Aufnahme von Flüchtlingen

„Enttäuschend“: Nach Kretschmanns Moria-Ankündigung versammeln sich Hunderte versammeln in Stuttgart

Menschen lagern vor einem Supermarkt in der Nähe des ausgebrannten Flüchtlingslagers Moria. Foto: Socrates Baltagiannis/dpa
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Menschen lagern vor einem Supermarkt in der Nähe des ausgebrannten Flüchtlingslagers Moria. Foto: Socrates Baltagiannis/dpa
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Nach dem verheerenden Feuer im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos kündigte Winfried Kretschmann an, Flüchtlinge aufzunehmen. Hunderte Demonstranten versammelten sich daraufhin in Stuttgart.

Stuttgart - Nach den verheerenden Bränden in der Nacht auf Mittwoch, ist das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos nahezu vollständig zerstört. Etwa 13.000 Menschen haben keine Unterkunft mehr. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kündigte an, helfen zu wollen.

Man wolle „nicht weiter tatenlos zusehen" und Flüchtlinge aus Moria aufnehmen, ließ der Regierungschef am Mittwoch über den Twitter-Account der Landesregierung ausrichten. Kretschmann appellierte an die Bundesregierung und forderte eine Aufstockung des Aufnahmekontingents.

Stuttgart: Demonstration für Aufnahme der Flüchtlinge aus Moria nach Kretschmanns Ankündigung

Die Ankündigung von Winfried Kretschmann stieß prompt auf eine Reaktion: Am Mittwochabend versammelten sich Hunderte Menschen auf dem kleinen Schlossplatz im Zentrum der Landeshauptstadt Stuttgart. Sie forderten die Auflösung von Flüchtlingslagern und die Aufnahme der Hilfsbedürftigen, wie die Stuttgarter Nachrichten (StN) am Mittwoch berichteten.

Laut den StN folgten dem Aufruf zu der Demo in Stuttgart am Mittwoch mehrere Hundert Personen. Die Veranstaltung trug das Motto „Wir haben Platz. Evakuiert die Lager“ und richtete sich gegen die europäische Flüchtlingspolitik im Allgemeinen aber auch gegen die deutsche Reaktion auf die Zustände im Flüchtlingslager auf Lesbos. Redner verwiesen am Mittwoch auch immer wieder darauf, dass die Zustände in Moria schon vor dem katastrophalen Brand unzumutbar gewesen seien, wie die StN berichten. „Jetzt profilieren sich Politiker als Retter“, sagte ein Teilnehmer der Demonstration. „Vorher haben sie weggesehen“. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann forderte die Bundesregierung zu einem schnellen und gezielten Handeln auf.

Demonstrationen haben in Stuttgart eine lange Tradition. Medien wie der Berliner Tagesspiegel bezeichneten die Schwaben-Metropole sogar als „Protest-Hochburg“. In diesem Jahr zeigte sich das bereits an den vielen Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen und den „Black-Lives-Matter“-Demos in Stuttgart.

Demonstration in Stuttgart: Haltung von Fritz Kuhn sei „enttäuschend"

Nicht nur Winfried Kretschmann bot stellvertretend für Baden-Württemberg Hilfe für die Flüchtlinge aus Moria an. Auch Fritz Kuhn (Grüne), der Oberbürgermeister von Stuttgart, meldete sich mit einer Mitteilung auf der Homepage der Stadt zu Wort. Im Rahmen der Initiative „Seebrücke“ beteiligen sich schon viele Städte an einer Aufnahme der Flüchtlinge. „Auch Stuttgart wird sich daran beteiligen, wenn der Bund angesichts der verheerenden Lage auf Lesbos Flüchtlinge von der Insel rettet und nach Deutschland holt“, sagte OB Kuhn in der Mitteilung. Für einige ist das Warten auf die Freigabe der Bundesregierung jedoch zu zögerlich. „Das ist enttäuschend“, sagte Katja Walterscheid vom Verein „Just Human“ den StN. „Wie lange wollen wir noch warten?“.

Stuttgart: Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria stößt auch auf Kritik

Nicht alle Menschen in Stuttgart sind erfreut über die Ankündigung von Winfried Kretschmann, Flüchtlinge aus Moria auszunehmen. „Wann ist denn die Grenze erreicht“, fragt ein erboster Nutzer unter einem Facebook-Beitrag von BW24. „Erst dann, wenn Deutschland vor dem Bürgerkrieg steht? Helfen ja! Das hat Deutschland in der Vergangenheit und auch jetzt gemacht. Aber es gibt für alles Grenzen.“ Ein anderer Nutzer kommentiert: „Deutschland ist nicht das Rettungsboot der Welt, Hilfe vor Ort ist die einzige Lösung.“

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