Mit 15 Jahren eingeschläfert

Sensation in der Wilhelma: Leopard soll nach seinem Tod weiterhin Nachwuchs zeugen

Der persische Leopard Aman in der Stuttgarter Wilhelma
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Der persische Leopard Aman lebte seit 2012 in der Stuttgarter Wilhelma. Nun wurde die Raubkatze im hohen Alter von 15,5 Jahren eingeschläfert.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Wilhelma betrauert den Tod von Leopard Aman. Die persische Raubkatze ist vom Aussterben bedroht. Nach seinem Tod soll Aman helfen, seine Art zu retten.

Stuttgart - Seit neun Jahren lebte der persische Leopard Aman in der Wilhelma in der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Raubkatze gehörte zu den Publikumslieblingen der Stuttgarter Sehenswürdigkeit. Der Kater hatte bereits ein stolzes Alter von 15,5 Jahren erreicht. Aber Aman baute zusehends ab. Um ihm Leid zu ersparen, entschlossen sich die Tierärzte der Wilhelma, ihn einzuschläfern.

Ein großer Verlust, nicht nur für die Wilhelma. Denn der persische Leopard ist vom Aussterben bedroht. In seiner Heimat, dem Kaukasus, leben laut WWF nur noch etwa 60 Exemplare in freier Wildbahn. Doch Aman könnte auch nach seinem Tod dazu beitragen, seine Art zu erhalten. Bei der Obduktion der Katze konnten noch vitale Spermien gesichert werden.

Stuttgarter Wilhelma trauert um Leopard Aman - Raubkatze litt an einem Lebertumor

Schon in den letzten Wochen wurde deutlich, dass es Aman nicht gut ging. Er ging selten nach draußen, verlor immer mehr an Gewicht und schien unaufmerksamer als sonst. Was niemand wusste: Der Leopard litt an einem Lebertumor. „Es ist immer wieder bemerkenswert, wie Wildtiere selbst schwere Erkrankungen bis fast zum Schluss verbergen können“, sagt Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin in einer Pressemitteilung der Wilhelma. „Das gehört zu ihren zentralen Überlebensfähigkeiten dazu, denn jedes Zeichen der Schwäche würde in der Wildnis ihre Chancen gegenüber Feinden und Rivalen drastisch verschlechtern.“ Erst im Oktober starb Wilhelma-Giraffenbulle Hanck nach einer Narkose.

Die Wilhelma will künftig keine Leoparden mehr halten. Zurück in die Wilhelma kehren allerdings die Zwergflusspferde. Für das alte Gehege von Aman bemüht sich der zoologische Garten um einen Jaguar-Kater als Partner für die Katze Taima, die seit 2019 in der Wilhelma lebt. Nichtsdestotrotz hinterlässt Aman der Wilhelma ein großes Vermächtnis. Der Kater könnte dazu beitragen, seine Artgenossen zu retten.

Wilhelma-Leopard Alman soll nach seinem Tod noch für Nachwuchs sorgen

Denn Persische Leoparden sind nicht nur in freier Wildbahn selten zu sehen, auch nur wenige Zoos beherbergen die großen Raubkatzen. In den Zoos weltweit leben noch rund 100 dieser Leoparden, so die Wilhelma. Ursprünglich kam die persische Unterart der Leoparden im nördlichen Iran, Afghanistan sowie dem Kaukasus vor. Doch aufgrund von Bergbau, Rodungen und menschlichen Siedlungen wurde der Lebensraum der Katzen immer weiter zerstört. Zudem wurden die Leoparden über Jahrhunderte für ihr Fell und Fleisch gejagt. Inzwischen ist der Handel und die Tötung der Tiere verboten. Der Bestand konnte sich bisher jedoch nicht erholen.

Als Leopard Aman 2012 in die Wilhelma kam, erhoffte sich der zoologisch-botanische Garten in Baden-Württemberg, mit dem Männchen zur Arterhaltung beitragen zu können. Doch Aman hatte andere Pläne: Wie die Wilhelma schreibt, vertrug sich der Kater nicht mit den Weibchen. Zu Lebzeiten zeugte Aman keine Nachkommen. Doch nach seinem Tod könnte die Raubkatze doch noch Nachwuchs zeugen. „Bei seiner Obduktion konnten erfreulicherweise noch sehr vitale Spermien gewonnen werden“, so Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin laut der Mitteilung. „Diese werden nun in einer Samenbank konserviert, in der Hoffnung, dass damit eine Leopardin befruchtet werden kann.“

Das Zuchtprogramm der persischen Leoparden managt die Europäische Vereinigung der Zoos und Aquarien (EAZA). Sie unterstützt auch die Auswilderung der Nachzuchten im Kaukasus. Seit 2016 werden immer wieder persische Leoparden im Kaukasus-Gebiet in Naturreservaten im Südwesten Russlands erfolgreich ausgewildert. Und wer weiß - vielleicht werden künftig auch Nachkommen von Aman dort wild und frei durch die Berge streifen.

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