Gefährdete Art

Tod einer Affenmama überschattet Baby-Boom bei den Bonobos in Stuttgarter Wilhelma

Bonobo-Dame Bikita mit ihrem Neugeborenen in der Stuttgarter Wilhelma
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Bonobo-Weibchen Bikita mit ihrem Nachwuchs.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Stuttgarter Wilhelma freut sich über einen Kindersegen bei den Bonobo-Affen. Doch der Tod von Affenmama Fimi und ihrem Baby überschattet das freudige Ereignis.

Stuttgart - Nicht nur beim Wetter in Deutschland ist derzeit Frühling angesagt. In der Wilhelma in Stuttgart herrscht ein wahrer Baby-Boom. Bei den Bonobo-Affen gab es gleich mehrfach Nachwuchs. Zwei Jungtiere sind bereits auf die Welt gekommen, ein drittes wird noch erwartet. Für die Erhaltung der bedrohten Affen-Art sind diese Nachzuchten ein wertvoller Beitrag. Denn auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) werden die Bonobos als „stark gefährdet“ eingestuft. Durch den Verlust ihres Lebensraums in den Wäldern Zentralafrikas sowie durch Wilderei und Krankheiten steht das Überleben der Art auf dem Spiel.

Umso tragischer ist da der Verlust von Affendame Fimi. Sie und ihr Baby überlebten die Schwergeburt nicht, wie die Wilhelma mitteilte.

Stuttgarter Wilhelma: Bonobo-Dame Fimi stirbt bei tragischer Geburt

„Die Freude ist riesengroß, dass wir gleich mehrfach gesunden Nachwuchs haben“, sagt Dr. Thomas Kölpin, Direktor des Zoologisch-Botanischen Gartens in Stuttgart. Doch Fimis Tod überschattet diese Freude. Bei aller Begeisterung betrübe der Verlust der beiden anderen Tiere die Wilhelma, sagt Kölpin. Bei Fimi kam es zu einer Schwergeburt, die weder die Affendame, noch ihr Baby überlebten.

„Wie in der Natur besteht auch im Zoo immer die Gefahr, dass eine Geburt missglücken kann. Aber es ist ein Jammer um jeden einzelnen der seltenen Menschenaffen“, so der Wilhelma-Direktor weiter. Wie eine Obduktion ergab, hatte sich im Mutterleib die Nabelschnur so um den Fötus gewickelt, dass es Fimi unmöglich war, das Baby zu gebären.

Die Affendame Fimi starb, als sie ihr Junges zur Welt bringen wollte.

Dass es der Affendame nicht gut ging, ließ sie sich überhaupt nicht anmerken. Für Wildtiere ist dies ein typisches Verhalten, um keine Schwäche zu zeigen. Fimi zeigte erst spät Symptome. Zu spät, wie der Zoologisch-Botanische Garten schreibt.

Auch Wilhelma-Besucher können helfen: Spenden für Schutzprogramme in Afrika

Die Geburten der Bonobo-Damen Banbo und Bikita gingen zum Glück problemlos über die Bühne. Ob es sich beim Nachwuchs um Männchen oder Weibchen handelt, wissen die Zoomitarbeiter noch nicht. Die Neugeborenen klammern sich ununterbrochen an ihre Mütter, wodurch noch kein Blick auf das Geschlecht möglich war. „Inzwischen haben die Kleinen ihre Augen auf und nehmen das Umfeld immer besser wahr“, sagt Bea Jarczewski, Leiterin des Menschenaffen-Reviers. „Aber vorerst stehen fast nur Schlafen und Trinken auf dem Programm.“ Für die Besucher dennoch ein niedlicher Anblick. Auch sonst hat die Wilhelma ihren Besuchern 2022 viel zu bieten. Neue Gehege sind geplant und neue Tiere ziehen in den Zoo.

Eine Geburt steht im Menschenaffenhaus auch noch aus. Bonobo-Dame Mary Rose ist noch hochschwanger, es könnte jeden Moment so weit sein. Für die 12-jährige Mary Rose ist das Junge der erste Nachwuchs. Jeder der kleinen Menschenaffen trägt zum Erhalt der Bonobos bei. In der Stuttgarter Wilhelma wurde für die Menschenaffen ein eigens angelegtes Gehege errichtet, um dort Nachzuchtprogramme durchführen zu können. Mit 23 Tieren ist dort ist eine der größten und erfolgreichsten Bonobo-Gruppen weltweit zu Hause. Im globalen Zoonetzwerk für die Erhaltungszucht gibt es 220 Tiere. Auch 2021 wurden viele Tierbabys in der Stuttgarter Wilhelma geboren.

Die Wilhelma setzt sich nicht nur für die Nachzucht ein, sondern fördert seit 2013 zudem Schutzprogramme für Bonobos in Afrika. Hier können auch Wilhelma-Besucher helfen. Mit Spenden unterstützt die Sehenswürdigkeit in Stuttgart Projekte in der Demokratischen Republik Kongo. „Lola ya Bonobo“ betreibt eine Auffangstation, die beschlagnahmte Bonobowaisen rettet und sie später wieder auswildert. Das Projekt „Bonobo alive“ finanziert Anti-Wilderer-Patrouillen, um die seltenen Menschenaffen zu schützen.

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