Immobilienpreise steigen in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg zwar weiterhin - aber langsamer. Angesichts der ausgeprägten Anstiege über viele Jahre hinweg komme dieses Abflachen der Preisentwicklung in Stuttgart laut Stephan Kippes jedoch schon fast einer „kleinen Sensation“ gleich.

Den Grund für den schrumpfenden Markt sieht der IVD Süd in der sinkenden Zahl der Wohnungsangebote, der Besichtigungen und der Kaufverträge. In den vergangenen vier Wochen seien beispielsweise 7,2 Prozent weniger Wohnungen auf dem Markt gewesen als im Vorjahreszeitraum - eine Folge des Coronavirus in Baden-Württemberg.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Untersuchung zeigt Auswirkungen auf Wohnungsmarkt

Die erschwerten Bedingungen zeigen sich etwa anhand von Wohnungsbesichtigungen, die wegen des Lockdowns aktuell nur eingeschränkt stattfinden können. So muss beispielsweise die Einhaltung der Hygieneregeln und des Mindestabstands unter allen Umständen gewährleistet sein - Massenbesichtigungen sind damit quasi ausgeschlossen.

Und auch der Kreis der Kaufinteressierten habe sich verändert und „vorwiegend auf Menschen mit klassischen Kaufmotiven reduziert, die mit Bedacht am Markt agieren“, erklärt Stephan Kippes im City-Report für Stuttgart. Kaufinteressenten, die vor dem Ausbruch des Coronavirus noch im letzten Moment vor dem Zinsanstieg „auf den fahrenden Immobilienboom-Zug aufspringen wollten“ und eher preisunempfindlich waren, seien am Markt mittlerweile deutlich weniger präsent.

Mietpreise verändern sich durch Folgen des Coronavirus in Stuttgart

Im Vergleich zum Kaufmarkt seien die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg laut IVD Süd bei den Mietpreisen deutlich stärker zu spüren. Insbesondere in der oberen Preisklasse ging die Nachfrage in der Landeshauptstadt zurück, was sich in Ansätzen jedoch bereits auch schon vor der Pandemie bemerkbar gemacht hatte. Grund dafür sei aktuelle Krise der Autobranche, die insbesondere den Wirtschaftsstandort Stuttgart trifft.

Wohnungen zu Miete würden unter den neuen Voraussetzungen jedoch noch differenzierter betrachtet werden. Schwächere Objekte, die vor der Pandemie im sogenannten Sog-Effekt noch mitgezogen worden seien, fänden aktuell daher schwerer Abnehmer. Keine Änderung zeige sich dagegen im niedrigen und mittleren Preissegment, wo trotz des Coronavirus auch weiterhin ein sehr unausgewogenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bestehe. Aufgrund des Mangels an Wohnungen zahlen neue Mieter für eine Altbauwohnung gemäß der aktuellen Erhebung des IVD-Instituts durchschnittlich 15,30 Euro im Monat.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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